Kaum einen Pfennig dazubezahlt Wie der Osnabrücker Rubbenbruchsee entstand

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Osnabrück. Schon seit den 1930er-Jahren wurden immer mal wieder Überlegungen angestellt, die Niederung Rubbenbruch an der westlichen Stadtgrenze zu Atter mit einem See aufzufüllen. Die Stadt befürwortete die Pläne stets vehement, wollte aber möglichst kein eigenes Geld dafür ausgeben. In den 60ern fand sich dank des Autobahnbaus ein anderer Kostenträger.

Heißt es eigentlich „der Rubbenbruch“ oder „das Rubbenbruch“? „Das Bruch“ sagt man, wenn ein mooriges Feuchtgebiet gemeint ist, aber „der Bruch“, wenn man darin das geologische Phänomen eines Grabenbruchs sieht. Beides trifft hier zu. Tatsächlich handelt es sich beim Rubbenbruch um einen 300 Meter breiten Grabenbruch, der im Tertiär entstand, als sich Wiehengebirge, Teutoburger Wald und das Osnabrücker Hügelland herausbildeten. In diesem Graben floss wohl ursprünglich die Düte. Infolge eiszeitlicher Bodenbewegungen füllte sich der Graben mit Sand und Schluff.

Wer zuerst die Idee hatte, jenseits des Heger Holzes eine große Wasserfläche im Dienste der Naherholung entstehen zu lassen, ist nicht belegt. Für den Landschaftsplaner Hartmut Peucker, einen der späteren „Väter“ des Rubbenbruchsees, lag es wohl irgendwie in der Luft: „Hannover hatte den Maschsee, Münster den Aasee, beide künstlich angelegt, und Osnabrück brauchte den Rubbenbruchsee.“

Heger Laischaft interveniert

1937 schlägt ein Gutachter vor, die bis zu einem Meter starke Niedermoorschicht abzutragen und mit den darunter liegenden nährstoffreicheren Schichten die angrenzenden Ackerböden zu verbessern und dabei einen See zu hinterlassen. Die Idee wird verworfen. Ebenso die 1938 vorgetragene Idee, vom Barenteich bis zum Hakenhof eine Großsiedlung zu entwickeln. Dazu wäre eine erheblich eingreifende Entwässerung nötig, was der Heger Laischaft überhaupt nicht behagt. Der Krieg kommt dazwischen, und die Pläne bleiben in der Schublade.

In der Nachkriegszeit wird im Rubbenbruch auf Wiesen und Weiden weiterhin Landwirtschaft betrieben, auch in Kleingärten auf teilweise ganz schmalen Parzellen. Die Landwirtschaft lohnt jedoch kaum. Bald fallen die ersten Flächen brach. Man erinnert sich an die alten Voruntersuchungen und geht 1955 neu ans Werk: Sorgfältig prüft man die Voraussetzungen für die Anlage eines Sees, bohrt das gesamte Gebiet bis zu zehn Meter Tiefe ab und kartiert die Grundwasserverhältnisse. Hydrogeologen errechnen aus der Größe des Wassereinzugsgebiets, der jährlichen Regenmenge und den Verdunstungsverlusten, wie groß die Wasserfläche sein muss, um dauerhaft eine gewisse Wasserspiegelhöhe mit nicht zu großen Schwankungen zu garantieren. Das Ergebnis: 22 Hektar bei einer Wassertiefe von mindestens 2,5 Metern.

Wohin mit dem Aushub?

Ein Problem wird jedoch gesehen in der Verwendung des in großer Menge und „in bautechnisch unzureichender Qualität“ anfallenden Aushubs. Dieses Problem hemmt die weitere Entwicklung vorerst. Doch dann tun sich neue Möglichkeiten auf. Für die Dammschüttungen der „Ostumgehung“ (später A33) und der Europastraße 8 (später A30) werden 500.000 Kubikmeter Boden benötigt. Das Landesamt für Bodenforschung in Hannover hält Aushub aus dem Rubbenbruch zunächst (1963/64) für ungeeignet, da er sich wegen hohen Wassergehalts und Schluffanteils nicht verdichten lasse. Aufwendiges Zwischenlagern und Abtrocknen sei nötig. Den rettenden Ausweg bringt schließlich die neue Technik des Ausspülens von Material mittels Schwimmbagger, langer Rohrleitungen und Wasserrücklauf mit den zu feinkörnigen Bestandteilen.

