Blick eines Siegener Redakteurs Vergleich: FMO deutlich größer als Flughafen Siegerland

Von Jan Krumnow

Neben dieser Puppe klettern auch die FMO-Passagierzahlen, was an einem Montagnachmittag bildlich aber nicht belegbar ist, denn Passagiere waren nicht vor Ort. Foto: Jan KrumnowNeben dieser Puppe klettern auch die FMO-Passagierzahlen, was an einem Montagnachmittag bildlich aber nicht belegbar ist, denn Passagiere waren nicht vor Ort. Foto: Jan Krumnow

Osnabrück. Die Flughäfen Münsterland/Osnabrück und Siegerland haben einiges gemeinsam. Sie sind vergleichsweise klein und wünschen sich mehr Passagiere. Und doch trennen sie Welten.

„Er möchte ein Kind, das noch geboren wird, mitnehmen“, sagt ein Reisebüro-Mitarbeiter zum anderen. Die beiden haben Zeit, diesen exotischen Fall zu diskutieren, denn Andrang herrscht am Schalter des Last-Minute-Anbieters am Montagnachmittag nicht. Es handelt sich nämlich nicht um eine Reise-Agentur in der Osnabrücker Innenstadt, sondern um einen der rund 20 Anbieter am Flughafen Münster/Osnabrück. Überhaupt gleicht das FMO-Terminal zu dieser Zeit eher dem Pendant in Düsseldorf – allerdings nach einer gerade durchgeführten Evakuierungsübung.

„Montagnachmittag ist eine unglückliche Zeit“, sagt Pressesprecher Andrés Heinemann mit Blick auf den Flugplan. Der 14.40-Uhr-Flieger der Lufthansa nach Frankfurt ist gerade abgehoben, die nächste Maschine startet erst um 17.30 Uhr gen Stuttgart: „Morgens zwischen 4 und 6 Uhr starten einige Maschinen, danach ein paar Linienflieger und dann landen eher wieder ein paar Maschinen am Abend.“

Doch unzufrieden ist Heinemann nicht. Ausgehend von 800000 Passagieren 2016 hat der Airport zwischen den beiden Städten, die den Westfälischen Frieden prägten, wieder deutlich zugelegt. Jahrelang waren es zwischen 1,4 und 1,6 Mio. Fluggäste, doch dann sei der Einbruch gekommen. Grund war der Strategiewechsel von Air Berlin nach dem Einstieg von Etihad Airways, kleinen Flughäfen den Rücken zuzukehren.

Das sind Probleme, um die sich der Siegerlandflughafen unmittelbar im Dreiländereck NRW/Hessen/Rheinland-Pfalz nie Gedanken machen musste. Denn eine der großen Fluggesellschaften hat es bis zum heutigen Tag nicht auf die Lipper Höhe gezogen. Der Name des Areals ist durchaus Programm, denn mit seiner Lage auf 599 Metern über dem Meeresspiegel ist der im Behördensprech „Regionalflughafen“ genannte Tower mit zwei Check-In-Schaltern sowie angeschlossener Start- und Landebahn der zweithöchst gelegene Airport Deutschlands. Ob man bei der Gründung im Jahr 1967 dachte, die Piloten könnten sich so einige Meter sparen, ehe ihr Verkehrsmittel auf Reiseflughöhe schwebt, ist nicht überliefert. Fest steht nur: Wenn am Osnabrücker Flughafen schon die Frühlingsblumen sprießen, kann auf der Lipper Höhe mit Schnee gerechnet werden.

Unmittelbar nach der Wende gab es einen Linienbetrieb nach Leipzig und Dresden kleinen Maschinen, der von Geschäftsreisenden gerne genutzt wurde. Doch als die kleine Airline dieses Angebot einstellte, gingen die Passagierzahlen zurück.

An diesen Zahlen haben die Macher am FMO in den vergangenen Jahren gefeilt. Man konzentrierte sich auf die Partnerschaft mit Germania. Zwei Flugzeuge der Airline sind hier stationiert. Auch Lufthansa, Sun Express und Eurowings tragen dazu bei, dass es wieder aufwärts geht. 1,2 Mio. Passagiere sind das Ziel, dann fliegt man aus den roten Zahlen.

Davon kann am Siegerlandflughafen keine Rede sein. Die meisten Fraktionen im Kreistag sprechen nach wie vor von einer hohen wirtschaftlichen Bedeutung für die Region und wollen die Schließung verhindern. Nun soll versucht werden, das Defizit jährlich um 650000 Euro zu verringern - blieben immer noch 1,1 Mio. Euro Zuschussbedarf.


Eine Woche lang nimmt die Neue Osnabrücker Zeitung am bundesweit organisierten Reportertausch teil. Während sich NOZ-Mann Benjamin Havermann in Bremen für den Weser-Kurier umschaut, hat die Stadtredaktion Osnabrück Zuwachs von der Siegener Zeitung (Südwestfalen/ NRW) bekommen. Redakteur Jan Krumnow gastiert seit gestern und noch bis Freitag bei der NOZ und wird sich Osnabrück durch die Brille eines „Fremden“ ansehen.

Und genau das ist auch die Idee des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), der den Austausch mit 55 Redakteuren an 29 Zeitungen organisiert. Denn Kompetenz und die Insiderkenntnisse vor Ort sind für den Lokaljournalismus natürlich unverzichtbar. Doch manchmal bekommt man als „Zugereister“ auch den anderen Dreh, wie die Journalisten sagen, und sieht Dinge, die für die Einheimischen normal oder vielleicht sogar störend sind, aus einer anderen Perspektive.

Das Ziel ist, dass Jan Krumnow sich täglich eines Themas annimmt und es durch die „Siegerländer Brille“ betrachtet. Los geht es heute mit einem Besuch am Flughafen Münster/Osnabrück.