Deutschkurse Ehrenamtliche dürfen wieder im Osnabrücker Flüchtlingshaus unterrichten

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Osnabrück. Nach einigem Hin und Her findet seit April wieder ehrenamtlicher Sprachunterricht im Osnabrücker Flüchtlingshaus statt, einem von sechs Standorten der Niedersächsischen Landesaufnahmebehörde (LAB). Und auch eine Kleiderkammer gibt es dort wieder.

Seit Herbst 2017 waren die freiwilligen Deutschlehrer mit ihren Schülern auf das 800 Meter entfernte Vereinsheim von Ballsport Eversburg am Barenteich ausgewichen. Das wiederum platzte an manchen Tagen aus allen Nähten, zum Unterricht kamen sowohl Bewohner des nach Erich Maria Remarque benannten Flüchtlingshauses als auch Bewohner der städtischen Gemeinschaftsunterkunft an der Landwehrstraße. Die Ehrenamtlichen waren sauer und ratlos, warum sie den neu gebauten Schultrakt im Remarque-Haus nur für einen Abendkurs nutzen konnten.

Nun hat die Diakonie als Betreiberin des Hauses eine Kooperationsvereinbarung mit den Ehrenamtlichen geschlossen, berichten Hausleiter Manfred Eichert (Diakonie) und Standortleiterin Birgit Beylich (LAB). Seit dem 1. April dürfen die Freiwilligen in zwei Räumen der Landesaufnahmebehörde montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr Geflüchteten Deutsch beibringen, außerdem hat die LAB ihnen ein Lehrerzimmer zur Verfügung gestellt. Eine weitere Gruppe unterrichten die Ehrenamtlichen montags bis mittwochs von 18.30 bis 20 Uhr. Laut Eichert stehen 37 ehrenamtliche Lehrer derzeit bereit, wobei nur ein Teil davon aktiv ist.

Das Flüchtlingshaus ist eine Erstaufnahmeeinrichtung des Landes und als solche einer von sechs Standorten der Niedersächsischen Landesaufnahmebehörde. Aktuell leben dort 500 Geflüchtete. Wer das Gelände zu welchem Zweck betreten darf, ist strikt geregelt – und es verstrich einige Zeit, bis die Kooperationsvereinbarung mit den Ehrenamtlichen fertig war. Darin ist auch geregelt, dass zum Unterricht nicht nur Bewohner des LAB-Standorts kommen dürfen, sondern auch Flüchtlinge, deren Asylverfahren bereits so weit ist, dass sie auf die Kommunen verteilt wurden und nun in und um Osnabrück leben.

„Jetzt erheblich mehr Teilnehmer“

„Es hat sich schnell herumgesprochen, dass wir jetzt wieder im Flüchtlingshaus unterrichten“, sagt die Lehramtsstudentin Charlotte Müller, die an diesem Vormittag zwölf Geflüchteten die deutschen Wörter für diverse Obstsorten beibringt. „Wir haben jetzt erheblich mehr Teilnehmer.“ Parallel zum Anfängerkurs sitzt Lilly Hugenberg mit zwei Analphabeten im Lehrerzimmer und vermittelt ihnen die Grundlagen der deutschen Sprache. Rainer Hafke, der bislang die Organisation des Unterrichts übernommen hatte, ist zufrieden. „Wir können hier jetzt gut arbeiten und darum geht es auch.“

Die Diakonie hat mit Kim Hülsmeyer nun auch wieder eine Bildungskoordinatorin eingestellt. Derzeit bespricht sie mit dem Land, wie die ehrenamtlichen Sprachkurse und die Wegweiser- und Erstorientierungskursen des Landes aufeinander abgestimmt werden können, damit sich keine Überschneidungen ergeben.

Auch mit dem Bürgerverein Nord-West, der das Kleiderlager betreibt, hat die Diakonie eine Vereinbarung geschlossen. Zurzeit räumen die Ehrenamtlichen noch Räume im Souterrain ein, ab Mitte Mai sollen Kleider und Schuhe an die Bewohner des Hauses verteilt werden, berichtet Kleiderlager-Sprecherin Elisabeth Michel. Ende 2017 war Ausgabestelle des Kleiderlagers dort aufgelöst worden. LAB und Diakonie sahen keinen Bedarf mehr, machten die Entscheidung aber wieder rückgängig. „Wir bleiben im engen Austausch, was konkret benötigt wird“, sagt Hausleiter Eichert. Was das Kleiderlager, das aus der Melanchtonkirche kürzlich auf das Gelände der Landwehrkaserne gezogen ist, übrigens dringend benötigt, sind weitere Helfer, sagt Elisabeth Michel. „Wir sind nur noch 15 bis 20 Leute. Das ist zu wenig.“


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