„Haftstrafe hilft nicht“ Fürstenauer muss in Entziehungsanstalt

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

<em>Ein 29-jähriger Fürstenauer</em> muss für zwei Jahre und sechs Monate in eine Entziehungsanstalt. Er hatte wiederholt alkoholisiert seine Lebensgefährtin misshandelt. Symbolfoto: dpaEin 29-jähriger Fürstenauer muss für zwei Jahre und sechs Monate in eine Entziehungsanstalt. Er hatte wiederholt alkoholisiert seine Lebensgefährtin misshandelt. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Für zwei Jahre und sechs Monate muss ein 29-jähriger Mann aus Fürstenau in eine Entziehungsanstalt. Die Strafkammer des Landgerichts Osnabrück verurteilte ihn wegen gefährlicher Körperverletzung. Er hatte seine 21-jährige Lebensgefährtin mehrfach geschlagen, wenn er alkoholisiert oder im Drogenrausch war. Der zu Beginn des Prozesses erhobene Vorwurf der Vergewaltigung wurde jedoch fallen gelassen.

Am zweiten Tag des Prozesses schilderte der psychologische Gutachter seine Sicht des Angeklagten, der eine Stunde zu spät vor Gericht erschien und sich damit den Unmut der Richter einhandelte. Der 29-Jährige sei 1993 mit seiner Mutter aus Tadschikistan nach Deutschland eingewandert, führte der Vorsitzende Richter aus. Er habe einen Sonderschulabschluss erreicht mehrere Ausbildungen abgebrochen. Den ersten Alkohol habe er als Elfjähriger konsumiert, im Alter von 16 Jahren sei der Konsum gestiegen. Später seien Marihuana, Amphetamine, Kokain und einmal Heroin dazugekommen.

Der Angeklagte ist mehrfach einschlägig vorbestraft. 2009 und 2010 wurde er jeweils wegen Körperverletzung verurteilt. Zudem hat er ein 13-jähriges Mädchen missbraucht, die in seiner Wohnung mit Duldung des Jugendamts und des Familiengerichts gelebt hat.

Der Gutachter sah bei dem Angeklagten ein „komplexes Krankheitsbild mit einer Persönlichkeitsstörung und einem paranoiden Anteil“. Der Mann sei impulsiv, jähzornig und leicht reizbar. Er habe Minderwertigkeitskomplexe und ein geringes Selbstwertgefühl, so der Gutachter weiter. Dies habe sich auch gegenüber dem Opfer ausgewirkt, das zum Zeitpunkt der Beziehung das Abitur gemacht habe. Trotz seines Sonderschulabschlusses sei er aber nicht dumm.

Der 29-Jährige und die acht Jahre jüngere Frau seien Anfang 2010 ein Paar geworden. In diesem Jahr wurde der Mann vom Amtsgericht Bersenbrück wegen schweren sexuellen Missbrauchs, Körperverletzung und Drogenmissbrauchs zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Die junge Frau wusste davon. In ihrer Aussage berichtete sie von mehreren Wutanfällen und Schlägen. Aber erst im November 2012 sei sie mit ihrem Baby aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen. Ihr Ex-Partner habe sie am Tag zuvor mit einem Laptop-Kabel geschlagen, weil sie falsche Antworten auf die Fragen des Vaters ihres Kindes gegeben habe, sagte sie vor Gericht. „Das hat was von Sadismus und Folter“, meinte der Richter.

Der Angeklagte gab die Körperverletzungen zu. Nur die zweifache Vergewaltigung, die ursprünglich mit zur Anklage stand, wollte er nicht zugeben.

Der Richter sagte der 21-jährigen Frau zwar, dass das Gericht sie als Opfer sehe – und sie gegen ihren Willen Sex mit dem Mann gehabt habe. Da die Anwendung von Gewalt jedoch schwierig festzustellen sei, wurde der Vorwurf der Vergewaltigung fallen gelassen.

Der Richter folgte letztlich der Empfehlung des Gutachters. Der meinte, die psychischen Störungen beim Angeklagten seien durch die Entwurzelung hervorgerufen worden. Dies beobachtete er bei vielen Russlanddeutschen, die in ihrer neuen Heimat oft eine Außenseiterrolle einnähmen. Die Wut entlade sich dann häufig bei den Partnern. „Mit einer Haftstrafe ist ihm nicht geholfen“, sagte der Gutachter über den Angeklagten. Er sehe eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass er nach einer Haftentlassung wieder straffällig werde.

Der Angeklagte willigte in eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt und eine Therapie ein. „Ich möchte die Gewalt aus mir rauskriegen“, sagte er. Den Urteilsspruch verfolgte er aufmerksam. Ansonsten blickte er entrückt auf einen imaginären Punkt und wirkte apathisch. „Sie sind mehrfach abhängig, dadurch kam es zu mehreren Straftaten“, wandte sich der Richter direkt an den Angeklagten.

Der Gesellschaft sei mehr geholfen, wenn die Ursachen nun grundlegend bekämpft würden, so der Richter weiter. Der Aufenthalt in der Entziehungsanstalt könne länger dauern als ein Gefängnisaufenthalt. „Er kann aber dazu führen, dass der Angeklagte in Zukunft keine Straftaten mehr begeht“, sagte der Richter abschließend.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN