Nachbarn nicht informiert Eisenbahnbrücke in Osnabrück wird nach 109 Jahren erneuert

Von Rainer Lahmann-Lammert


Osnabrück. Seit einigen Jahren plant die Bahn den Bau einer neuen Brücke über die Straße „An der Petersburg“. Die Vollsperrung, mit der die Arbeiten in der vergangenen Woche begannen, kam für die Nachbarn allerdings aus heiterem Himmel. Vor allem für die Burgerbar „Zauber von OS“, die nur ein paar Schritte entfernt ist.

100 Jahre hält eine Eisenbahnbrücke, wenn sie solide gebaut ist. Die Überführung an der Petersburg trägt schon seit 109 Jahren die Gleise der Strecke Osnabrück-Lengerich-Münster. Allerdings hat der Zahn der Zeit dem Bauwerk arg zugesetzt. Eine Sanierung wäre zu aufwendig geworden, deshalb hat sich die DB Netz AG für einen Neubau entschieden. Die Kosten – etwa zehn Millionen Euro – werden vom Bund und der Deutschen Bahn getragen.

Von Sperrung war nicht die Rede

Bis zum Oktober 2019 sollen die Züge noch über die museumsreife Brücke rollen. Währenddessen wird auf beiden Seiten davon mit dem Bau der neuen Überführung begonnen. Im vierten Quartal des kommenden Jahres folgt das Finale: Die alte Brücke wird abgerissen und die neue vervollständigt, indem die Spezialisten ein Stahlbetonbauteil passgenau einschieben. Ende 2019 will die Bahn mit den Arbeiten fertig sein.

Die Vorbereitungen für den Bau der Brücke laufen bereits. Große Mengen Schotter wurden am Bahndamm aufgefahren, die Firma Klostermann aus Hamm errichtet Spundwände und verankert Bohrpfahlwände. Um den Zugverkehr nicht zu beeinträchtigen, müssen die Arbeiten zum Teil nachts ausgeführt werden.

Angesichts des umfangreichen Bauprojekts wundern sich Anwohner und Gewerbetreibende von der nahegelegenen Dammstraße, dass die Straße „An der Petersburg“ so kurzfristig komplett gesperrt wurde. Am 2. Mai habe die Bahn Infozettel verteilt, um auf die Erneuerung der Brücke hinzuweisen, sagt Adrien Renauldon, Inhaber der Burgerbar „Zauber von OS“ an der Dammstraße, „aber da stand nichts von Sperrung“. Der Gastronom hätte sich genauere Informationen erhofft: „Wir sind 20 Meter von der Baustelle entfernt, da kann man doch den persönlichen Kontakt suchen.“

„Leider nicht möglich“

Als die Straße in der vergangenen Woche Knall auf Fall dicht gemacht wurde, seien deutlich weniger Gäste gekommen, berichtet Renauldon. Hätte er rechtzeitig von der Vollsperrung erfahren, dann hätte er seine Betriebsferien in die Zeit legen können. Doch die Chance sei nun verpasst. Und wenn er in zwei Wochen sein Terrassenfest veranstalte, müsse er mit dem Staub von der Baustelle leben. All das hätte bei einer vernünftigen Kommunikation besser geplant werden können.

Wir haben bei der Bahn nachgefragt, warum so spät informiert wurde. Die DB-Pressestelle in Hamburg antwortete, erst am 9. Mai hätten die zuständigen Behörden ihre Zustimmung für die Arbeiten und die damit verbundenen Straßensperrungen erteilt. „Leider war es uns daher nicht mehr möglich, alle Anwohner einzeln zu informieren“, erklärte eine Bahnsprecherin dazu.

Inzwischen ist der Durchgang unter der Brücke für Fußgänger und Radler wieder geöffnet, aber vom 24. bis zum 28. Mai wird die Straße noch einmal voll gesperrt.