Beschicker überrascht Osnabrücker Rat beschließt veränderte Marktzeiten

Von Marie-Luise Braun

Er ist der neue Vorsitzende der Interessengemeinschaft Osnabrücker Wochenmarktbeschicker: Ingo Witte, der seit 2005 mit seiner Schaltzentrale auf den Märkten Fahrräder repariert. Foto: Marie Luise BraunEr ist der neue Vorsitzende der Interessengemeinschaft Osnabrücker Wochenmarktbeschicker: Ingo Witte, der seit 2005 mit seiner Schaltzentrale auf den Märkten Fahrräder repariert. Foto: Marie Luise Braun

Osnabrück. Der Rat der Stadt hat neue Öffnungszeiten für die Osnabrücker Wochenmärkte beschlossen. Überrascht davon und von einigen Äußerungen in der Diskussion zeigt sich Ingo Witte als Vorsitzender der Interessengemeinschaft Osnabrücker Wochenmarktbeschicker.

„Das ging ja schnell“, sagt Ingo Witte im Gespräch mit unserer Redaktion. Seit 2005 steht er mit seinem mobilen Fahrradservice „Schaltzentrale“ auf den Osnabrücker Wochenmärkten. Seit wenigen Wochen ist er der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Osnabrücker Wochenmarktbeschicker (IOW).

In dieser Funktion sei er auch mit der Stadt im Gespräch gewesen hinsichtlich möglicher Änderungen der Öffnungszeiten für die Wochenmärkte. „Mein Ergebnis ist nicht so eindeutig gewesen“, sagt er hinsichtlich einer Umfrage, die die Stadt Anfang März dieses Jahres unter den Beschickern aller Wochenmärkte durchgeführt hat.

Die Verwaltung wollte wissen, welche Öffnungszeiten die Markthändler befürworten. Das Ergebnis war für die Stadt so eindeutig, dass der Rat die Marktzeiten nun geändert hat: Morgens geht es nun um 8 Uhr los. Unter der Woche enden die Wochenmärkte um 13 Uhr, am Samstag vor dem Dom erst um 14 Uhr. Die Endzeiten seien – trotz anders formulierter Satzung – bislang schon so gehandhabt worden, sagt Witte. Um 13 Uhr sei Schluss gewesen, nur am Samstag wurde bis 14 Uhr verkauft. Für alle Beschicker gilt: Sie müssen bis zum Ende bleiben.

Unter den Marktbeschickern werden diese Zeiten aber seit einiger Zeit diskutiert. Das gelte vor allem für den Markt am Ledenhof donnerstags, wie Ingo Witte sagt. Manche Beschicker würden hier gern länger stehen bleiben, während andere am liebsten bereits um 13 Uhr ihre Stände abbauen würden, um ihre Waren nachmittags auf anderen Märkten – beispielsweise in Bad Essen – anbieten zu können.

Das sei ein für ein Unternehmen völlig normales Verhalten, um das Auskommen zu sichern, wie Witte betont. Anders war das von der Stadt bei der Sitzung des Ausschusses für Feuerwehr und Ordnung dargelegt worden: Dass einige Beschicker am selben Tag zwei Märkte bedienen möchten, führt die Stadt auf rückläufige Einnahmen bei den Wochenmärkten zurück und beruft sich dabei auf eine Studie der Industrie- und Handelskammer.

Die Studie, die unserer Redaktion vorliegt, belegt allerdings, dass die Umsätze bei den meisten Marktbeschickern gestiegen beziehungsweise gleich geblieben sind. „Lediglich beim Markt an der Ebertallee sind die Zahlen rückläufig“, sagt Ingo Witte und begründet das mit dem hohen Anteil älterer Kunden, die dort einkaufen: „Es kommen kaum jüngere nach.“ Bei den anderen Märkten sind die Besucher laut Studie durchschnittlich jünger.

Wichtig ist Witte vor allem: Von „Totentanz“ ab 13 Uhr könne keine Rede sein. Er befürchtet, dass die Wochenmärkte in Osnabrück durch solche Aussagen ein schlechtes Image erhalten könnten. Unter den Marktbeschickern würden immer wieder Möglichkeiten besprochen und umgesetzt, um die Attraktivität der Wochenmärkte zu steigern. Dazu gibt es beispielsweise auch Anregungen in der IHK-Studie.

(Weiterlesen: Osnabrücker Wochenmarkt passt sich dem Kaufverhalten an)

Erst in der vergangenen Woche habe er mit Gert Lindke von der zuständigen Gewerbeabteilung der Stadt telefoniert. Witte wollte hinsichtlich der Öffnungszeiten eine gemeinsame Lösung mit den Marktbeschickern finden. „Mir wurde gesagt, dass wir uns damit aber beeilen müssten“, erinnert er sich. Von einer Entscheidung diese Woche Dienstag habe er nichts gewusst. Nun hofft er, dass die Marktzeiten nicht „für alle Zeiten“ festgezurrt seien, sagt Witte und ergänzt nachdenklich: „Vielleicht ist es auch erst mal gut, dass Ruhe in die Sache kommt.“

Am Montag wird der IOW-Vorstand in einer Sitzung über die Entscheidung des Osnabrücker Rates sprechen und überlegen, was zu tun ist.

Ingo Witte ist seit Februar der neue Vorsitzende der Interessengemeinschaft Osnabrücker Wochenmarktbeschicker. Damit ist er der Nachfolger von Clemens Wessels. Der Fleischermeister war im vergangenen Jahr in den Ruhestand gegangen und hatte deshalb auch den Vorstandsposten abgegeben.


Öffnungszeiten der Wochenmärkte

Die Osnabrücker Wochenmärkte öffnen nach einem Beschluss des Rates der Stadt ab sofort erst um 8 Uhr, sie schließen um 13 Uhr. Eine Ausnahme ist der Markt am Samstag, der um 14 Uhr endet.

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