Modell für Deutschland? Osnabrück erprobt nachhaltige Wirtschaftsförderung

Von Wilfried Hinrichs

Kaffee, Mineralwasser, Seife oder Deo aus regionaler Produktion: (von links) Michael Kopatz, Christiane Rother und Referatsleiter Alexander Illenseer präsentierten im Rathaus die Wirtschaftsförderung 4.0. Foto: André HavergoKaffee, Mineralwasser, Seife oder Deo aus regionaler Produktion: (von links) Michael Kopatz, Christiane Rother und Referatsleiter Alexander Illenseer präsentierten im Rathaus die Wirtschaftsförderung 4.0. Foto: André Havergo

Osnabrück. „Made in Osnabrück“: Darauf setzt eine neue Form der Wirtschaftsförderung, die die Stadt zusammen mit dem Wuppertal Institut und mit finanzieller Unterstützung des Forschungsministeriums bis Ende 2019 erprobt.

Osnabrück wolle „kooperative Wirtschaftsformen“ fördern und die „regionale Wertschöpfung“ steigern, heißt es in einer offiziellen Verlautbarung der Stadt. Übersetzt heißt das: Lokale Initiativen und nachhaltige Unternehmen, die vor Ort produzieren oder handeln, dürfen auf Unterstützung hoffen. Mit Rat und Tat, aber nicht mit Geld. Der Blick richtet sich auf Car-Sharing-Firmen, Hofläden, Repair-Cafés, Kleiderkammern, Soziale Kaufhäuser, Handwerker, Einzelhändler, Gastronomen – denen gemeinsam ist, dass sie auf dem lokalen Markt tätig sind. „Wirtschaftsförderung 4.0 betrachtet die gesamte Wirtschaft der Stadt und geht über die reine Unternehmensförderung hinaus“, sagte Michael Kopatz in einem Pressegespräch.

150000 Euro Fördergeld

Die Person Kopatz ist auch die Antwort auf die Frage, warum ausgerechnet Osnabrück zur bundesweiten Projektstadt erkoren wurde, in der diese Form der Wirtschaftsförderung erprobt wird. Kopatz ist hauptberuflich Projektleiter beim Wuppertal Institut und ehrenamtlich Mitglied der Grünen-Fraktion im Osnabrücker Stadtrat. Er hat die nachhaltige Wirtschaftsförderung erdacht, das Bundesministerium für Bildung und Forschung von der Sinnhaftigkeit überzeugt und seine Heimatstadt Osnabrück als Testregion ins Spiel gebracht. Im Rathaus im Referat für strategische Steuerung wurde mit 150000 Euro Fördermitteln des Forschungsministeriums eine Stelle geschaffen, die bis Ende 2019 befristet ist. Christine Rother, die vorher bei der Osnabrück Marketing und Tourismus GmbH arbeitete, hat diesen Job übernommen.

Für Nutzer kostenlos

Im ersten Schritt trug Rother die Initiativen und Unternehmen zusammen, die in den Genuss der Wirtschaftsförderung 4.0 kommen könnten. Die Förderung besteht nach ihren Worten vor allem aus „Beratung und Vernetzung“. Zum Beispiel: Repair-Cafés, in denen Ehrenamtliche und Privatleute Elektrogeräte reparieren können. Neun davon gebe in Stadt und Landkreis. „Aber sie wissen wenig voneinander“, sagte Rother. Ein Austausch und eine Abstimmung der Öffnungszeiten wären ein erster Schritt, dieses nachhaltige Angebot auf eine bessere Basis zu stellen. Anderes Beispiel: Solidarische Landwirtschaft. Dieses Modell, bei dem Biohöfe auf einen festen Abnehmerkreis bauen können, habe auch in der Region Osnabrück „noch großes Potenzial“. Wie das Modell funktioniert, zeigt der Hof Pente, der jetzt mit „Tara Unverpackt“, einem Geschäft im alten Hannoverschen Bahnhof, eine Kooperation aufgenommen hat.

Ziel all dieser Bemühungen ist, die regionale Wertschöpfung zu stärken, Initiativen zu wirtschaftlicher Stabilität zu verhelfen, Arbeitsplätze zu sichern, Ressourcen zu schonen und das Klima zu schützen. Christine Rother bietet Unterstützung beim Marketing an, vermittelt Kontakte zu Uni oder Hochschule, versteht sich als Interessensvertretung gegenüber der Politik, berät bei der Gründung gemeinnütziger Unternehmensformen wie Genossenschaften oder hilft bei der Suche nach Räumen und Lokalen. Die Beratung ist für die Nutzer kostenlos.

Ende 2019 werde auf der Basis der in Osnabrück gewonnenen Erkenntnisse „ein modellhaftes Handlungskonzept für Entscheidungsträger in der Politik und Verwaltung entstehen“, so Michael Kopatz. Mit dem Namen „Wirtschaftsförderung 4.0“ nehme das Projekt bewusst eine Anleihe bei Industrie 4.0. „Es geht zwar nicht um Digitalisierung, aber wie bei Industrie 4.0 um große Zukunftsaufgaben.“

Kontakt: Christine Rother, Bierstraße 29/31, Raum 50, Tel. 0541/3232235, rother@osnabrueck.de.

Weitere Infos: wirtschaftsfoerdungviernull.de


Wuppertal Institut

Das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie erforscht und entwickelt Leitbilder, Strategien und Instrumente für Übergänge zu einer nachhaltigen Entwicklung auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene. Im Zentrum stehen Ressourcen-, Klima- und Energieherausforderungen in ihren Wechselwirkungen mit Wirtschaft und Gesellschaft. Das Insitut mit Sitz in Wuppertal wird vom Land Nordrhein-Westfalen finanziert. Es hat 220 Mitarbieter.