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16.05.2018, 17:39 Uhr NEU IN OSNABRÜCK

Was die Antidiskriminierungsstelle mit Ironie zu tun hat

Kommentar von Sandra Dorn

Osnabrück hat jetzt eine offizielle Antidiskriminierungsstelle. Foto: Hermann PentermannOsnabrück hat jetzt eine offizielle Antidiskriminierungsstelle. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Die Realität kann so ironisch sein: Die Stadt stellt bei einem Pressetermin ihre neue Antidiskriminierungsstelle vor und wer sind die Verantwortlichen, die das Konzept erläutern? Sechs Frauen – garniert von Oberbürgermeister Wolfgang Griesert, der in Ausübung seines Amtes ein paar salbungsvolle Worte spricht.

Wer aber sind die obersten Verwaltungsmitarbeiter, die mit Vorstandsfunktion bei der Stadt? Alles Männer.

So viel zum Thema Diskriminierung. Oder doch nicht? Die Frage ist heikel: Wo fängt Diskriminierung an? Ab welchem Punkt ist sie so nachweisbar, dass man sich gegen eine Ungleichbehandlung wehren kann, auch juristisch? Werden in bestimmten Bereichen Männer bevorzugt, in anderen Frauen? Werden Ältere benachteiligt, Migranten und Behinderte?

Die neue Antidiskriminierungsstelle soll bei solchen Fragen weiterhelfen, wird aber rasch an ihre Grenzen stoßen. Eine Rechtsberatung wird sie nämlich gerade nicht leisten. Jeder, der sich diskriminiert fühlt, darf den Mitarbeitern immerhin nun sein Herz ausschütten. Ihre Aufgabe wird vor allem sein, den Zeigefinger zu heben, das Thema stärker ins öffentliche Bewusstsein zu bringen und Betroffene zu motivieren, sich zu wehren. Der Erfolg wird – ironischerweise – in Zahlen zu messen sein: Je mehr Diskriminierungsfälle in der Statistik, desto besser. Denn dass Diskriminierung Alltag ist, sollte bekannt sein. Nur schweigen die meisten darüber. Die neue Anlaufstelle hat also durchaus ihre Daseinsberechtigung. Viel erwarten darf man von ihr aber nicht.


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