Überflutungen am Muttertag Unwetter in Osnabrück: Kinder aus Auto gerettet – Baum zerstört Dach

Von Corinna Berghahn


Osnabrück. Kinder, die durch ein Autofenster gerettet werden mussten, und ein Mann, der nur durch Glück nicht durch einen auf sein Dach gestürzten Baum erschlagen wurde: Die Feuerwehren hatte am Muttertag viel zu tun.

Blaulicht und Sirenen im Dauereinsatz: Das Unwetter am Muttertag 2018 hat die Osnabrücker Feuerwehr in Atem gehalten. Zwischen 16.30 und 22 Uhr musste sie 127 Mal ausrücken, 150 Einsatzkräfte – die von Mitarbeitern des Technischen Hilfswerks und des Deutschen Roten Kreuzes unterstützt wurden – kümmerten sich um vollgelaufene Keller, überflutete Straßen und diverse Unwetterschäden – und rettete zwei Kinder aus einem Auto auf der A30. Zudem musste die Maiwoche aufgrund des Unwetters am Sonntag abgebrochen werden.

„Trotz der Unwetterwarnung wurden wir von der Heftigkeit des Gewitters überrascht“, sagt Jan Südmersen, Sprecher der Feuerwehr Osnabrück, am Montag. „Es war eine richtige Belastungsprobe.“

Kinder durch Autofenster gerettet

Eine Einschätzung, die Feuerwehrmann Jens Rademacher teilt: Er fuhr zwischen 17 und 22 Uhr alle Einsatzstellen ab, die als „gefährdend“ eingestuft wurden: „Spektakulär war natürlich der Einsatz auf der A30“: In Richtung Hannover musste die Autobahn zwischen dem Lotter Kreuz und Natbergen für mehrere Stunden gesperrt werden, weil es zu massiven Überschwemmungen der Fahrbahn kam. „Mehrere Autos blieben liegen und dramatisch war der Einsatz, als Kollegen der Feuerwehr Voxtrup zwei Kinder durch das Fenster eines der Fahrzeuge ziehen mussten, weil die Tür sich gegen den Wasserdruck erst nicht öffnen ließ.“

Gerettet und per Huckepack über die Autobahnausfahrt. Foto:Feuerwehr Osnabrück

Die Kinder wurden dann Huckepack von den Feuerwehrmännern aus der überschwemmter Zone getragen. Sie haben den Vorfall „gut weggesteckt“.

Später musste die Fahrbahn von Sand, Dreck und Lehm gereinigt werden. Sieht man die Bilder des Einsatzes, fällt auf, dass nur eine Fahrbahnseite vom Wasser überschwemmt wurde. Wie es dazu kommen konnte, erklärt ein Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Osnabrück so: „Die Betonleitwand hat große Teile des Wassers abgehalten.“

Ein weiter Einsatzpunkt war für Jens Rademacher der Riedenbach: „Er ist über die Ufer getreten und drohte, eine Kindertagesstätte zu überfluten. Glücklicherweise stoppte das Wasser genau am Eingang des Gebäudes.“

Baum fällt auf Wohnung

Später am Abend wurde die Feuerwehr dann noch zu einem etwas spektakulärem Einsatz am Finkenhügel gerufen: „Ein Baum war auf das Dach eines Hauses gestürzt“, so Rademacher. Glück im Unglück hatte der Bewohner, wie er unserer Redaktion bei einer Besichtigung der Wohnung erzählt: „Hätte ich auf meinem Sofa gesessen und fern gesehen, hätte der Baum mich direkt am Kopf treffen können. Glücklicherweise hatte ich mich in dem Moment aber kurz hingelegt.“

Als der Baum die Wohnung traf, zerstörte er die Wand im Badezimmer, in der Küche und im Wohnzimmer – und schlug teilweise durch weitere Wände der Wohnung durch. „Es gab einen lauten Knall, sodass auch gleich meine Nachbarin vorbeischaute und die Feuerwehr anrief. Ich saß einfach nur schockiert auf meinem Bett,“, erzählt der Mann, der anonym bleiben möchte.

Baum noch nicht entfernt

Durch die Löcher flossen Unmengen von Regen, sodass an diesem Montag noch der Teppich voller Wasser ist – und die untere Wohnung ebenfalls massive Wasserschäden aufweist. Am Abend des Unwetters hat die Feuerwehr Baum und Einschlagstelle erst einmal nur gesichert, sodass kein weiteres Regenwasser eindrang. Im Laufe der kommenden Tage soll er nun entfernt werden – wann, entscheidet auch ein Statiker, so der Mieter. Er selbst müsse wohl erst einmal seine Wohnung verlassen und woanders untergebracht werden. „Der Baum liegt aber erst einmal sicher und es besteht keine weitere Gefahr für Haus und Bewohner“, so Rademacher.

Sonne bis Mittwoch

Gegen 22 Uhr hatte sich die Wetterlage dann größtenteils beruhigt. Und auch wenn noch nicht alle vollgelaufenen Keller leergepumpt waren, wurde der Einsatzstab der Feuerwehr aufgelöst – und die oftmals freiwillig eingesprungenen Einsatzkräfte hatten endlich Feierabend.

Was sie, die Maiwochenbetreiber und viele Bewohner Osnabrücks freuen wird: Mit weiteren Starkregenschauern ist in dieser Woche nicht mehr zu rechnen. Wie ein Sprecher des Wetterdienstes am Montag sagte, soll es bis zur Mitte der Woche überwiegend sonnig bei bis zu 29 Grad werden. Erst ab Mittwochnachmittag könne es vereinzelte Schauer geben, ein Unwetter sei aber nicht zu erwarten.

(mit dpa)


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