Frühlingshaft und erfrischend anders Florian Ludwig ist Gastdirigent beim Symphoniekonzert in Osnabrück

Von Jan Kampmeier

Ein eher populäres Programm möchte Dirigent Florian Ludwig den Hörern in Osnabrück bieten. Foto: Swaantje HehmannEin eher populäres Programm möchte Dirigent Florian Ludwig den Hörern in Osnabrück bieten. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Beim kommenden Symphoniekonzert stellt sich Florian Ludwig dem Osnabrücker Publikum als Gastdirigent vor. Im Vorfeld berichtet er über das Handwerk des Dirigenten und ein frühlingshaftes Programm für eine neue Zielgruppe.

Verbindungen zum hiesigen Theater hat Florian Ludwig gleich mehrere „Ich kenne Andreas Hotz aus der Konferenz der Generalmusikdirektoren. Und noch länger kenne ich Ralf Waldschmidt. Er war Dramaturg in Bremen, als ich dort Kapellmeister war.“

Von Bremen ging Florian Ludwig als Generalmusikdirektor nach Hagen, inzwischen hat er keine feste Stelle als Dirigent mehr, sondern ist Professor für Orchesterleitung in Detmold. Er unterrichte einfach gerne, sagt Florian Ludwig, der außerdem noch einen weiteren Vorteil nennt: „Es ist ganz schön, nicht jeden Tag zu hören: Dafür haben wir kein Geld.“ Hört man das an der Musikhochschule denn nicht? „Weitaus seltener.“

Dirigent als Handwerker

Florian Ludwig bezeichnet den Beruf des Dirigenten in vielerlei Hinsicht als Handwerk, allerdings mit einigen Besonderheiten. „Es ist ein Beruf, in dem man, mehr als in jedem anderen, nie auslernt, und in dem man auf einem Niveau anfangen muss, mit dem man in anderen Berufen als blutiger Anfänger gelten würde. Ich habe als Dirigent ja mein Instrument nicht ständig zur Verfügung, dabei ist eine Stunde Orchesterprobe hundert Stunden Partiturstudium wert. Außerdem arbeite ich nicht mit einem Instrument aus Holz, sondern mit lebendigen Menschen, die man ganz unterschiedlich erreichen und motivieren kann.“

Dennoch beherzige er noch viel von dem, was ihm seine Lehrer beigebracht hätten. Er nennt eine beeindruckende Reihe großer Namen der alten Garde, von denen er in München lernen konnte: Colin Davis, Lorin Maazel, Franz Welser-Möst, Horst Stein, Wolfgang Sawallisch.

Neue Zielgruppen

In Hagen hat Florian Ludwig versucht, seinem Orchester neue Zielgruppen zu erschließen, und er wird in Osnabrück ein eher populäres Programm dirigieren. „Die Idee ist ein frühlingshaftes Programm, erfrischend anders, möglichst kein Stück über 15 Minuten. Das kommt mir entgegen und ich finde auch schön, dass Michael Quast als Moderator kommt, den ich von früher her kenne.“

Heute noch populär sind natürlich Glinkas „Ruslan und Ludmilla“-Ouvertüre und Dvoráks „Slawische Tänze. In den höchsten Tönen lobt Florian Ludwig aber auch einen inzwischen Vergessenen, der aber zu seinen Lieblingskomponisten zählt und der zumindest mit seinem Intermezzo aus der Oper „Notre Dame“, den er nun mit der zugehörigen „Karnevalsmusik“ dirigieren wird, bis in die 70er Jahre einen echten Hit vorzuweisen hatte. „Er ist für mich einer der unterschätztesten Komponisten der Mahler-Ära, sein „Buch mit sieben Siegeln“ ist das größte Oratorium des 20. Jahrhunderts neben Brittens War Requiem.“ Er lobt bei ihm Bach’sche Klarheit und Mozart’sche Natürlichkeit.

„Ein sehr gutes Stück“

Ungefragt lobt Florian Ludwig schließlich den Konzertmeister Michal Majersky. „Da kann Osnabrück froh sein, ihn hier zu haben, das ist etwas Besonderes.“ Majersky ist der Solist bei Saint-Saëns und schlug außerdem einen Komponisten vor, der auch für Florian Ludwig neu war: Eugen Suchon. „Der war mir bisher echt nicht untergekommen – schon spannend, ein sehr gutes Stück.“