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Ausbau der Pagenstecherstraße Osnabrücker Zeitreise: Jugendjahre der „Automeile“

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Osnabrück. Die heutige Zeitreise geht „nur“ 40 Jahre zurück. Sie versetzt uns in eine Zeit, als sich das Gewerbegebiet Pagenstecherstraße langsam füllte, aber die heutige Auto-, Einkaufs- und Konsummeile noch ferne Zukunftsmusik war. Gleichzeitig deutet der Straßenausbau auf vier Fahrspuren an, dass das automobile Zeitalter endgültig die Herrschaft in der Verkehrsplanung übernommen hatte.

Damit war Osnabrück eigentlich sogar ein wenig spät dran. Denn die Autobahn Hansalinie, die heutige A1, war schon sechs Jahre zuvor freigegeben worden. Der Zubringerverkehr musste sich zunächst über das alte städtische Straßennetz quälen. Erst mit dem vierstreifigen Ausbau von Kurt-Schumacher-Damm, Hansastraße und Pagenstecherstraße war eine zeitgemäße Anbindung erreicht.

Dabei war den Stadtplanern schon in den frühen Sechzigerjahren klar, dass die einschnürende Bebauung von Bramscher Straße und Natruper Straße keine vierstreifige Verkehrsführung nach den Anschlussstellen Nord und Hafen zulassen würde. Deshalb wurden die in etwa parallel verlaufenden, zuvor besseren Feldwegen gleichenden Straßenzüge Hansastraße und Pagenstecherstraße auf dem Reißbrett als Entlastungen abgesteckt.

Aber wie das nun einmal so ist, wollte die Stadt das alles nicht gern allein bezahlen und wartete auf Mittelzuweisungen von Land und Bund. Die flossen schließlich – im Rahmen des „Ölpfennigs“ gingen 5,7 Millionen DM beim Stadtkämmerer ein. Damit war ein guter Teil der Gesamtkosten von 12,4 Millionen DM abgedeckt, die der vier Kilometer lange Streckenausbau zwischen Rissmüllerplatz und dem Ende der Wersener Straße kostete.

1969 fiel der Startschuss. Aber die Arbeiten zogen sich in die Länge. Umfangreicher Grunderwerb war erforderlich, insbesondere wegen der beiden „Durchbrüche“ – mit dem kurzen Verbindungsstück An der Bornau fädelt sich seitdem die Pagenstecherstraße aus der Natruper Straße aus, um zwei Kilometer weiter stadtauswärts jenseits der Klöcknerstraße mit einer Linkskurve wieder zur Natruper Straße zurückzukehren. Viel Zeit kostete auch der Kanalbau. Ein neuer Hauptsammler musste aus der Innenstadt zum Klärwerk Eversburg gelegt werden. Zudem hatten die Straßenbauer mit schwierigen Untergrundverhältnissen zu kämpfen: „So schlecht wie nirgends sonst in der Stadt“, pflegte der damalige Tiefbauamtsleiter Kurt Jäger zu sagen.

Was nicht weiter verwunderlich ist, wenn man nachliest, wie es um 1900 dort aussah: Das feuchte Grabengebiet war Tummelplatz für Kaulquappen, Elritzen und Stichlinge. Angler sammelten sie ein und benutzten sie als Köder. Der Weg aus der Stadt hieß damals noch Eggermanns Wiesen und endete im Zusammenlauf mit dem Walkmühlenweg am Bahndamm. 1908 benannte die Stadt die Verlängerung der Stüvestraße nach der Familie des Stadtsyndikus Albrecht Pagenstecher (1800–1863) .

Über viele Jahrzehnte blieb die Pagenstecherstraße ein festgefahrener Sandweg. Ab etwa 1963 kam der erste Asphalt, und die vereinzelten Wohnhäuser und Gärten erhielten neue Nachbarn: Gewerbetreibende, denen es in der Stadt zu eng geworden war. Als Beispiel mag die Firma „Kötter & Siefker“ dienen, die links am Bildrand zu erkennen ist. Sie hatte ihr Geschäft zuvor am Markt. Oder der Stahlhandel „Frye & Schröder“, rechts im Bild, der 1967 vom Vitihof hierherkam. Das hohe Gebäude links neben dem Bagger diente dem Pharma-Großhändler „bi-pharm“ als Firmensitz. Am rechten Bildrand lässt sich neben „Frye & Schröder“ das Firmengebäude des Bürozentrums Liefold ausmachen.

Die genannten Firmenstandorte verdeutlichen, dass seit den frühen Siebzigerjahren ein weiterer Wandel Platz gegriffen hat. Handwerker und Großhändler, die nicht so sehr auf den vorbeikommenden Endverbraucher angewiesen sind, wichen in entferntere Gewerbegebiete mit zumeist größerem Flächenangebot aus und machten konsumnäheren Anbietern wie Imbissketten und Autohäusern Platz. „Kötter & Siefker“ etwa zog 1995 nach Lotte und übergab den Standort erst an „OBI“, dann an das „Dänische Bettenlager“ und ein Fitness-Studio. „Frye & Schröder“ ging zum Kiefernweg hinter der Bahn. Wo früher sechs Meter lange Stahlträger lagerten, steht jetzt der „Fressnapf“ für Haustiere.


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