Mehr Solidarität gefordert Mai-Kundgebung der Osnabrücker Gewerkschaften


Osnabrück. Am Dienstag haben Hunderte Osnabrücker gegen Ausgrenzung und für mehr gesellschaftliche Solidarität demonstriert. Aufgerufen zu der Kundgebung in der Innenstadt hatten am „Tag der Arbeit“ zahlreiche Gewerkschaften.

Den Platz für die Kundgebung hatte der Osnabrücker Ableger des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) bewusst gelegt: Am 11. März 1933 besetzten Nationalsozialisten das Gewerkschaftshaus am Kollegienwall, heute erinnert eine Gedenktafel an den Überfall. 85 Jahre nach den Ereignissen betonte DGB-Stadtverbandsvorsitzende Nicole Verlage an Ort und Stelle die Wichtigkeit der Gewerkschaften: „Damals war die Zersplitterung der Gewerkschaften ein blutig zu zahlender Fehler. Lasst uns heute einig sein, organisiert euch“, rief sie den Teilnehmern der Kundgebung zu.

Lohnklau der Arbeitgeber verurteilt

Als Gastrednerin trat Grit Genster ans Mikrofon, bei der Gewerkschaft Verdi Leiterin des Bereichs Gesundheitspolitik. Genster forderte mehr betriebliche Mitbestimmung für Arbeitnehmer und verurteilte „den Lohnklau der Arbeitgeber“. Im vergangenen Jahr hätten Arbeitnehmer rund eine Milliarde unbezahlte Überstunden geleistet. Sie warnte davor, zugunsten der Arbeitgeber am Arbeitszeitgesetz zu schrauben. Dieses sei schließlich ein Schutzgesetz für Arbeitnehmer.

Kritik an der AfD

Verbesserungen forderte die Gewerkschafterin im Pflegebereich. „Die Bundesregierung muss die Bedingungen dafür schaffen, dass Fachkräfte gehalten und junge Leute gewonnen werden können“, sagte Genster. „Die Devise muss lauten: klotzen statt kleckern.“ Gleichzeitig betonte sie das „gute Ergebnis“ bei den Tarifverhandlungen für den Öffentlichen Dienst. Mit Kritik an der AfD sparte Genster nicht. Das Parteiprogramm der AfD sei ein Horrorkatalog für Beschäftigte, nur die Reichen würden sich über dessen Inhalt freuen.

Am „Tag der Arbeit“ nahmen Hunderte Osnabrücker an einer Mai-Kundgebung in der Innenstadt teil. Foto: Swaantje Hehmann

Nach der Kundgebung zogen die Teilnehmer – neben den Gewerkschaften unter anderem auch zahlreiche politische Jugendorganisationen – durch die Süsterstraße und den Wall zum Gewerkschaftshaus am August-Bebel-Platz. Trotz des schlechten Wetters kamen viele Osnabrücker der Einladung der Gewerkschaften zum Familienfest nach.


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