Fritz Wolfs 100. Geburtstag Wie ist das so, als Politiker auf einer Karikatur?

Von Rainer Lahmann-Lammert


Osnabrück. Wie ist das eigentlich, wenn man sich als Politiker auf einer Karikatur wiederfindet? Diese Frage hat der frühere Bundesinnenminister Rudolf Seiters am 100. Geburtstag von Fritz Wolf beantwortet. Beim Festakt im Rathaus hielt der CDU-Politiker die Laudatio auf den bekannten Osnabrücker Karikaturisten.

„Fritz hätte diesen Rummel wahrscheinlich gar nicht so gerne gehabt“, bekundete Marcus Wolf, der Neffe des Jubilars und Vorsitzende der Fritz-Wolf-Gesellschaft, vor den mehr als 100 geladenen Gästen. Freunde, Nachbarn und Weggefährten, Mitglieder der Fritz-Wolf-Gesellschaft und Angehörige erlebten im Friedenssaal einen launigen Abend, an dem viel Nachdenkliches ausgesprochen wurde, um den Humor des 2001 verstorbenen Zeichners zu würdigen.

Als „einen der wichtigsten Karikaturisten der Nachkriegszeit“ bezeichnete Bürgermeisterin Birgit Strangmann den geborenen Mülheimer, und der Blick auf seine Zeichnungen offenbare, dass sie „zeitlos aktuell“ seien. Sie erinnerte daran, dass sich Fritz Wolf in das gesellschaftliche und politische Leben eingebracht und als Grünkohlkönig schließlich auch zu der Stadt bekannt habe, in der er seit 1952 lebte: „Ich bin ein Osnabrücker!“

Seine Frau Edith habe ihn „auf den richtigen Weg geleitet,“ meinte der frühere Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip dazu. Wolfs Werk sei als „großes Kompliment an die Stadt und ihre Bürgerschaft“ zu verstehen. Fip machte deutlich, dass er sich ein – auch finanzielles – Engagement der Stadt gewünscht hätte, um mit der Erinnerung an Fritz Wolf das kulturpolitische Profil Osnabrücks zu schärfen. Leider habe er sich damit nicht durchsetzen können. Ein pragmatischer Anfang könne es doch sein, wenn die Neue Osnabrücker Zeitung einen Fritz-Wolf-Preis für künstlerische Leistungen herausgebe, der alle zwei oder drei Jahre vergeben werde.

Welche Wirkung hat eigentlich die satirische Arbeit mit dem Zeichenstift? „Ich glaube nicht, dass wir ganz viel verändern können“, meinte der Karikaturist Gerhard Mester, der die Politiker von heute aufs Korn nimmt. Klar, meinte er, der Druck sei groß, wenn man jeden Tag eine neue Zeichnung abliefern müsse. Aber bei Fritz Wolf habe er den Eindruck, dass es ihm leicht gefallen sei, die Kurve zu kriegen. Er zähle ihn zu den Könnern, die „ganz oben“ einsortiert werden müssten.

Einer, der sich immer wieder mit frechem Strich vom Osnabrücker Meister porträtiert sah, ist der CDU-Politiker Rudolf Seiters. „Mein Makel und Erkennungszeichen war meine große Brille“, erläuterte er seinen Zuhörern im Friedenssaal, „meine übergroße Brille, die ich zum Leidwesen meiner Töchter immer verteidigt habe“. Und diese Sehhilfe ist auf Fritz Wolfs Karikatur von 1992 zu erkennen, in der der damalige Innenminister der Gewerkschaftsvorsitzenden Monika Wulf-Mathies gegenübertritt – im Adamskostüm. „Versuchen Sie mal, einem nackten Mann in die Tasche zu greifen!“, lautete die Botschaft.

„Das war für mich etwas gewöhnungsbedürftig“, räumte der 80-jährige Emsländer ein. Und seine Frau habe kürzlich beim Blick auf die Karikatur gesagt: „Damals warst du noch schön schlank!“ Seiters würdigte, dass Wolfs gezeichnete Spitzen immer treffend, aber nie verletzend gewesen seien.

Dass der Osnabrücker Karikaturist gleichwohl gewisse Unterschiede in seiner Gunst erkennen ließ, machte Hermann Queckenstedt deutlich, der als geschäftsführendes Mitglied der Fritz-Wolf-Stiftung maßgeblich die Ausstellungen zum 100. Geburtstag auf den Weg gebracht hat. Wolf habe Willy Brandt und Franz-Josef Strauß auf einen Sockel gestellt, „aber der Friedensnobelpreisträger macht dabei die bessere Figur“. Er selbst sei immer wieder von den Details fasziniert. Es bereite ihm „wahnsinnige Lust und Freude“, sich in das Werk des Karikaturisten zu vertiefen.

Vom Publikum gab es viel Applaus für den stimmungsvollen Abend, der von Bela Berkemer-Makhradze (Violine) und Uwe Berkemer (Klavier) musikalisch umrahmt wurde.


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