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Baby erst vier Stunden bei Eltern Keine Hundeattacke – Vater soll Säugling in Osnabrück fast getötet haben

Von Jörg Sanders und Mark Otten

OS: Keine Hundeattacke – Vater soll Säugling in Osnabrück fast getötet haben. Baby wird im Christlichen Kinderhospital in Osnabrück behandelt. 17.05.2018. Foto: Gert WestdölrpOS: Keine Hundeattacke – Vater soll Säugling in Osnabrück fast getötet haben. Baby wird im Christlichen Kinderhospital in Osnabrück behandelt. 17.05.2018. Foto: Gert Westdölrp

Osnabrück. Dramatische Wende: Die lebensgefährlichen Verletzungen, die ein Baby am Dienstag in Osnabrück erlitten hat, gehen nicht auf Hundebisse zurück. Die Polizei ermittelt gegen den Vater des Kindes wegen der versuchten Tötung. Das bestätigten Polizei und Staatsanwaltschaft unserer Redaktion.

Die Untersuchung eines Rechtsmediziners sowie die Ermittlungen der Polizei hätten ergeben, dass der Junge nicht durch Hundebisse lebensgefährlich verletzt wurde, sagte Polizeisprecherin Anke Hamker. Die Polizei ermittelt gegen den 24-jährigen Vater und Partner der gleichaltrigen Mutter wegen des Verdachts der versuchten Tötung. Er wurde am Donnerstag festgenommen und dem Haftrichter vorgeführt, so Hamker. Dieser schickte den Mann in Untersuchungshaft.

Eltern: Baby von Hund attackiert

Die Eltern hatten zunächst angegeben, am Dienstagabend mit dem Säugling und ihren zwei Hunden auf einer Grünfläche in der Autobahnschleife in Hellern gewesen zu sein, als ein fremder Hund dazugekommen sei. Nach einem kurzen Spiel mit den Hunden der Familie habe der fremde Hund das Kind attackiert und sei anschließend davongelaufen, hatten die Eltern der Polizei berichtet. Die Hundeattacke sei eine Schutzbehauptung gewesen, sagte Hamker am Donnerstag.

Baby nur wenige Stunden in Obhut der Eltern

Oberstaatsanwalt Alexander Retemeyer zufolge hatten die Eltern am selben Tag die Neugeborenenstation des Christlichen Kinderhospitals verlassen und ihr Baby mit nach Hause genommen. Als das Kind später schrie, habe der Vater es „ruhigstellen” wollen. Dabei erlitt das Kind unter anderem schwere Kopfverletzungen, sagte Retemeyer unserer Redaktion. Um 18.40 Uhr alarmierten die Eltern einen Notarzt.

Zustand „weiter stabil”

Oevermann zufolge habe der Säugling äußere Verletzungen. Die Polizei habe Zweifel an der Darstellung des Vaters mit der Hundeattacke gehabt, so Retemeyer.

Ärzte hätten aber gesagt, dass diese zumindest nicht ganz auszuschließen gewesen waren, so Retemeyer weiter. Daher hätten die Ermittler die vom Vater angegebene Hundeattacke „erst einmal so hinnehmen müssen”. Da aber Zweifel bestanden, sei ein Rechtsmediziner hinzugezogen worden. Der habe eine Hundeattacke ausgeschlossen.

Bleibende Schäden nicht auszuschließen

Der wenige Tage alte Säugling wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Inzwischen ist der Zustand des Kindes aber „stabil”, sagte Retemeyer. Es sei schwerst verletzt. Sofern es überleben sollte, „sind bleibende Schäden nicht auszuschließen”.

In der Medizin bedeutet „stabil”, dass keine Verschlechterung des Zustands zu erwarten sei, sagte Dr. Mathias Denter, Ärztlicher Leiter des Notaufnahmezentrums am Klinikum Osnabrück. Es bedeute aber nicht, dass der kritische Zustand aufgehoben sei. 

Rolle der Mutter noch unklar

Zur Rolle der Mutter äußert sich die Polizei nicht. „Der Tatverdacht richtet sich nur gegen den Partner der Frau”, sagte Oevermann auf Nachfrage. Retemeyer sagte, die Rolle der Mutter sei noch nicht geklärt. Nach Aussage des Kindsvaters habe sie nichts mit dem Vorfall zu tun. Es ist das erste Kind des nicht verheirateten Paares.

Es sei nicht klar, ob der Vorfall tatsächlich an der Autobahnauffahrt zur A30 in Hellern passiert ist, sagte Hamker. Retemeyer zufolge könnte sich das Geschehen in der Wohnung abgespielt haben. Das müsse die Spurensuche ergeben. 

Die Tür des Hauses, wo die Misshandlung stattgefunden haben könnte, hat die Polizei versiegelt. Foto: Festim Beqiri

Polizei sucht Zeugen

Die Polizei sucht Zeugen, die Hinweise zu dem Vorfall geben können. Hinweise nimmt sie unter den Rufnummern 0541/327-3103 und 327-2115 entgegen.

Die Ermittlungen dauern an.