Zum Museumstag Comics zeichnen wie ein Pro: Workshop mit Jens Natter in Osnabrück


Osnabrück. Zum Internationalen Museumstag am Sonntag boten Diözesanmuseum und Fritz-Wolf-Gesellschaft ein Programm für Groß und Klein. Während die Erwachsenen eine Führung bekamen durch die Fritz Wolf-Ausstellung, kamen vier Jungen in den Genuss eines erstklassigen Comic-Workshops mit dem Hamburger Zeichner Jens Natter.

Der Profi zeigt den Jungs erst einmal seine Arbeitsgeräte. Angenehm überschaubar: Bleistifte, Buntstifte, Pinselstifte. Dazu ein großer Packen weißes Papier. „Wenn ihr einen Comic zeichnen wollt, womit würdet ihr anfangen?“, fragt er in die Runde. Da gibt es verschiedene Theorien, aber wenn es um ein Comic-Gesicht geht, hat der Fachmann eine klare Meinung: „Immer von innen nach außen“, also mit der Nase anfangen. Denn: „Wenn man zum Beispiel mit den Umrissen vom Gesicht anfängt, passt es hinterher eigentlich nie.“ 

Wichtiger Tipp: Immer mit Bleistift vorzeichnen, wenn es gut aussieht, kommt der Pinselstift, dann radieren. Die Tusche bleibt, und von der Bleistift-Vorlage ist nichts mehr zu sehen. Die Zeit ist begrenzt, darum Konzentration aufs Gesicht.

Jens Natter zeichnet für die jungen Workshop-Teilnehmer verschiedene Comic-Augentypen: glubsch, müde, asiatisch, weiblich. Dann sollen die Jungs sich gegenseitig zeichnen, oder jemanden ihrer Wahl. „Kann ich auch ein Playmobil-Männchen malen?“, fragt Alexander. Jens Natter fände es besser, wenn Alexander ausprobiert, was er ihm gerade erklärt hat. Aber gut: dann eben ein Playmo-Männchen. Es ist ja Kunst, und da soll ja auch jeder irgendwie machen dürfen, was er will. 

Tropfen über dem Kopf signalisieren Stress

Etwas später, die Gruppe hat schon vorgezeichnet, getuscht, radiert, stößt Antimo dazu und bringt (noch mehr) Leben in die Bude. Jens Natter zeigt knapp und anschaulich, wie er ein Strichmännchen „mit Fleisch füllt“, wie er es nennt: schnell wird aus ein paar Linien und einem Kreis ein Abbild des Zeichners selbst in rennender Bewegung. „Und dann kann man zum Beispiel noch ein paar Tropfen über den Kopf zeichnen, dann sieht er noch gestresster aus.“ Natter selbst aber ist nicht gestresst. Um den Familienvater aus der Ruhe zu bringen, muss mehr kommen. „Können wir jetzt endlich weitermalen?“, fordert Antimo. Selbstverständlich gern. Zum Schluss fertigte der Künstler Porträts der Jungen an. Dafür hielten sie sogar ganz still. Lange mussten sie es allerdings auch nicht aushalten, denn Jens Natter ist schnell: Ungefähr drei Minuten braucht er, um ein „Opfer“ aufs Papier zu bringen - eindeutig zu identifizieren, aber leicht überzeichnet – eben richtig gut karikiert. Antimo betrachtet sein Bild: zweifelnd, belustigt, vielleicht sogar ein bisschen erschrocken. Tatsache: Das ist er selbst. 

Jens Natter lebt als freiberuflicher Künstler mit seiner Familie in Hamburg. In seinen Publikationen ist er in den unterschiedlichsten zeichnerischen Genres unterwegs: Wimmelbilder, politische Karikaturen und Comics. Bekannt wurde er durch seine Adaptation von Storms Schimmelreiter als Graphic Novel. Er erhielt für seine Illustrationen bereits mehrere Preise.


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