Architektenwettbewerb gewonnen Wie in den 20ern: So soll das Hotel am Neumarkt aussehen

Von Rainer Lahmann-Lammert


Osnabrück. Klare Kanten, runde Ecken, hochwertige Materialien: Anstelle der Sportarena soll ein Hotelneubau entstehen, der gestalterisch die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts aufleben lässt. Beim Architektenwettbewerb gab es ein einstimmiges Votum für das Planungsbüro Rohling (pbr) aus Osnabrück.

Die Adresse Neumarkt 3 wird künftig dem Hotel Ninety-Nine gehören – in einem Gebäude, das der Osnabrücker Immobilienkaufmann Theodor Bergmann für die Hamburger Centro-Gruppe errichtet. Bergmann hat in Absprache mit der Stadt acht Architektenbüros aus dem In- und Ausland zu einem Wettbewerb für die Fassadengestaltung eingeladen.

„Angemessene Architektursprache“

Dass mit der pbr AG ein Team aus Osnabrück gewann, war eine faustdicke Überraschung – auch für die Jury, in der neben dem Kölner Architekten Prof. Peter Schmitz auch Stadtbaurat Frank Otte und mehrere Ratsmitglieder vertreten waren. Vom Projektteam waren die Beiträge zuvor anonymisiert worden.

Von einer hochwertigen Gestaltung sprach der Juryvorsitzende Peter Schmitz im abschließenden Pressegespräch am Donnerstag. Mit seinem zweigeschossigen Sockel und der horizontalen Staffelung der Fensterbänder setze der Baukörper einen städtebaulichen Akzent an der Nordostecke des Neumarkts. Die Urheber des Entwurfs hätten sich für eine „insgesamt wertige und dem Ort angemessene Architektursprache“ entschieden.

Zwei Restaurants sollen in dem Hotel Platz finden. Die gastronomische Nutzung bestimmt innen und außen den Blick auf das Erdgeschoss, während der Hoteleingang etwas versteckt an der Seite zur Hase angeordnet wird. Der Baukörper soll sieben Vollgeschosse bekommen, die achte Ebene tritt hinter der Fassade zurück.

Was er mit der Form des Baukörpers ausdrücken will, hat Heinrich Eustrup, Vorstandsvorsitzender der pbr AG auf Anfrage unserer Redaktion so erklärt: Die gewählte Rundung entspreche dem „auf diesem Grundstück abzubildenden gelenkartigen, städtebaulichen Richtungswechsel vom Neumarkt in die Wittekindstraße“. Mit seiner erhöhten Eckbetonung fungiere das Bauwerk als „point de vue“ aus beiden Richtungen. Eustrup bekennt sich in diesem Zusammenhang zur Bautradition des Architekten Erich Mendelsohn, der vor mehr als 100 Jahren das Gebäude der Berliner Schaubühne gestaltet hat.

Luftraum an der Ecke

Der Entwurf von pbr lässt an der Ecke einen Freiraum, der sich über die beiden unteren Etagen erstreckt. Dieser zusätzliche Luftraum, der keine planerische Vorgabe war, verleiht dem Gebäude eine Großzügigkeit, die bei anderen Wettbewerbsbeiträgen vermisst wurde. Eine „Ideallösung“, befand Stadtbaurat Frank Otte. Und der Juryvorsitzende Peter Schmitz würdigte, dass die architektonische Note insgesamt eine „Win-win-Situation“ darstelle – für den Investor gleichermaßen wie für die Öffentlichkeit.

Trotz der Loblieder auf den Siegerentwurf hatte es in der Jury auch Diskussionen gegeben, wie sich auf Nachfrage herausstellte. Denn mit dem Rückgriff auf die „goldenen 20er Jahre“ stellte sich für die Architekten im Preisgericht eine grundsätzliche Frage, die Schmitz so formulierte: „Sind wir nicht mutig genug, heutige Antworten zu finden?“

Die gestalterische Qualität habe darüber hinweggeholfen, hieß es aus der Jury, aber an das pbr-Team wurde der Wunsch herangetragen, bei der Nachbearbeitung feine Elemente aus der Jetzt-Zeit einzuweben. „Das trauen wir dem Büro zu“, fasste Schmitz zusammen. Diese Nuancen könnten sich in den Materialien und den Farben ausdrücken, lautete der väterliche Rat. In diese Richtung haben sich die Entwurfsverfasser selber schon bewegt, indem sie etwa schwarze Fotovoltaikmodule in die Fensterbänder einfügten.

Nur der Keller bleibt

So weit ging man bei den Entwürfen der Mitbewerber gar nicht ins Detail, weil es unter den neun Jurymitgliedern von Anfang an eine Präferenz für den Plan des Siegers gab. Auf Platz 2 kam das Architekturbüro Heimspiel aus Münster, das mit einer filigranen Betonfassade um die Gunst des Preisgerichts warb. „Ganz ansehnlich, aber ein bisschen das, was heute üblich ist“, lautete der Kommentar eines Jurymitglieds.

„Frischer, mutiger und vielleicht etwas überzogen“ empfand der Vorsitzende Schmitz hingegen den Entwurf von MAS Architekten aus dem niederländischen Hengelo, der auf Platz 3 landete. MAS hat am Neumarkt bereits mit dem 2014 fertiggestellten Hasehaus einen Akzent gesetzt.

Das seit März leer stehende Gebäude der Sportarena am Neumarkt 3 soll noch in diesem Jahr von der Bildfläche verschwinden, nur das Kellergeschoss bleibt. Im Frühjahr 2019 will Theodor Bergmann mit dem Hotelneubau starten. Fertigstellung soll im Sommer 2020 sein. „Das wird sehr sportlich werden“, sagt der Bauherr, aber er ist zuversichtlich, dieses Ziel zu halten.


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