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17.05.2018, 18:55 Uhr PARADIGMENWECHSEL

Flüchtlingspolitik: Zeit der Hoffnung ist vorbei

Kommentar von Sandra Dorn

Der Wind im Land hat sich gedreht. Foto: DornDer Wind im Land hat sich gedreht. Foto: Dorn

Osnabrück. Es sind dieselben Gruppen wie vor drei bis vier Jahren, die jetzt wieder eine Abschiebung verhindern wollten. Und doch ist inzwischen alles anders.

Damals ging es für die Aktivisten und Flüchtlinge nur darum, Zeit zu schinden, damit die Asylverfahren in Deutschland bearbeitet werden und nicht gemäß Dublin-Abkommen in einem anderen EU-Staat. In vielen Fällen hatten die Abschiebegegner Erfolg – und der Staat ließ sich bereitwillig darauf ein, schließlich galt die Willkommenskultur. Einige der Flüchtlinge haben das Angebot ernst genommen und sich bestens integriert – so wie der 34-Jährige aus Pakistan.

Er hat die Zeit seines langen Asylverfahrens genutzt. Drei Jahre dauerte es seit seiner Ankunft in Deutschland, bis das Bundesamt über seinen Asylantrag entschieden hatte. Und erst jetzt, noch einmal zwei Jahre später, sind alle Rechtsmittel erschöpft. Doch alle Bemühungen waren umsonst, jetzt soll er tatsächlich abgeschoben werden – Ausbildungsplatz hin oder her. Es wird strikt nach Aktenlage geurteilt, der Einzelfall zählt nicht.

Die Verhinderung einer Abschiebung war vor vier Jahren verbunden mit der Hoffnung auf eine Zukunft in Deutschland. Die Verhinderung einer Abschiebung heute hat ein Leben in der Illegalität zur Folge. Eine bedenkliche Entwicklung, die die Flüchtlinge unverschuldet ausbaden müssen.


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