Bislang wenig Interesse Oskar: Lokale Lösung könnte Frieden schaffen

Von Jan Krumnow

Noch stehen die Ampeln für den Neumarkt in Osnabrück auf Rot. Foto: Jan KrumnowNoch stehen die Ampeln für den Neumarkt in Osnabrück auf Rot. Foto: Jan Krumnow

Osnabrück. Der Blick durch eine andere Brille verhilft manchmal zu neuen Perspektiven. Im Rahmen des Reportertauschs beschäftgte sich der Siegener Kollege mit der Diskussion um den Neumarkt und hat die ein oder andere neue Erkenntnis gewonnen.

Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln. Aus der Perspektive eines "Neubürgers" betrachtet, erscheint der Streit um den Osnabrücker Neumarkt arg festgefahren. Einig sind sich wohl alle, dass der sprichwörtliche Glanz vergangener Zeiten, was das leer stehende Ypso-Gebäude betrifft, längst verblasst ist. Eine Stadt, die gerade in ihrem Innersten viel zu bieten hat, leistet sich einen hässlichen Schandfleck, an dem noch dazu täglich tausende Autos vorbeirollen. Nun könnte man den Wunsch nach einem autforeien Neumarkt vielleicht damit begründen, dass das hässliche Gebäude dann nicht mehr von Autofahrern gesehen wird. Aber das wäre wohl zynisch.

Ziel aller Beteiligten ist eine schönere Innenstadt

Würden sich die verschiedenen (Streit-)Parteien allerdings auf das besinnen, was sie verbindet, lägen sie gar nicht so weit auseinander. Denn alle wollen doch eine schönere Innenstadt. Fakt ist: Der Investor Unibail Rodamco kommt nicht in die Gänge, was den Bau eines neuen Shopping-Centers betrifft. Fakt ist aber auch: Die Hürden, die die Stadt Osnabrück dem Investor auferlegt hat - Stichwort: Neuvermietungsquote - sind so hoch, dass man als Außenstehender ins Grübeln kommt, was die Stadt denn nun eigentlich will. Liegt ihr der Bau eines weiteren Einzelhandelsstandortes am Herzen oder spielt der Bau der rund 16500 Quadratmeter Verkaufsfläche für das Oberzentrum vielleicht gar nicht die entscheidende Rolle? Bislang ist mit Sinn Leffers nur ein Ankermieter für die neue Shopping Mall gewonnen worden, der a) einen Leerstand in der bestehenden Innenstadt hinterlassen würde und b) auf Grund seiner Osnabrücker Historie schon voll auf die oben beschriebene Quote angerechnet wird.

Filialisten haben in Shopping-Centern meist das Sagen

Geht man nun davon aus, dass ein Shopping-Center moderner Prägung, egal ob vom deutschen Riesen ECE oder von Unibail Rodamco gebaut, meist fast ausschließlich auf Filialisten setzt, muss man sich fragen, warum nicht längst weitere Mieter ins Netz der Franzosen gegangen sind. Alle überregional agierenden Unternehmen, die noch nicht in Osnabrück beheimatet sind und für eine Ansiedelung in der Friedensstadt in Frage kämen, haben heutzutage eine Expansionsabteilung, die das Potenzial eines Standortes nüchtern anhand von Zahlen analysiert. Was könnte es also für Gründe geben, dass bislang nur Sinn Leffers angebissen hat? Es muss entweder mit der Friedensstadt an sich zu tun haben oder aber damit, dass eine Filialeröffnung an der engeren Peripherie der Innenstadt vielleicht deutlich weniger attraktiv ist als sich im "wahren" Zentrum Osnabrücks anzusiedeln. Letzteres erscheint mit dem externen Blick auf die (kaum vorhandenen) Leerstände und die Struktur der Flaniermeilen deutlich wahrscheinlicher.

Heimische Investoren könnten den Knoten zerschlagen

Das wiederum wirft die Frage auf, was man dann mit dem verwahrlosten und nicht mehr vermarktbaren Bestandsgebäude machen könnte. Abreißen, klar! Aber was kommt danach? Eine Nutzung als Grünfläche wäre genauso denkbar wie der Ausbau zu einem Uni-Teilstandort oder ähnliches. Doch egal, welche Lösung in Betracht kommt - heimische Investoren sind der Schlüssel zum Erfolg. Sie haben ein ernstes Interesse an einem solchen Projekt, sie zahlen ihre Steuern in der Stadt und sie stellen Ansprechpartner vor Ort, die sich der Kommune verpflichtet fühlen. Könnte man durch ein einheimisches Investment innerhalb der Stadt eine gewisse Euphorie entfachen, wäre ganz sicher auch die Frage zur Verkehrsthematik leichter zu lösen.

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Beton oder Grünfläche? In Siegen haben sich Bürger im Jahr 2016 für das Grün ausgesprochen, obwohl ein heimischer Investor, eine GmbH bestehend aus der heimischen Sparkasse sowie zwei Bauunternehmen, eine 70er-Jahre-Bausünde entfernen und durch ein neues Gebäude ersetzen wollte. Das so genannte Herrengarten-Areal sollte Heimat einiger Geschäfte werden, abseits der ganz großen Shopping-Laufwege. Die Siegerländer Investoren ließen sich erweichen, signalisierten ihre Bereitschaft, das Areal an die Stadt Siegen zu verkaufen. Die wiederum, monetär nicht gerade auf Rosen gebettet, hievte das Projekt in ein NRW-Städtebau-Förderprogramm und bekommt nun 80 Prozent der Kosten aus Düsseldorf bezahlt. Mit dem Ergebnis, dass eine Grünfläche künftig das noch viel größere Projekt "Siegen - zu neuen Ufern" ergänzt. Im Rahmen dessen war, ebenfalls mit Hilfe von Fördergeldern, u.a. die mit einer Betonplatte bedeckte Sieg wieder freigelegt worden. Am Ufer entstanden großzügige Treppenanlagen, die dafür sorgten, dass sich die 100000-Einwohner-Stadt heutzutage deutlich einladender präsentiert. Als dann auch noch das Herrengarten-Projekt folgte, kam man zu der Erkenntnis, dass die Fahrwege und Parkregelungen für Autos in diesem Bereich neu geregelt werden sollten.

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