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Baby lebensgefährlich verletzt Hund greift Säugling in Osnabrück an

Von Jörg Sanders und Wilfried Hinrichs


Osnabrück. Ein Hund hat am Dienstagabend einen Säugling in Hellern angegriffen. Das wenige Tage alte Baby wurde durch Bisse lebensgefährlich verletzt, wie die Polizei am Mittwoch mitteilte.

Update: Die Polizei ermittelt nun gegen den Vater des Kindes wegen der versuchten Tötung.

Das Gras ist kniehoch, der Boden morastig, der Autoverkehr laut. Die Grünfläche in der Autobahnschleife in Hellern ist eigentlich kein schöner Ort für einen Spaziergang mit Hund und Kind. Es ist ein Niemandsland, das die Stadtwerke für die Regenrückhaltung nutzen.

Hier lassen die Eltern des erst einige Tage alten Babys ihren beiden Hunden am Dienstagabend gegen 18 Uhr Auslauf, als sich, wie die Eltern später aussagen, ein Hund eines unbekannten Halters näherte. Der fremde Vierbeiner soll anfangs mit den beiden Hunden der Familie gespielt haben, berichtete Kira Sell, Sprecherin der Polizei Osnabrück, am Mittwoch. Sie kann nicht sagen, ob das Baby in einem Kinderwagen lag oder auf einer Decke oder ob es die Eltern auf dem Arm trugen. Die Eltern sagen: Plötzlich habe sich das fremde Tier dem Säugling zugewandt und zugebissen.

Ein Rettungswagen brachte das Baby mit lebensgefährlichen Verletzungen in ein Krankenhaus. Am späten Mittwochnachmittag bestätigte Polizeisprecherin Sell: Der Zustand des Babys sei „vorerst stabil“.

Bei dem unbekannten Hund soll es sich nach Aussagen der Eltern um einen schwarz-braunen, etwa kniehohen Mischling gehandelt haben. Das mittelgroße Tier rannte der Aussage zufolge nach dem Angriff davon. Halter und Hund sind unbekannt.

Polizei sucht Zeugen

Die Polizei sucht dringend Zeugen, die Hinweise zu dem Vorfall, dem Hund oder dessen Halter geben können. So hofft die Polizei etwa auf Zeugen, die an der dortigen Ampel gewartet hätten. Dort stünden in der Regel viele Autos, sagte Sell. Hinweise nimmt die Polizei unter den Rufnummern 0541/327-3103 und 327-2115 entgegen.

Anleinpflicht?

Während der Brut- und Setzzeit vom 1. April bis 15. Juli müssen Halter ihre Hunde in Osnabrück auch in vielen Gebieten der freien Landschaft anleinen, wo sonst kein Leinenzwang gilt. Derweil ist noch unklar, ob auf der besagten Fläche an der Autobahnauffahrt eine Anleinpflicht gilt. Eigentümerin ist die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, sagt Gerhard Meyering, Sprecher der Stadt, auf Nachfrage.

Die Stadtwerke Osnabrück betreiben die Fläche und nutzen sie als Regenrückhaltebecken, sagt Cord Lüesse von der Straßenbaubehörde auf Anfrage. Schildern der Stadtwerke zufolge darf sie „auf eigene Gefahr“ betreten werden. Die Straßenbaubehörde verweist in der Frage an die Stadtwerke als Betreiber der Anlage. Die Stadtwerke als hundertprozentige Tochter Osnabrücks wiederum verweisen an die Stadt.

Reinhold Rethschulte, offiziell bestätigter Jagdaufseher der Stadt, ist sich sicher: Auch dort gilt der Leinenzwang. In einer Übersicht der Stadt im Internet über die Gebiete mit Anleinpflicht ist die Grünfläche allerdings nicht aufgeführt, auch nicht zur Brut- und Setzzeit. Rethschulte sagt, in der Vergangenheit habe er immer wieder mit Hunden zu tun gehabt, die Rehe gerissen hätten. An ein gebissenes Kind könne er sich nicht erinnern. „Frei laufende Hunde sind noch immer ein Problem.“ Das passiere „immer und immer wieder“. In der Regel seien die Halter aber in der Nähe. Er bekomme immer wieder Anrufe von Passanten, die sich von Hunden bedroht fühlten. Dabei würden die Halter manchmal ausfallend, selbst Schläge drohten diese manchmal an. „Das Problem ist immer der Mensch und nicht der Hund“, so Rethschulte.

Mehrere Attacken in jüngerer Vergangenheit

Erst am Samstag hatte ein Listenhund in Hagen in NRW eine 24-jährige Frau angegriffen und schwer verletzt. Das Opfer hatte den American Pitbull Terrier zwei Tage zuvor von Freunden aus Niedersachsen in Verwahrung genommen. Ein Polizist erschoss das Tier.

Ein unbekannter Hund hat am Dienstagabend einen Säugling in Osnabrück angegriffen. Der Hund griff das Baby auf der markierten Fläche an. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich Blumen Risse, neben der Fläche Kaufland. Foto: Google

Im April war im hessischen Bad König ein sieben Monate altes Baby an den Folgen eines Bisses eines Mischlingshundes gestorben. Ebenfalls im April war eine 52-Jährige aus Westoverledingen in Hesel im Landkreis Leer von einem Dobermann angegriffen und schwer verletzt worden – zwischenzeitlich hatte Lebensgefahr bestanden. Hohe Wellen hatte der Fall des Staffordshire-Mischlings Chico geschlagen, der Anfang April in Hannover eine 52-Jährige und ihren Sohn totgebissen hatte.