Vogelstimmenexkursion Die Suche nach dem frühen Vogel

Von Anke Herbers-Gehrs

Frühaufsteher auf Vogelsuche: Auf dem Gertrudenberg genießen die Teilnehmer das morgendliche Gezwitscher. Foto: Swaantje HehmannFrühaufsteher auf Vogelsuche: Auf dem Gertrudenberg genießen die Teilnehmer das morgendliche Gezwitscher. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Am Sonntag um 5.15 Uhr sollte es losgehen – morgens. Um diese Zeit erwartete der Vogelexperte Felix Rennak die Teilnehmer der Vogelexkursion am Bürgerpark. Ihm zur Seite stand Lisa Beerhuis, Bereichsleiterin der Lega S Jugendhilfe, die mit ihrer Umweltbildungsstätte Nackte Mühle die Führung organisierte.

Wer tatsächlich so früh aus dem Bett kam, wurde zunächst mit einer Fahrt durch das nächtliche Osnabrück unter einem fast vollen Mond belohnt, begleitet von Vogelgezwitscher. „Eine Stunde vor Sonnenaufgang ist die Gesangsaktivität am höchsten“, sagt Felix Rennak, der neben seinem Studium der Landschaftsentwicklung Vogelarten für Umweltverträglichkeitsprüfungen erfasst. Zu Beginn der Exkursion gab er eine kurze Einführung, die auch dazu diente, auf Nachzügler zu warten.

Schließlich waren 22 Teilnehmer versammelt – eigentlich sollte bei 15 Schluss sein. Alle Altersgruppen waren vertreten, von der FÖJlerin bis zur Rentnerin, einige kannten sich schon gut aus mit den Vogelstimmen, für andere war alles noch neu.

Der Bürgerpark mit seinem alten Baumbestand und offenen Flächen eigne sich laut den Veranstaltern ideal dazu, viele verschiedene Vögel kennenzulernen. Gleich zu Anfang meldete sich die einfachste Art, der Zilpzalp, mit seinem eintönigen Zilp-Zalp. Auch Ringeltauben hörte man gurren, später ließ sich die seltenere Hohltaube hören. „Sie kann nur Hu-hu, mehr macht die nicht“, sagt Rennak und gab Bestimmungsbücher mit Abbildungen der Vögel herum.

Zilpzalp und Taube

Zilpzalp und Taube waren einfach, aber dann sang irgendwo eine Mönchsgrasmücke, ein häufiger Brutvogel, der seinen Namen von dem schwarzen Köpfchen hat, das wie eine Mönchskappe aussieht. Diese Vögel brabbeln am Anfang knirschend vor sich hin, der ererbte Teil ihres Gesangs. Dann folgt ein variantenreiches Flöten, das sich immer weiter entwickelt, je älter und erfahrener die Vögel werden.

An den Schrebergärten vorbei ging es Richtung Sonnenaufgang, wobei die Morgensonne die blühenden Fliederhecken und die aufknospenden Kastanien dahinter zum Leuchten brachte. Hier nistet der Dompfaff, der häufig von Baumwipfel zu Baumwipfel fliegt, um sein Revier abzugrenzen. Er war mit den mitgebrachten Ferngläsern gut zu beobachten und hätte auch eine leichte Beute für den Falken abgegeben, der in der Nähe lauerte.

Ob es am Falken lag oder am fortgeschrittenen Morgen, es wurde ruhiger. „Um Sonnenaufgang ist eine gute Zeit, Vögel zu beobachten, die Futter suchen“, sagt Rennak. Auf dem Rückweg im Wald zeigte sich dann auch der Gartenbaumläufer, der auf seiner Suche nach Insektenlarven die Baumstämme hochläuft. Beim Lauschen auf den Ruf kapitulierten allerdings die meisten, immerhin war es die 13. Art an diesem Morgen. „Wenn man drei bis fünf Arten pro Jahr am Gesang erkennen lernt, ist das schon toll“, machte Rennak bei der Abschlussrunde Mut. „Ich fand’s super, ich bin das erste Mal bei einer Vogelstimmenexkursion“, sagte eine Teilnehmerin zum Abschluss. „Ja, und dazu kommt der schöne Nebeneffekt des Tagwerdens – heute hatten wir echt Glück!“, kommentierte eine andere.