Im Eco-Modus zum Etappensieg Rennen zwischen Fahrrad, Bus und Auto in Osnabrück

Von Jan Krumnow

Tauschreporter Jan Krumnow und Johannes Bartelt (rechts) gewannen das Rennen gegen Auto und Bus. Foto: Philipp HülsmannTauschreporter Jan Krumnow und Johannes Bartelt (rechts) gewannen das Rennen gegen Auto und Bus. Foto: Philipp Hülsmann

Osnabrück. Mit dem Fahrrad kommt man von Hellern aus schneller in die Osnabrücker Altstadt als mit Bus und Auto. Ein Selbsttest unseres Siegener Tauschreporters Jan Krumnow.

Es ist ein ungleiches Rennen und dennoch hat es seinen Reiz. Auf Initiative der ÖPNV-Aktivisten Johannes Bartelt und Thomas Polewsky trete ich gleich gegen zwei motorisierte Gegner an. Denn die Frage lautet: Wer legt die Strecke zwischen Hellern und der Osnabrücker Altstadt am schnellsten zurück? Fahrrad, Bus oder Auto? Gleich vorweg: Mit unseren zweirädrigen Gefährten waren Johannes Bartelt und ich gestern ganze sechs Minuten schneller als das Auto von Gisela Legener-Pfeifer, die ihren VW Golf selbstverständlich nicht einfach vor unserem Treffpunkt, dem Café Läer an der Krahnstraße, abstellen konnte. Sie muss ihr „Blechkleid“ erst im Parkhaus ablegen, während Fahrrad- und Busliebhaber Bartelt und ich schon längst mit Stadtbaurat Frank Otte und Planos-Mann Harald Schulte beim Kaffee stehen.

Busse müssen Schlange stehen

Völlig „hinten dran“ ist Thomas Polewsky, dem das aber sichtlich nichts ausmacht. War doch zu beweisen, dass der Bus in der Friedensstadt einfach zu lange braucht. Der Grund: Fast überall müssen sich die roten Busse der Stadtwerke in die Schlange einreihen – eben wie normale Pkw auch. Das kostet Zeit. Offensichtlich so viel Zeit, dass wir Rad-Piloten bereits vor dem eigentlichen Start an der Haltestelle „Große Schulstraße“ ein Zugeständnis machen müssen. Denn während wir überpünktlich mit Gisela Legener-Pfeifer an der Haltestelle stehen, ist vom Bus weit und breit nichts zu sehen. Beinahe zehn Minuten zu spät fährt er an der Haltestelle vor und muss keine weitere Zeit liegen lassen, da Thomas Polewsky, seit den 90er-Jahren „autofrei“, bereits im Vorfeld einen gültigen Fahrschein gelöst hat.

Per Eco-Modus zum Schweißausbruch

Johannes Bartelt hatte im Vorfeld gesagt, er wolle „gemütlich“ in Richtung Ziel fahren. Gefühlt drehen sich die Pedale nun aber schon etwas schneller als noch auf der Hinfahrt unter Nicht-Wettkampfbedingungen. Wie gut, dass ich entgegen meiner sportlichen Überzeugung auf einem E-Bike sitze und die Sache verhältnismäßig entspannt angehen kann. Zwischenzeitlich schalte ich den Antrieb von „Power“ auf „Eco“. Nicht dass der Akku auf halber Strecke versagt und ich das Experiment ad absurdum führe. „Eco“ muss allerdings englisch sein und übersetzt so viel bedeuten wie „locken Sie den Schweiß aus Ihren Poren“. Der lange Anstieg auf der Lengericher Landstraße ist im Vergleich zu den „ehrlichen“ Bergen in meiner Siegerländer Heimat klein, aber gemein.

Bus rauscht an uns vorbei

Vor einer roten Ampel bleiben wir stehen. Immerhin halten wir uns im Gegensatz zu vielen anderen Pedaleuren an die Verkehrsregeln, denke ich – und sehe, wie ein Bus an uns vorbeirauscht und rechts abbiegt. „Ist das unser Bus?“, frage ich Johannes Bartelt. Der weiß es auch nicht, erscheint mir aber nach wie vor ruhig. Er ist sich seiner Sache gewiss. Sicher kennt er die Strecke und die zahlreichen Haltestellen, an denen der Bus noch stoppen muss. Radfahren in Osnabrück macht Spaß, denn die Radwege sind für alle Beteiligten klar gekennzeichnet, was impliziert, dass es auch tatsächlich überall Radwege gibt. Das ist bei uns in Siegen anders. Da wurde an einem Berg ein so genannter „Bedarfsstreifen“ auf den Asphalt gemalt und schon war die halbe Stadt in Aufruhr, weil zu wenig Platz für Autos da sei.

