zuletzt aktualisiert vor

Aus Mangel an Beweisen 25-jähriger Osnabrücker vom Vorwurf der sexuellen Nötigung freigesprochen

<em>Verurteilt</em> worden ist ein 24 Jahre alter Mann. Foto: dpaVerurteilt worden ist ein 24 Jahre alter Mann. Foto: dpa

Osnabrück. Hat der Angeklagte die junge Frau sexuell genötigt, oder war alles nur ein zwangloser Kontakt zwischen zwei jungen Leuten an einer Osnabrücker Groß-Diskothek? Diese Frage hat die Beteiligten eines Verfahrens vor dem Amtsgericht beschäftigt, das sich über vier Verhandlungstage hinzog. Am Ende kam ein Freispruch für den Angeklagten heraus, da kein Beweis für seine Schuld gefunden wurde.

Der 25-Jährige aus Bremen und die 19-jährige Osnabrückerin waren sich im Sommer vergangenen Jahres in der Diskothek begegnet. Sie hatten einige Worte gewechselt und waren dann zusammen in den Außenbereich gegangen. Nach einer Weile war die junge Frau völlig aufgelöst beim Sicherheitspersonal am Haupteingang erschienen und hatte angegeben, von ihrem Gesprächspartner zu sexuellen Handlungen aufgefordert worden zu sein. Sie habe dies abgelehnt, sei jedoch von ihm am Arm in eine Ecke gezerrt und dort in den „Schwitzkasten“ genommen worden. Nach einiger Gegenwehr habe sie sich befreien können.

1,75 Promille im Blut

Mehr Erinnerungen an den Vorfall hatte die junge Frau jedoch nicht. Schuld an ihrer Gedächtnistrübung hatte der Alkohol. Von der Polizei war später bei ihr 1,75 Promille Blutalkohol gemessen worden. Selbst ihre fast zweistündige Befragung im Verfahren vor dem Amtsgericht brachte die Beteiligten nicht weiter. Ein zu allen Vorwürfen schweigender Angeklagter und das Fehlen von direkten Tatzeugen machten dazu die Wahrheitsfindung für das Schöffengericht nicht einfacher.

Zudem hatte es der Vorsitzende Richter immer wieder mit einem Nebenkriegsschauplatz zu tun. Denn zwischen dem Rechtsanwalt des Angeklagten auf der einen und dem Staatsanwalt sowie der Anwältin der jungen Frau kam es während der Verhandlung immer wieder zu Wortscharmützeln.

Richter schlichtet

Dabei tat sich besonders der Verteidiger hervor, der mit etlichen wie absichtslos eingeworfenen Bemerkungen seine Gegenüber zu reizen versuchte oder mit Beweisanträgen den Verfahrensgang immer wieder verzögerte. Nicht nur einmal war der Richter damit beschäftigt, den aufkommenden Streit zu schlichten oder den Anwalt an seine eigentlichen Aufgaben zu erinnern.

Den Ausgang des Verfahrens beeinflusste dies jedoch nicht. Das Gericht sprach den Angeklagten frei, „weil nach unserer Überzeugung nicht bewiesen ist, dass der Angeklagte mit Gewalt versucht hat, sexuelle Handlungen bei der Zeugin durchzuführen“. Zuvor hatten der Vertreter der Staatsanwaltschaft und die Nebenklage Freiheitsstrafen und der Anwalt des Angeklagten seinen Freispruch gefordert.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN