„Hass und Hoffnung: Afghanistan“ Fotograf Andy Spyra zeigt Bilder im Nussbaum-Haus Osnabrück

Von Anne Reinert


Osnabrück. Für den international bekannten Fotograf Andy Spyra ist Afghanistan „Sehnsuchtsort und Hölle“ zugleich. Das spiegeln seine Bilder wieder, die nun bei der Ausstellung „Hass und Hoffnung. Afghanistan“ im Museumsquartier Osnabrück zu sehen sind.

Es sind die eigentlich unspektakulären Momente, die auf Andy Spyras Fotografien einen besonders nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Etwa das Foto von einer Bettlerin am Straßenrand. Im ersten Moment ist kaum zu erkennen, dass dort am Straßenrand ein Mensch liegt. Es braucht schon einen zweiten Blick, um die Frau darunter zu sehen.

Andy Spyra ging es selbst so, als er das Foto schoss. Beim Presserundgang durch die Ausstellung mit seinen Fotos im Felix-Nussbaum-Haus erzählt er, wie er erst nah rangehen. Bis er zuhause seine Aufnahmen sichtete und merkte, dass dieses „stille, leise Bild“ große Wirkung hat.

Es gehört nun zur Ausstellung „Hass und Hoffnung. Afghanistan“, die ab Samstag im Felix-Nussbaum-Haus zu sehen ist. Während das Bild der Bettlerin bereits 2014 entstand, stammen die meisten Fotos von einer Reise in das kriegsgeschüttelte Land, die Spyra im vergangenen Jahr mit dem Journalisten Wolfgang Bauer für das „Zeitmagazin“ unternahm. Die beiden reisten in das Dorf Abdul Khel nahe der pakistanischen Grenze. Ihr Ziel: Indem sie das Dorf porträtierten, wollten sie etwas über ein ganzes Land erzählen.

Die Kuratorin Dr. Mechthild Achelwilm, zuständig für zeitgenössische Kunst und Programm im Museumsquartier, hat Spyras Arbeiten zwischen den Bildern von Felix Nussbaum platziert statt sie in einem separaten Raum zu zeigen. Eine kluge Entscheidung. Denn die Schwarz-Weiß-Fotos aus Afghanistan und die Malerei des von den Nazis verfolgten und ermordeten Malers erzählen auf verschiedenen Ebene von den gleichen Themen, von Krieg und Gewalt, Armut und Angst.

Unterwegs mit Grenzpolizisten

Die Ausstellung bestehe aus vier Ebenen, so Achelwilm. Denn neben den Fotos und der Malerei ist auch die Architektur von Daniel Libeskind, Erbauer des Nussbaum-Hauses, nicht wegzudenken. Dazu kommen die Texte von Wolfgang Bauer. Sie sind eine wertvolle Ergänzung und erzählen die Geschichten hinter den Bildern.

Spyra und Bauer waren mit Grenzpolizisten unterwegs und konnten nicht selbstständig durch die Gegend fahren. Das wäre zu gefährlich gewesen, so der 1984 geborene Reportagefotograf, dessen Fotos unter anderem im „Time Magazine“, der „Geo“ und im „Spiegel“ erschienen sind. Seit einigen Jahren begleitet er das Morgenland Festival fotografisch. Die Ausstellung ist eine Kooperation zwischen Festival und Museumsquartier.

Nichts ist gestellt

Spyras Fotos verstören, rühren und beeindrucken. Da ist etwa der Blick in die eigentlich so wunderschöne Landschaft Afghanistans, ein Blick in die Weite, der einfach nur zu genießen sein könnte. Wären da nicht die Rauchschwaden eines Bombenangriffs der Amerikaner. Das Bild verdeutliche, dass Afghanistan „für mich persönlicher Sehnsuchtsort und Hölle zugleich“ sei, so Spyra.

Auf einem anderen Bild blicken die Betrachter in die traurigen Augen von Hamid Gul, der durch den Krieg seine zwei ältesten Söhne verloren hat. Porträts wie dieses hat Spyra von ganz nah aufgenommen. Es ist nicht möglich, dem Blick der Menschen darauf auszuweichen.

Bei Spyra ist nichts gestellt, sondern alles aus dem Moment heraus entstanden. Da ist etwa das Bild eines Marktes zu sehen, aufgenommen durch die verregnete Scheibe eines fahrenden Autos. Die Bilder erzählen viel von dem im Chaos versunkenen Land, in dem es dennoch Hoffnung auf eine bessere Zukunft gibt. So ist etwa ein Bild des Dorfschulleiters Maulawi Abdul Basir zu sehen. Er trotzt allen Terroristen und unterrichtet unter Lebensgefahr die Kinder des Dorfes. Damit sie eine Chance auf ein besseres Leben haben.