Zukunftskonzept UOS 2020 Wie die Uni Osnabrück ihre Lehre verbessern will

Von Sebastian Stricker


Osnabrück. Gute Lehre soll an der Universität Osnabrück einen höheren Stellenwert bekommen. Dafür wurde hochschulintern ein umfangreiches Strategiepaket geschnürt, das insbesondere auf Verbesserungsvorschläge von Studenten setzt.

An die Lehre einer Universität sind heute hohe Anforderungen geknüpft: Sie soll inspirieren, motivieren, praxisnah und forschungsorientiert sein, außerdem die unterschiedlichen Bildungsbiografien der Studenten berücksichtigen. Doch längst nicht jeder Dozent kann und will diesen Ansprüchen gerecht werden. Auch weil mit eigener wissenschaftlicher Arbeit mehr Meriten zu verdienen sind als mit der Ausbildung junger Akademiker.

Gleichgewicht schaffen

„Unser Wissenschaftssystem belohnt Forschung stärker als Lehre“, erklärt Thomas Bals, Vizepräsident für Hochschulentwicklung und Strategie an der Universität Osnabrück. Ein Professor oder Doktor, der auf seinem Fachgebiet wichtige Entdeckungen mache, Millionen von Drittmitteln einwerbe oder wie am Fließband publiziere, genieße in der Regel ein größeres Renommee als jemand, der wegen spannender Vorlesungen und hochinteressanter Seminare zunächst einmal nur von seinen Studenten geliebt wird. Dieses „Ungleichgewicht in der Sichtbarkeit und Wertschätzung von Forschung und Lehre“ gelte es zu beseitigen, so Bals. Für die Universität Osnabrück sei gute Lehre ein Kernziel.

Klare Leitlinien

Erreicht werden soll das mithilfe von klaren Leitlinien und einem neuen, einzigartigen Förderprogramm – zusammengefasst im „Strategiepaket Lehre“, das am Mittwoch vorgestellt wurde. Die Leistung von Dozenten im Hörsaal muss demnach künftig vier Bedingungen erfüllen: Sie soll wissenschaftlich sein und fächerübergreifend, außerdem mit Blick auf die Studenten profil- sowie persönlichkeitsbildend. „Wir müssen den Mut haben, Lehre neu zu denken“, fordert Universitätspräsident Wolfgang Lücke, „denn exzellente Forschungsleistungen sind nur möglich durch eine motivierende, forschungsbasierte Lehre.“ Dabei seien besonders die Ideen der Studenten mit einzubeziehen.

Finanzieller Anreiz

Um Innovationen in diesem Bereich in Ruhe entwickeln und umsetzen zu können, hat die Uni Osnabrück zusätzlich das Programm „Lehr-Zeit“ aufgelegt. Es richtet sich an Professoren wie Studenten gleichermaßen und soll einen finanziellen Anreiz schaffen, sich hinreichend Zeit für eine nachhaltige Verbesserung der Lehre zu nehmen. Möglich wird das den Angaben zufolge durch eine befristete Verringerung des Lehrdeputats, wobei „angemessen vergütete Lehraufträge“ den Lehrausfall kompensieren. Insgesamt stelle die Universität dafür in den kommenden drei Jahren jeweils 300.000 Euro zur Verfügung. Studenten, die sich an dem Programm beteiligen, sollen Hilfskraftverträge erhalten.

Fünf Projekte pro Jahr

„Wir schenken damit Zeit, die im regulären Lehr- und Forschungsalltag fehlt“, sagt Martina Blasberg-Kuhnke, Vizepräsidentin für Studium und Lehre. „Das ist unser Osnabrücker Modell und ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal.“ Bis zu fünf Projekte im Jahr seien förderfähig. Anträge für den ersten Durchgang können bis zum 15. Juni gestellt werden.

Das Strategiepaket Lehre ist Teil des „Zukunftskonzepts UOS 2020“, das die Uni Osnabrück vor knapp zwei Jahren verabschiedet hat. Daneben gibt es bereits das „Strategiepaket Forschung“: Darin hat die Uni sechs wissenschaftliche Felder bestimmt, auf die sich sie fortan konzentrieren möchte.