Nach Trumps Ausstieg aus dem Atom-Deal Osnabrück und Evansville trotzen Trumps „America first“

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. Nur einen Tag nach dem Rückzug der USA aus dem Atomabkommen mit Iran ist eine 16-köpfige Delegation aus Osnabrücks amerikanischer Freundschaftsstadt Evansville am Mittwoch in Osnabrück angekommen. Bei einem gemeinsamen Abendessen mit einer Osnabrücker Delegation, die im vergangenen Jahr Evansville besucht hatte, wird deutlich: Osnabrück und Evansville trotzen Trumps „America first“-Politik.

Der Bürgermeister von Evansville, Lloyd Winnecke, sagte unserer Redaktion am Rande des Abendessens in der Osnabrücker Traditionsbrauerei Rampendahl: „Am Freitag feiern wir den 27. Geburtstag unserer Städtefreundschaft. Seither hat sich unsere Beziehung stark gefestigt. Sie kann durch keine politische Krise und durch nichts, was außerhalb von unseren partnerschaftlichen Beziehungen liegt, gefährdet werden.“ Die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA hätten seit der Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrags am 11. Mai 1991 unterschiedliche Phasen erlebt. „Die einzige Konstante, die es seither gab, waren die guten Beziehungen zwischen Evansville und Osnabrück. Und das wird auch in Zukunft so bleiben - egal, was zwischen den USA und Deutschland und egal, was in anderen Ländern passiert.“ US-Präsident Donald Trump hatte nach dem Ausstieg aus dem Atomvertrag harte Sanktionen gegen Iran angekündigt. Der neue US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell, hatte als Sprachrohr von Trump gefordert, deutsche Firmen müssten sich als Konsequenz aus den US-Sanktionen sofort aus dem Iran zurückziehen.

Deutsche Unternehmer befürchten das US-Geschäft zu verlieren

Der Hauptgeschäftsführer der IHK Osnabrück - Emsland -Grafschaft Bentheim, Marco Graf, verwies auf die Stellungnahme des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, wonach deutsche Unternehmen die Sorge umtreibt, durch ihren Handel mit Iran das US-Geschäft zu verlieren. Schließlich drohten auch Unternehmen aus unserer Region Strafen in den USA, sollte sich etwa der iranische Geschäftspartner auf US-Sanktionslisten wiederfinden. Dennoch geht Graf nicht davon aus, dass die Beziehungen zwischen Wirtschaftsunternehmen aus unserer Region und Unternehmen aus der Region Evansville leiden werden.

„Der Ausstieg aus dem Atomabkommen hat mir einen Riesenschreck eingejagt“

Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert konnte wegen anderer politischer Termine nicht an dem gemeinsamen Abendessen teilnehmen, doch seine Stellvertreterin, die Osnabrücker Bürgermeisterin Birgit Strangmann, erinnerte daran, dass eine 20-köpfige Osnabrücker Delegation aus Politik und Wirtschaft Evansville erst im vergangenen Jahr ungeachtet von Trumps „America First“ Evansville besucht und dabei sehr große Gastfreundschaft erfahren hat. Strangmann berichtete jedoch auch, dass die Nachricht von Trumps Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran sie enttäuscht habe: „Mit Blick auf das heutige Treffen hat mir das natürlich einen Riesenschreck eingejagt.“ Das von dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama ausgehandelte Atomabkommen mit dem Iran hatte sie „als einen gewissen Garant für den Frieden auf der Welt“ empfunden. Dennoch hält sie die Beziehungen für gefestigt genug. „Wichtig ist dabei auch, dass wir uns im vergangenen Jahr in Evansville so gut persönlich kennengelernt haben. Mit diesen Kontakten versuchen wir unsere eigene Politik zu machen. Und die Politik unserer Stadt ist nun einmal die Friedenspolitik“, stellte Strangmann fest.

„Trump spricht Leute so an, dass sie ihn verstehen“

Die 120.000-Einwohner-Stadt im US-Bundesstaat Indiana hatte bei der Wahl des US-Präsidenten mit 60 Prozent für den nationalistischen Donald Trump gestimmt. Winnecke, der sich vor Jahren als Republikaner in einer Stadt mit einem von Demokraten dominierten Rat als Bürgermeister durchsetzen konnte, hatte das Votum für seinen Parteikameraden begründet: „Er spricht Leute so an, dass sie ihn verstehen.“ Auch wenn die Arbeitslosigkeit vor Ort nur bei knapp vier Prozent liege, so hätten sich doch viele enttäuscht darüber gezeigt, dass bei der Firma Whirlpool in Evansville 1400 Leute ihre Arbeit verloren hätten und die Arbeitsplätze dann größtenteils nach Mexiko verlagert wurden. Darüber hinaus hatte er erläutert: „Die Wähler stimmen Trump vielleicht nicht in jedem Punkt zu, aber dafür bei den Themen, die ihnen besonders wichtig sind.“ Hinzu komme, dass US-Vizepräsident Mike Pence von 2013 bis 2017 ein erfolgreicher Gouverneur von Indiana war und damit von dem Bundesstaat, in dem auch Evansville liegt. Schon bei dem Empfang in Evansville waren sich die Amerikaner einig: Auf die partnerschaftlichen Beziehungen zu Osnabrück wird Trump keinen Einfluss haben. Das zeigte sich auch beim Empfang der Delegation am Mittwochabend in Osnabrück wieder, als drei Dutzend Osnabrücker und Evansviller an einer langen Tafel mit Osnabrücker Bier auf die Freundschaft anstießen.

( Weiterlesen: Warum Osnabrücks Partnerstadt Evansville Trump wählte)

„Man könnte uns auch als Friedensbotschafter bezeichnen“

Daria Sevastianova, die an der „University of Southern Indiana“ in Evansville BWL unterrichtet und Studenten aus Evansville auf den Besuch der dreiwöchigen „International Summer University“ an der Hochschule Osnabrück vorbereitet, hält die Städtefreundschaft gerade in Zeiten von angespannten transatlantischen Beziehungen für wichtig: „Mit unserem akademischen und städtepartnerschaftlichen Austausch tragen wir doch gerade dazu bei, die Welt friedlicher und offener zu machen. Man könnte uns auch als Friedensbotschafter bezeichnen.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN