Concert Remarquable Franz Schuberts Seelenleben im Hotel Remarque

Von Alexander Stukenbrok

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Eine Charakterskizze Schuberts zeichneten Annette Kristina Banse und Hans Christian Schmidt-Banse. Foto: Gert WestdörpEine Charakterskizze Schuberts zeichneten Annette Kristina Banse und Hans Christian Schmidt-Banse. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. „Gibt es eigentlich lustige Musik?“ Diese Frage über den Charakter von Franz Schuberts Musik stellten sich Annette Kristina Banse und Hans Christian Schmidt-Banse am Montagabend in ihrer Konzertreihe „Concert Remarquable“ im Steigenberger Hotel Remarque. Für die musikalische Untermalung sorgte Tatiana Prushniskaya am Klavier.

Schicksalsjahr 1828: Mit gerade einmal 31 Jahren stirbt Franz Schubert infolge einer noch nicht geheilten Syphilis-Erkrankung. Die düsteren letzten Werke wie „Die Winterreise“ und die Klaviersonate in A-Dur lassen auf eine vorzeitige musikalische Auseinandersetzung mit dem Tod schließen.

Doch die Beschreibungen von Freunden, denen zufolge Schubert sich kurz vor seinem Tode bester Gesundheit und Laune erfreut habe, passen da nicht ins Bild. Ein Widerspruch, der sich laut Schmidt-Banse als „Janusköpfigkeit“ durch Schuberts Leben zieht. Im Spannungsfeld zwischen Freude und Trauer, zwischen Liebe und Schmerz entsteht seine Musik.

Regelrechte Klangwelten

So auch die „Sonate für Klavier A-Dur“ (D 959) aus dem Todesjahr 1828 – Musik, die mitten im Leben, aber auch am äußersten Rand spielt. Von Tatiana Prushniskaya brillant interpretiert, werden Auszüge aus der Sonate äußerst passend zu den Ausführungen der beiden Gastgeber dargeboten. In gewohnt enger Verknüpfung von konzertantem und erzählerischem Beitrag wird die Frage, ob es bei Schubert lustige Musik gebe, zur Frage nach der innersten Beschaffenheit seiner Musik.

Tatiana Prushinskaya am Klavier. Foto: Gert Westdörp

Dabei werden dem Publikum tiefe Einblicke in das Seelenleben des Komponisten eröffnet: Endlos gesponnene Klavierpassagen zeigen Schubert als ruhelosen Wanderer, Melodien von atemberaubender Schönheit ihn als Träumer, erbarmungslose Akkordhiebe diesen als Todesfürchtigen. Jene Klaviersonate spielt Prushniskaya so eindrucksvoll, dass Gastgeber Schmidt-Banse sein Publikum sogar zum Zwischenapplaus auffordert.

Erfolglose Suche nach Glück

Präzise artikuliert, anmutig ausgestaltet mit genau dem richtigen Anteil Pedal lässt Prushniskaya regelrechte Klangwelten entstehen. Zuvor durch Anekdoten, Briefe und Tagebucheinträge in Schuberts Leben und Denken eingeführt, lässt sich nun seine Musik mit neuem Verständnis hören.

Schlussendlich finden Annette Kristina Banse und Hans Christian Schmidt-Banse zu einer Antwort: „Gibt es eigentlich lustige Musik? Ich kenne keine!“ Diese Erkenntnis zeugt von der stets erfolglos gebliebenen Suche nach Glück und nach Liebe des Komponisten. Sinnbildlich dafür heißt es in dem berühmten Lied „der Wanderer“: „Dort, wo du nicht bist, dort ist das Glück“.


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