Während die Abnahme des Bodens mit der Straßenbaubehörde vertraglich geregelt wird, stellt die Stadt einen Bebauungsplan auf und erwirbt die erforderlichen Grundstücke. Eine Hauptrolle spielt die Heger Laischaft, die seit 1560 hier über Weidegrund verfügt. 1965 überlässt sie ihren Grundbesitz der Stadt im Tausch gegen gewisse Zuschüsse zur Waldpflege des ihr verbleibenden Heger Holzes. Großen Anteil am Zustandekommen hat der damalige Wort- und Buchhalter der Laischaft, Karl Kühling (1899–1985), zu dessen Ehren der Rundweg um den See später den Namen Karl-Kühling-Weg erhält.

Einigung mit Eigentümern

Auch mit weiteren Eigentümern wie Domkapitel, Bischöflicher Stuhl, Priesterseminar und Evangelische Stiftungen wird sich die Stadt einig. Die Kaufpreise sind teils nur symbolisch, da die Alteigentümer das dem Gemeinwohl dienende Ziel der Schaffung eines Naherholungsgebietes unterstützen.

Im Frühjahr 1968 setzt eine Tiefbaufirma einen schwimmenden Saugbagger ein und spült 350.000 Kubikmeter Sand über eine kilometerlange Rohrleitung zur entstehenden Trasse der E8 am Hakenhof. Die Stadt braucht das alles nicht zu bezahlen, ebenso wenig die spätere Herrichtung der Uferlinie und die Wiederandeckung des Oberbodens. Aber: Nach Abschluss der Sandentnahme für die E8 im Frühjahr 1970 liegt ein Torso da, erst zwei Fünftel des geplanten Sees sind fertig. Wie es weitergehen soll, weiß zunächst niemand. Die Tiefbaufirma bietet an, gegen Bezahlung durch die Stadt weiterzubaggern. Die Verwaltung sucht nach kostengünstigeren Wegen und verhandelt mit dem britischen Militär. Aber das lehnt nach wohlwollender Prüfung ab, weil die Arbeiten doch wohl nicht als militärisches Pioniertraining deklariert werden können.

Saugbagger in Aktion

Im Juni 1975 geht es weiter. Mit dem Sandgruben- und Transportunternehmer Günter Kipp hat die Stadt einen Partner gefunden, der den See nach den vorliegenden Plänen bis 1985 vollenden will, wenn er dafür den Sand für Bauzwecke auf eigene Rechnung verkaufen kann.

Wieder tritt ein Schwimm-Saugbagger in Aktion, der das Spülgut auf die am Westufer angelegten Polder befördert. Silos für den getrockneten Sand und Abfülleinrichtungen kommen hinzu. Unterdessen werden die bereits fertiggestellten Uferabschnitte begrünt und durch Wanderwege erschlossen. Auf Wunsch des Unternehmers wird die Seefläche von 18 auf 24 Hektar vergrößert. Die Arbeiten ziehen sich länger hin als gedacht. Um die Augen der Spaziergänger zu besänftigen, bekommt Kipp die Auflage, die wenig attraktiven Silos wenigstens grün anzustreichen.

Beliebtes Naherholungsgebiet

Am 22. März 1991 teilt der Abbauunternehmer das Ende der Spülarbeiten mit. Nach 23 Jahren endet der Sandabbau. Das Naherholungsgebiet Rubbenbruchsee wird mit Anpflanzungen, Wegen, Bänken, Schutzhütten, Spielplatz, Gastronomie, Tretbootverleih und Minigolfanlage zu seiner heutigen Gestalt vervollkommnet. Auch der Naturschutz kommt insbesondere im Südabschnitt zu seinem Recht.

Eine 24 Hektar große Wasserfläche macht heute den Rubbenbruchsee aus. Foto: Joachim Dierks

Als derzeit noch ungelöste Probleme bleiben die Bauruine des geplanten Hotels Barenteich und die unbefriedigende Parkplatzsituation. Sie ändern nichts daran, dass der See und sein Umfeld zum beliebtesten Naherholungsgebiet der Stadt geworden sind.


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