Lob für Stimmung und Vielfalt Osnabrücker Maiwoche setzt Maßstäbe

Von Jan Krumnow

Maibowle mit Kussmund: Tauschreporter Jan Krumnow von der Siegener Zeitung fühlt sich auf der Osnabrücker Maiwoche wohl. Foto: David EbenerMaibowle mit Kussmund: Tauschreporter Jan Krumnow von der Siegener Zeitung fühlt sich auf der Osnabrücker Maiwoche wohl. Foto: David Ebener

Osnabrück. Burger, Bratwurst, Bier und gute Musik – was so banal klingt, trägt wesentlich zur Lebensqualität in einer Stadt bei, findet der Siegener Tauschreporter Jan Krumnow.

Stadtfeste sind das Salz in der Suppe eines lebendigen Oberzentrums. Umso erstaunlicher ist bei einer Stadt der Größenordnung von Osnabrück die Anzahl der Stände, die Größe des „Festgeländes“ und die Dauer der „Sause“. Das überrascht einen „Zugezogenen“ ungemein positiv. Und auch sonst: In den fünf Tagen meines Aufenthalts habe ich nicht einmal Pöbeleien, Aggressivität oder sonstige Ausfälle erlebt. Das ist auffallend und spricht für die Stadt, die auch abseits der Maiwoche ungemein entspannt und aufgeräumt wirkt.

Mehr Burger als Bratwurst

Dem Trend zum Streetfood – neudeutsch für Imbisswagen – ist es wohl zu „verdanken“, dass es gefühlt mehr Burger- als Bratwurst-Stände gibt. Ob das für die Kundschaft so abwechslungsreich und für die Burger-Brater so lukrativ ist, darf bezweifelt werden. Vom „Festen“ zum „Flüssigen“: Prima ist die Auswahl an verschiedenen Biersorten bzw. das Vorhandensein des ein oder anderen Maibowle- oder Weinstandes. Aus meiner Heimatstadt Siegen kenne ich es nur so, dass es auf dem gesamten Fest nur eine Sorte Pils gibt. Vom Maibock über verschiedene Weizenbiere bis hin zum Kellerbier ist die Maiwochenauswahl riesig – eine gute Sache für Besucher, die nicht auf Einheitsbrei stehen.

Zehn Tage feiern macht keine Probleme

Stichwort Einheitsbrei: Wenn man im Rahmen eines Festes mit verschiedenen Bühnen auf lokale Künstler setzt, dann kommt man um Cover-Bands nicht herum. Zwar habe ich mir beileibe nicht jede Band angehört. Die Gruppen, die mein Gehör fanden, haben allerdings ganz sicher zur guten Stimmung auf der Maiwoche beigetragen. Was Osnabrück zudem eindrucksvoll bewiesen hat: Man kann zehn Tage feiern, ohne eine wahrnehmbare „Besucherdelle“ zu haben. Selbst am Anfang der Woche waren die Straßen nach meiner Wahrnehmung gut gefüllt. Man feierte ein paar Stunden, ohne über die Stränge zu schlagen. Die Bands hörten pünktlich um 22 Uhr auf zu spielen, so dass sich die Störung der Anwohner – zumindest zur Schlafenszeit – in engen Grenzen halten dürfte.

Siegen: Endlich wieder ein Stadtfest

Die Maiwoche ist absolut nachahmenswert, zumal ich auch noch eine Zeit kenne, als es in Siegen jahrelang gar kein Stadtfest gab. Die Kosten waren (angeblich) einfach zu hoch. Die Freilegung der Sieg brachte frischen Wind in die Diskussion und nachdem das fertiggestellte Bauprojekt an einem Wochenende zünftig gefeiert worden war, waren sich alle Entscheider in Politik und Verwaltung einig, dass die Festivität nach einer Wiederholung schrie. Und plötzlich hat die Geburtsstadt von Peter-Paul Rubens wieder ein jährliches Stadtfest. Zwar in etwas bescheidenerem Rahmen als damals und viel viel kleiner und kürzer als die Maiwoche, aber immerhin. Damit tut nun auch die 100000-Einwohner-Stadt etwas für ihr Image. Das kann man freilich nicht in Euro und Cent beziffern, aber man kann die Stimmung auf der Festmeile aufsaugen, um zu verstehen, dass sich die Bürger so besser mit ihrer Stadt identifizieren.

Hier lesen Sie alles über die Maiwoche.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN