Spuckenden Radler verfolgt Landgericht Osnabrück kassiert Urteil gegen Porschefahrer

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Das Landgericht Osnabrück hat ein Urteil des Amtsgerichts kassiert und einen Porschefahrer straffrei ausgehen lassen, der einen Radfahrer verfolgt hatte. Foto: Archiv/Michael GründelDas Landgericht Osnabrück hat ein Urteil des Amtsgerichts kassiert und einen Porschefahrer straffrei ausgehen lassen, der einen Radfahrer verfolgt hatte. Foto: Archiv/Michael Gründel

Osnabrück. Im September 2017 verfolgte ein Porschefahrer in Osnabrück mit quietschenden Reifen einen unbekannten Fahrradfahrer, weil dieser ihm an einer Ampel ins Auto gespuckt hatte. Jetzt steht fest: Der Autofahrer geht straffrei aus. Das Landgericht kassierte den Schuldspruch der Vorinstanz.

Am Ende einer kurzen Verhandlung stellte das Landgericht das Verfahren gegen den jungen Mann wegen Geringfügigkeit ein. Vom Amtsgericht war er noch zu 3000 Euro Geldstrafe und einem Fahrverbot verurteilt worden.

Was genau an der Ampel im Bereich der Kreuzung Kamp/Dielingerstraße passiert war, konnte allerdings auch die zweite Instanz nicht klären. Der Angeklagte berichtete wie schon vor dem Amtsgericht, dass er an dem fraglichen Tag mit seinem Porsche Cayenne an der Ampel gehalten habe. Ein unbekannter Fahrradfahrer sei rechts neben ihm hergefahren und habe unvermittelt durch das offene Fenster auf der Beifahrerseite ins Auto gespuckt. Sein Beifahrer und auch er selbst hätten Speichel abbekommen.

Der Radfahrer habe nach der Tat umgehend die Flucht ergriffen und sei bei Rot rechts quer über die Dielingerstraße geflohen. Er selbst habe gewartet, bis die Ampel auf Grün umgesprungen war und dann die Verfolgung aufgenommen, um den Spucker zur Rede zu stellen. Deshalb sei er ebenfalls rechts abgebogen und über die Dielingerstraße auf die Gegenspur gefahren. Der Radfahrer sei derweil durch den Durchgang neben der Eisdiele in einen Hinterhof verschwunden.

Polizei zufällig in der Nähe

Bei der Weiterfahrt wurde der Angeklagte kurz nach dem Zebrastreifen an der Krahnstraße von einer zufällig anwesenden Polizeistreife gestoppt, was die Strafverfolgung gegen ihn in Gang setzte. Der Fahrradfahrer konnte derweil nicht ermittelt werden und meldete sich auch im Nachhinein nicht – wohl nicht zuletzt, weil ihn für seine Spuckattacke erheblicher juristischer Ärger erwartet hätte.

Anders als das Amtsgericht wertete das Landgericht das Verhalten des Angeklagten nicht als versuchte Nötigung. „Was wollte der Angeklagte als Verhalten abnötigen…?“, stellte der Kammervorsitzende als Frage in den Raum. Ein reines „zur Rede stellen Wollen“ reiche für eine Verurteilung wegen Nötigung jedenfalls nicht aus.

Auch der Urteilsbegründung der Vorinstanz mochte sich der Vorsitzende nicht anschließen. Der Amtsrichter war nämlich von einer Vorgeschichte zwischen dem Radfahrer und dem Autofahrer ausgegangen, also beispielsweise einem Streit über dessen Fahrweise. Doch das bestritt der Angeklagte, so wie er es auch schon vor dem Amtsgericht getan hatte, und das Gericht sah keine Veranlassung, ihm nicht zu glauben.

Schließlich schlug das Gericht eine Einstellung des Verfahrens nach Paragraph 153 der Strafprozessordnung vor („Absehen von der Verfolgung bei Geringfügigkeit“). Dem schlossen sich die Verteidigung und auch die Staatsanwaltschaft an. Die Kosten des Verfahrens und die Auslagen des Angeklagten trägt somit die Staatskasse.


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