Umfrage an allen Grundschulen Osnabrücker Kreiselternrat: Inklusion überfordert Lehrer

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Der Kreiselternrat fordert Grundschulen mit Förderschwerpunkt Lernen in der Region. Die Vorsitzende Bärbel Bosse hat „den Eindruck, dass Lehrer mit der Inklusion überfordert sind. Um das zu belegen, sollen alle Eltern von Grundschülern und alle Lehrer an Grundschulen bis zum 9. Mai anonym eine Umfrage ausfüllen. Symbolfoto: dpaDer Kreiselternrat fordert Grundschulen mit Förderschwerpunkt Lernen in der Region. Die Vorsitzende Bärbel Bosse hat „den Eindruck, dass Lehrer mit der Inklusion überfordert sind. Um das zu belegen, sollen alle Eltern von Grundschülern und alle Lehrer an Grundschulen bis zum 9. Mai anonym eine Umfrage ausfüllen. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Der Kreiselternrat fordert Grundschulen mit Förderschwerpunkt Lernen in der Region Osnabrück. Die Vorsitzende des Kreiselternrats, Bärbel Bosse, hat „den Eindruck, dass Lehrer mit dem aufgezwungenen System der Inklusion überfordert sind“. Um das zu belegen, sollen alle Eltern von Grundschülern und alle Lehrer an Grundschulen bis zum 9. Mai anonym eine Umfrage ausfüllen, die den aktuellen Stand der Inklusion widerspiegelt.

„Diese Umfrageergebnisse wollen wir dem niedersächsischen Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) bei seinem Besuch am 11. Juni im Kreishaus persönlich übergeben“, erläutert Bosse. In dem Anschreiben zur Umfrage fragt der Kreiselternrat die Lehrer und Eltern, ob die inklusive Grundschule „bereits zur glattlaufenden Routine geworden ist“, ob es besonders positive Erfahrungen gebe oder ob in der täglichen Praxis noch Defizite und Verbesserungsbedarf deutlich werden: „Wie beurteilen Sie die Situation der Schüler in Ihren Klassen – mit und ohne sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf – und für sich selbst als Lehrkraft?“ Der Kreiselternrat möchte in Kooperation mit dem Stadtelternrat auf einer möglichst breiten Datenbasis zu belastbaren Aussagen kommen. So werden Eltern und Lehrer in der Umfrage um Einschätzungen auf Aussagen wie diese gebeten: „Die Lehrkräfte unserer Klasse sind ausreichend auf die Aufgabe Inklusion vorbereitet“ oder „Förderlehrer und Kinder mit Förderbedarf verlassen zum Lernen den Klassenraum“ und „Alles in Allem: An unserer Schule läuft Inklusion gut.“

(Den Eltern-Fragebogen finden Sie hier, die Umfrage für die Lehrer an dieser Stelle.)

Deutlich zu wenige Förderstunden

Die Kreiselternratsvorsitzende hat in Gesprächen mit Eltern und Lehrern die Erfahrung gemacht, dass es deutlich zu wenig Förderschullehrer gibt. Bosse hält die Stundenanzahl für deutlich zu gering, denn Grundschulen stehen nur zwei Förderschullehrerstunden pro Woche und Klasse zu. Bosse berichtet zudem von Fällen, wonach diese Stunden dann auch noch genutzt wurden, um die allgemeine Unterrichtsversorgung überhaupt gewährleisten zu können und nicht zusätzlich erteilt werden. An der Grundschule Bad Laer haben etwa neun Prozent der Schüler einen besonderen Förderbedarf, an der Grundschule Dissen haben sogar mehr als zehn Prozent der Kinder sonderpädagogischen Förderbedarf. Bosse ist der Auffassung, dass die Schüler mit Förderbedarf unter diesen Bedingungen nicht ausreichend gefördert werden können, um Defizite aufzuarbeiten. Erstklässler mit Förderbedarf müssen im Zuge der im Schulgesetz verankerten Inklusion seit 2013 an Regelschulen unterrichtet werden.

Landkreis Osnabrück will fünf Förderschulen erhalten

Nach der vor wenigen Monaten im Landtag beschlossenen Novelle des Schulgesetzes können Förderschulen in Niedersachsen länger erhalten bleiben als geplant. Demnach können Kommunen als Schulträger beantragen, dass Förderschulen noch bis zum Beginn des Schuljahres 2022/23 Schüler der Klasse 5 aufnehmen zu dürfen. Zum laufenden Schuljahr hatten die Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen bereits keine Schüler mehr in der fünften Klasse aufgenommen, denn nach der ursprünglichen Planung sollten die Förschulen Lernen bis zum Jahr 2022 sukzessive auslaufen. Für eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen werden mindestens 13 Schüler je Klasse in den Klassenstufen 5 bis 9 und 10 in der 10. Klasse benötigt. Der Landkreis als Schulträger der Förderschulen wird die Fortführung der fünf bestehenden Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen zum August zu beantragen, wenn an diesen Schulen ausreichend Schüler vorhanden sind. Zudem will der Landkreis ein Inklusionskonzept erarbeiten. Bislang sieht das neue Schulgesetz keine Lösung für die aus Sicht des Kreiselternrats nicht zufriedenstellende Situation der Förderschüler an Grundschulen vor. Mit einem aussagekräftigen Umfrageergebnis hofft der Kreiselternrat den Kultusminister dazu zu bewegen, künftig auch die Situation der Förderschüler an den Grundschulen zu verbessern.


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