Verhandeln am Big Apple Osnabrücker Student mimt südamerikanischen Diplomaten

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Osnabrück/Lörrach. Lars Eversmann ist gebürtiger Osnabrücker und absolviert derzeit ein duales Studium des Logistikmanagements an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Lörrach und beim Logistiker Hellmann. Ende März reiste er nach New York und nahm an der NMUN-Simulationskonferenz teil – als Diplomat des südamerikanischen Landes Suriname.

NMUN steht für „National Model United Nations“ und ist eine Organisation, die über die Vereinten Nationen und internationale Zusammenarbeit aufklären möchte. Bei ihrer Simulationskonferenz in New York gab sie Teilnehmern wie Lars Eversmann die Möglichkeit, in die Rolle eines Diplomaten eines anderen Landes zu schlüpfen.

Eversmann und seine Kommilitonen sahen sich deshalb zunächst einer grundsätzlichen Herausforderung ausgesetzt: Vom Land Suriname, das sie vertreten sollten, hatten die wenigsten bisher überhaupt etwas gehört. Sie erfuhren, dass Suriname ein Land in Südamerika mit etwa 600.000 Einwohnern ist – „also so groß wie Essen“, wie Eversmann bemerkt. Suriname ist von einer schweren Wirtschaftskrise betroffen. Entsprechend galt es für die zwölf Studenten, sich zunächst in die Diskurse und Probleme des Landes einzuarbeiten, um dessen Interessen angemessen vertreten zu können.

Diplomatie-Schulungen

Für die jungen Leute erwies sich das als spannende Herausforderung: „Es war durchaus interessant, sich als jemand aus einem Industrieland mit einem solchen Entwicklungsland zu beschäftigen.“

Auf die Teilnahme an der Konferenz hatten sich die Studenten hochschulintern bewerben müssen. Als Student des Logistikmanagements war es Eversmann ein Anliegen, einmal aus dem eigenen Themenbereich auszubrechen. In Lörrach wurden er und seine Kommilitonen zunächst auf die Simulationskonferenz vorbereitet. Neben Schulungen zur Diplomatie beschäftigten sie sich in insgesamt vier Seminaren mit der UN, mit Suriname oder auch damit, wie man gute Reden hält. In New York besuchten sie dann auch die Ständige Vertretung Surinames.

Feingefühl

Für die Verhandlungen in New York waren zwischenmenschliches Feingefühl und Strategie erforderlich. „Eine Faustregel der Diplomatie, die wir in der Vorbereitung in der Hochschule gelernt haben, lautet: Man muss den Mund aufmachen, wenn man etwas zu sagen hat“, erklärt Eversmann. Bei aller diplomatischen Zurückhaltung muss man sich also Gehör verschaffen. Eine Strategie der Suriname-Delegierten war es, in Gesprächen mit anderen Abgesandten präsent zu sein und sich bei insgesamt 193 Mitgliedsländern Aufmerksamkeit zu verschaffen. Es sei wichtig gewesen, andere Länder zu suchen, die ähnliche Probleme wie das eigene haben, um Verbündete in der eigenen Sache zu gewinnen. Um aufzufallen und geschlossen aufzutreten, hatte sich die Delegation goldene Krawatten umgebunden.

Lars Eversmann arbeitete vor allem am Thema Stadtplanung. Er überlegte, wie man die Bildung von Slums in Suriname umgehen kann. „Eine Frage war zum Beispiel: Wie können wir sicherstellen, dass in den Stadtteilen genügend Schulen und Ärzte vorhanden sind und jeder Zugang zu sauberem Wasser bekommt?“ Letztlich wurden dazu sieben Resolutionen verabschiedet.

Durch Spenden finanziert

Die Reise war mit hohen Kosten verbunden. 2000 Euro waren von den Studenten selbst zu tragen oder durch Spenden zu finanzieren. Freunde, Bekannte und Verwandte hätten gespendet, im Falle Eversmann auch sein Arbeitgeber, die Firma Hellmann. „Letztlich kam so viel Geld zusammen, dass wir aus eigener Tasche nur noch die Flüge und einen Teil der Verpflegung zahlen mussten.“


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