Studierendenclub des Theaters Osnabrück „In meinem Hals steckt eine Weltkugel“ im Limberg-Theater

Von Anne Reinert


Osnabrück. Um die Ignoranz der reichen Länder geht es in der neuen Produktion des Studierendenclubs am Theater Osnabrück. Im Limberg-Theater spielt er Gerhard Meisters Stück „In meinem Hals steckt eine Weltkugel“, inszeniert von Theaterpädagogigstudentin Marie Groß.

Nur einmal gelingt der Ausbruch aus der Komfortzone. „Sprengstoff statt Worte“ fordert die aufsässige Meute entschlossen. Und für einen Moment scheint es, als könnte sich alles ändern.

Doch nach und nach lässt der Mut nach, und einer nach dem anderen zieht sich zurück auf sein altbekanntes Terrain. Weil man kein „Talent zum Revolutionär“ hat. Weil man „ein gewöhnlicher Mensch“ ist. Einer pocht gar auf das „Menschenrecht zur Verdrängung“.

Es ist nicht gerade ein Wohlfühlstück, das der Studierendenclub des Theaters Osnabrück ausgewählt hat. Denn Gerhard Meisters „In meinem Hals steckt eine Weltkugel“ handelt von der Ignoranz der reichen Länder gegenüber der Armut und Not auf dem Rest der Welt.

Meister lässt eine Art kollektives Ich sprechen, das von allen Schauspielern verkörpert wird. Dieses Ich durchlebt seine widersprüchlichen Gefühle und Haltungen, in einer Welt zu existieren, die alles hat, das aber auf Kosten von Milliarden anderer Menschen, die in Armut leben.

Prahlen mit dem armen Patenkind

Inszeniert hat das im Limberg-Theater aufgeführte Stück die Lingener Theaterpädagogikstudentin Marie Groß. Die Leitung des Studierendenclubs und die Inszenierung ist das Abschlussprojekt ihres Studiums.

Groß hat Meisters Stück auf das Wesentliche gekürzt. Herausgekommen ist so eine mit 40 Minuten recht kurze, aber dynamische Performance, in der die Studierenden den Text wie in Musikstück in verschiedene Stimmen aufteilen. Dieses kollektive Bewusstsein weiß um die Probleme in der Welt, verdrängt sie aber lieber doch. Denn was bringen schon Schuldgefühle? Lieber wird mit dem Patenkind geprahlt, dem mit ein paar Euro im Monat der Schulbesuch ermöglicht wird. Oder es wird versucht, im Kollektiv das Leid der Welt durch Meditation zu beheben oder besser gesagt: zu vergessen.

Gartenzaun als Bewusstseinsgrenze

Die Grenze dieses Bewusstseins stellt ein kleiner weißer Gartenzaun dar, so akkurat wie die ganze Welt, in dem sich dieses Ich auf sauberem Kunstrasen bewegt und zu softer Jazzmusik Sekt trinkt. In dieser stilisierten Welt tragen die Frauen Faltenröcke und Kleider, die Männer Pullunder und Buntfaltenhosen. Ein bisschen viel sprichwörtliche Schwarz-Weiß-Zeichnung ist das schon. Und doch liefert das Stück und die Inszenierung wertvolle Denkanstöße, erinnert es doch daran, dass wir alle durch unser Konsumverhalten in Gewalt und Ausbeutung auf der Welt verstrickt sind. Dazu gelingt Marie Groß auch dank der Studierenden eine energiegeladene Inszenierung.