Andere Linienführung? Arbeitskreis will Busverkehr auf dem Neumarkt neu regeln

Von Wilfried Hinrichs

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pm/hin Osnabrück. Ein Neumarkt ohne Busse? Ein Arbeitskreis mit Verkehrsexperten, Politikern und Interessenvertretern hat Mitte April das erste Mal getagt. Ziel ist es, den Busverkehr auf dem Neumarkt neu zu regeln und den Platz möglichst zu entlasten. Ein Vorschlag soll im Oktober vorliegen.

Dieser Arbeitskreis unter dem Titel „Neuorganisation des ÖPNV in der Osnabrücker Innenstadt“ tagt unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Stadt verschickte am Mittwoch einen Bericht von der ersten Arbeitssitzung, die bereits Mitte April stattfand. „Wir überprüfen, ob der ÖPNV auf dem Neumarkt so verbleiben muss oder ob es eine andere Lösung gibt“, wird Stadtbaurat Frank Otte in der Mitteilung der Stadt zitiert. Es seien „erste Ansätze“ vorgestellt worden, die in einer Machbarkeitsstudie untersucht werden sollen. Dem Arbeitskreis gehören Vertreter der Ratsfraktionen, Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück (Planos), der Umwelt- und Verkehrsverbände, der Wirtschaft, des Fahrgastbeirats und weiterer Interessenverbände. Ihre unterschiedlichen Perspektiven, Bedürfnisse und Anforderungen sollen bei der Ausgestaltung des Platzes und der Busführung durch die Stadt berücksichtigt werden, wie es in der Mitteilung der Stadt heißt. (Weiterlesen: Sackgasse Neumarkt – Stillstand im Herzen von Osnabrück)

Sieben Linienführungen

Die Machbarkeitsstudie erstellt die Firma Nahverkehrsconsult aus Kassel im Auftrag der Stadt. Mathias Schechting, Inhaber der Beratungsfirma stellte dem Arbeitskreis sieben mögliche Linienführungen vor. Eine letzte Variante ließ Schmechtig offen, um zu verdeutlichen, dass durch die Diskussion im Arbeitskreis auch weitere Linienführungen möglich sind. Die Linienführungen wurden zunächst nur zur Kenntnis genommen, ohne sie inhaltlich tiefer zu diskutieren, wie ein Teilnehmer berichtete.

Bei der Gestaltung des Busverkehrs müssten viele, zum Teile gegensätzliche Faktoren berücksichtigt werden, so Schmechtig dar. So sollte der Einzugsbereich der einzelnen Haltestellen nicht mehr als 300 Meter betragen. „Für Senioren mit Rollator beispielsweise können 300 Meter schon sehr weit sein“, sagte Mathias Schmechtig. Ein weiterer Aspekt sei die Fahrtdauer im Bus durch die Stadt, die sich bei einigen Ansätzen erhöhen würde – und manchen von der Nutzung der Busse abhalten könnte, so Schmechtig. Das Besondere an der Osnabrücker Situation sei, dass sich zum einen der Bahnhof außerhalb des Zentrums befindet: „Er liegt im Schatten aller städtebaulichen Strukturen“, sagte Frank Otte. Zum anderen seien die Parkhäuser im Kernbereich der Innenstadt gebaut worden.

Bequem mit dem Bus

Vor diesem Hintergrund bedürfe es einer besonderen Planung, damit das Busfahren attraktiv bleibe und nicht hinter dem Komfort für Autofahrer zurückstehe. Die Daten zur Nutzung einzelner Haltestellen zeigten, dass der Neumarkt der zentrale Anlaufpunkt ist. Zählungen hätten ergeben, dass hier täglich 43.000 Fahrgäste ein-, aus- oder umsteigen. Der nächste größere Anlaufpunkt ist den Angaben zufolge der Hauptbahnhof mit 8000 Fahrgästen.

