Durchwachsene Reaktionen Erster Osnabrücker Nachtflohmarkt unter neuen Bedingungen

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Osnabrück. Bei herrlichem Sommerwetter ist am Samstag der Osnabrücker Nachtflohmarkt erstmals unter veränderten Bedingungen über die Bühne gegangen. Ist die im Januar vom Rat beschlossene Reform der Traditionsveranstaltung gelungen? Darüber gab es am Samstag sehr unterschiedliche Ansichten.

Das Wetter zumindest war perfekt, als die Betreiber der 542 Stände ihre Utensilien für den Nachtflohmarkt in Osnabrück aufbauten. Offiziell begann der Standaufbau um 17 Uhr, und um diese Zeit herrschte dann auch reger „Anreiseverkehr“. Ulrike und Barbara Seelhöfer etwa mussten ihre Sachen von der Ladezone am Ledenhof zwar noch bis hinter die Katharinenkirche transportieren, weil sich dort ihr vorab reservierter Standplatz befand, waren aber guter Dinge: „Das wird heute super“, glaubte Ulrike Seelhöfer, und ihre Schwester wusste aus Erfahrung: „Die Atmosphäre ist hier immer toll.“ Dass sie ihren Platz bereits sicher hatten, empfanden die beiden als sehr positiv und entspannend.

So ging es auch Familie Markus, die ihre Waren ebenfalls vor St. Katharinen aufgebaut hatte: „Wir finden die neue Regelung super. Denn wir waren in den letzten Jahren nicht mehr auf dem Flohmarkt, weil uns der Platzkampf zu stressig war.“

Ganz anders Claudia Drenik, die die Osnabrücker Nachtflohmärkte schon seit 25 Jahren immer wieder gerne besucht. Auf dem Ledenhof fehle ihr das typische Flohmarktflair, sagte sie, und das „mit Stühlchen den Platz Freihalten“. Gerne erinnere sie sich an die besondere Atmosphäre, die früher in den engen Altstadtgassen geherrscht hätte. Dort veranstaltete die Hasestadt am 2. Mai 1970 auf den Gehwegen rund um das Heger Tor und die Bocksmauer ihren ersten Flohmarkt.

Neue Ort und mit Anmeldung

Knapp 50 Jahre später konnten sich die Flohmarktverkäufer erstmals nicht einfach spontan dafür entscheiden, einen Stand auf dem Nachtflohmarkt aufzubauen. Der Rat hatte im Januar verschiedene Änderungen in Sachen Nachtflohmarkt beschlossen. Die wohl wichtigste Neuerung: Die verbindliche Anmeldung für einen konkreten Platz samt Begleichung der Standgebühr im Voraus. Außerdem setzte der Rat den Veranstaltungsschluss auf 2 Uhr nachts fest (die meisten Händler bauten sogar noch deutlich früher ab) und begrenzte die Marktfläche auf die Bereiche Ledenhof, Redlingerstraße, Adolf-Reichwein-Platz, Osterberger Reihe, An der Katharinenkirche, Hakenstraße und Kamp. Damit gab es am Samstag bei einem Nachtflohmarkt erstmals seit vielen Jahren keine Stände mehr in der Großen Straße, was nicht zuletzt den Osnabrücker Kaufleuten entgegenkam, die sich in der Vergangenheit oft darüber beklagt hatten, dass ihre Geschäfte schon Stunden vor der offiziellen Flohmarkteröffnung von Trödlern belagert wurden.

Silke Möller jedenfalls war mit ihrem Standplatz zwischen Ledenhof und Katharinenkirche sehr zufrieden: „Ich finde das total klasse hier! Das ist ein bisschen so wie ganz am Anfang in der Altstadt.“ Sie hatte ihre Verkaufsfläche im Vorfeld strategisch gut ausgewählt: „Wir haben eine Straßenlaterne und somit Licht und sogar noch eine Bank hier stehen.“

Wie viel Enge gehört dazu?

Bei der Anmeldung hatte Silke Möller gezielt nach einem Eckplatz „mit etwas Platz drumherum“ Ausschau gehalten: „In der Redlingerstraße ist es ja immer sehr eng.“ Damit sollte sie Recht behalten. In „der Redlinger“ galt für viele das Motto des ersten Flohmarktes 1970, das damals in der „NOZ“ zu lesen war: „Riesenspaß – ein Zusammentreffen von Enge, Gedränge, Jux und Jubel.“ Anderen war es schlicht zu eng, sie mieden diesen Bereich. Auch die Hakenstraße erwies sich als Engpass. Einer, dem das nicht gefiel, war Nico Koenig. Er schrieb im Internet auf Twitter: „Nachtflohmarkt 2018. Leute, bleibt zu Hause... der Flohmarkt ist komplett überfüllt!!! Zu viele Menschen auf zu wenig Fläche.“ Die Frage, ob eine gewisse Enge zum Flohmarkt ganz einfach dazugehört oder ob sie stört und abschreckt, gehörte unter den Besuchern zu den meistdiskutierten des Abends.

Mehr Licht

Ein Kritikpunkt kam von einigen Standbetreibern auf dem Ledenhof: Wer hier nicht für eigenes Licht gesorgt hatte, stand zu späterer Stunde buchstäblich im Dunkeln. Denn der Platz hat anders als andere Flohmarktbereiche keine Straßenbeleuchtung. Ob Hobbytrödler selbst für Licht zuständig sind, ist die eine Frage – ob die Wege für die Besucher sicher sein müssen, ist eine andere. Denn den Ledenhof zeichnet eine Reihe von Stufen und Absätzen aus. Diese konnten im Dunkeln leicht zu Stolperfallen werden, vor allem, wenn sich die Konzentration der Besucher primär auf die Auslagen an den Ständen richtete.

Für jeden etwas

Von den Rahmenbedingungen abgesehen, gab es auf dem Nachtflohmarkt natürlich auch dieses Mal wieder viel Nützliches, Schönes und Skurriles zu entdecken. Familie Markus beispielsweise trennte sich von „Onkel Otto“, einer großen Leuchte mit Gesicht, deren kleine Nebelmaschine dafür sorgt, dass der Figur lange, weiße Haare wachsen. An einem anderen Stand gab es Schlagzeugzubehör wie eine Doppelfußmaschine, und an einem Comic-Stand waren Klassiker wie „Donald Duck“ besonders gefragt. Und Flohmarkt-Veteranin Claudia Drenik berichtete: „Omis Vasen, die drei Jahre lang keiner auch nur angeschaut hat, waren als erstes weg.“


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