Schnell noch das Fahrrad anketten

Auf einer langen Gerade schleicht eine Frau in Kleid und hochhackigen Schuhen vor uns her. Ich denke, mein „Vorfahre“ setzt zum Überholen an. Doch weit gefehlt. Er bleibt ganz entspannt dahinter. Einige Meter und eine Ampel weiter erkenne ich die Altstadt. Das Fahrrad rappelt ein wenig auf dem Kopfsteinpflaster, mit dem ich durch meine Lederschuhe mit dünner Sohle als Fußgänger schon reichlich Bekanntschaft gemacht habe. Johannes Bartelt verschwindet bereits im Café, während ich noch pflichtbewusst gegenüber meinem Dienstherren auf Zeit das E-Bike mit einer dicken Kette sichere.

Erst sechs Minuten später folgt unsere Duellantin mit dem fahrbaren Untersatz aus Wolfsburg. Nein, sie hat das Auto nicht mit zum Café gebracht. Sie hat es vorschriftsmäßig in einem der Parkhäuser abgestellt. Gemeinsam warten wir mit Frank Otte und Harald Schulte auf den dritten Test-Pendler an diesem Morgen. Zehn Minuten nach uns trifft auch Thomas Polewsky ein und versucht gemeinsam mit Bartelt, für den ÖPNV zu kämpfen. Bei ihren beiden Gesprächspartnern, dem Stadtbaurat mit grünem Parteibuch und dem ÖPNV-Planer, rennen die beiden offene Türen ein, was das Thema „Beschleunigung des ÖPNV“ betrifft. Würden jetzt die Befürworter eines reibungslosen Pkw-Verkehrs hier stehen, würde die Diskussionsrunde sicher anders verlaufen.


Ergebnis nicht überraschend

Für Stadtbaurat Frank Otte und Planos-Mann Harald Schulte kommt das Ergebnis des Tests nicht überraschend. „Der Bus hat dabei natürlich das Problem, dass er an Stellen halten muss, an denen Fahrrad und Auto weiterfahren können“, sagt Schulte, unterstützt aber gemeinsam mit Otte die Forderungen Bartelts und Polewskys nach einem schnelleren ÖPNV. Erst vorgestern hat Planos mit den städtischen Kollegen zusammengesessen und 30 Punkte besprochen, um den Busverkehr schneller zu machen. Einer der Hauptpunkte: Mehr Busspuren müssen her, damit die großen Fahrzeuge nicht im selben Stau wie der Individualverkehr stehen. Auch einige Rechts-vor-Links-Regelungen an Kreuzungen könne man überdenken. Zudem sind die welligen Verkehrshindernisse, im Beamtendeutsch „Aufpflasterungen“ genannt, nach Ansicht der Planer nicht mehr zeitgemäß, da SUVs sie ohne Geschwindigkeitsverringerung queren könnten. Die 30 Punkte müssten laut Planos zunächst noch einmal intern konkretisiert werden, ehe man sie an die Stadtverwaltung weitergebe, die dann wiederum einzelprojektbezogene Vorlagen für die Ratsfrauen und -herren daraus machen kann. Otte: „Das ist letztlich eine politische Entscheidung.“ Neben reinen Busspuren sei dort, wo die Fahrbahnverhältnisse entsprechend eng sind, auch über eine Pförtnerung nachzudenken. Damit ist eine verkürzte Busspur gemeint, die an günstigen Punkten ermöglicht, dass der ÖPNV vor dem normalen Verkehr einscheren kann. Frank Otte betonte, dass man Fahrzeit und Taktung so optimieren müsse, dass die Menschen, die nicht auf das Auto angewiesen sind, auch gerne zugunsten von Fahrrad oder Bus darauf verzichten. Es gehe nicht darum, auf den Pkw angewiesene Bürger zu bestrafen.