Die Spannbreite der Anforderungen an die Gestaltung des Neumarktes wurde deutlich, als Moderator Jens Stachowitz die Teilnehmer zu Beginn aufforderte, Stichpunkte zu sammeln, die ihnen wichtig sind. Während sich bei manchen Punkten schnell ein Konsens ausmachen ließ – beispielsweise mehr Aufenthaltsqualität auf dem Neumarkt zu gewinnen – gingen die Vorstellungen darüber, wie der Busverkehr gestaltet werden soll, zum Teil auseinander. So wünschten sich manche Teilnehmer, den Busverkehr komplett vom Neumarkt zu lösen, andere erwarten eine höhere Verdichtung des ÖPNV auf dem Platz, die der Neumarkt aufnehmen und verkraften können muss.

Diese Punkte sollen in den beiden weiteren Sitzungen des Arbeitskreises diskutiert werden, um in die Machbarkeitsstudie einzufließen. Dieses Gutachten soll, wie Heike Stumberg, Leiterin des Fachdienstes Verkehrsplanung, erläuterte, bis Ende Oktober dieses Jahres stehen.

Stadtwerke-Chef gab den Anstoß

Den Denkprozess über eine Änderung des Knotenpunktes Neumarkt hatte Stadtwerke-Chef Christoph Hüls im Juli 2017 angestoßen. In einem Interview mit unserer Redaktion sagte Hüls: „Wenn die Politik das Szenario entwickelt, den Neumarkt busfrei zu haben, dann werden wir entsprechende Konzepte entwickeln.“ Die FDP-Ratsfraktion nahm den Ball auf und initiierte einen gemeinsamen Ratsantrag von FDP, CDU, SPD, Grünen, Linken, UWG und Piraten. Der Rat gab der Verwaltung damit den Auftrag, „ein externes Büro mit einer Machbarkeitsstudie zu beauftragen, die untersucht, ob und wie die Frequentierung des Neumarkts durch den Busverkehr vermieden bzw. weitgehend reduziert werden kann. Ziel ist es, die Erreichbarkeit der Innenstadt mindestens auf dem heutigen Niveau zu erhalten sowie die Verbindung zwischen den Stadtteilen zu optimieren, um so den ÖPNV insgesamt zu stärken und die Nutzerzahlen zu erhöhen“. Die Studie soll auch Alternativen wie eine Wallringlinie, Busliniengestaltung in Taschenführung, Eignung des Hauptbahnhofes als zusätzlichen Knotenpunkt und alternative Linienführungen für die Johannisstraße in Betracht ziehen.

Auf die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie sind auch die Straßenbauer gespannt. In den kommenden drei Jahren soll der Neumarkt nach einem Entwurf des Planungsbüros Lützow 7 aus Berlin umgestaltet werden. Die Arbeiten beginnen am 22. Mai in der Johannisstraße mit der Erneuerung der Kanalanschlüsse. Änderungen im Nahverkehr haben möglicherweise auch Einfluss auf die Gestaltung der Johannisstraße und des Neumarktes.


An der ersten Sitzung nahmen teil

Christoph Bertels, CDU-Ratsfraktion

Annette Harding, SPD-Ratsfraktion

Oliver Hasskamp, FDP-Ratsfraktion

Ralph Lübbe, BOB-Ratsfraktion

Axel Möhlmann, Fahrgastbeirat I

Melanie Lemme, Behindertenforum

Helga Stübbe, Seniorenbeirat

Stefan Goda, PRO BAHN

Thomas Polewsky, Lokale Agenda - Stadtentwicklung

Gerhard Dallmöller, IHK

Jörg Schneider, Weser-Ems Bus

Dieter Otte, Stadtwerke Osnabrück - Verkehrsbetrieb

Harald Schulte, PlaNOS

Thomas Schniedermann, PlaNOS

Frank Otte Stadtbaurat

Dr. Claas Beckord, Referat Strategische Steuerung und Rat

Franz Schürings, Fachbereich Städtebau

Heike Stumberg, Fachbereich Städtebau

Helma Pötter, Fachbereich Städtebau

Tim Lorchheim, Fachbereich Städtebau

Mathias Schmechtig, Gutachter

Jens Stachowitz, Moderation

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