500 Fans beim Stock-Rock-Festival Laute Bässe, große Kaliber, kollektives Ausrasten

Von Alexander Heim


Hagen. Es war erneut das Wochenende, das die Herzen der Hard-Rock- und Metal-Fans höher schlagen ließ. An gleich zwei Abenden wurde Hagen erneut zum Zentrum der singenden Gitarren und lauten Bässe. Neben dem Auftritt von Zeke am Samstag fieberten die Fans am Freitagabend vor allem einem entgegen: Erik Cohen.

Auf ihn allerdings mussten sich die 250 Besucher im Saal der Gaststätte Stock erst einmal eine Weile gedulden. Denn bevor der Kieler auf unnachahmliche Art einen Querschnitt seiner bekanntesten Songs präsentierte, standen zunächst Stock-Rock-Debütanten auf der Bühne des Saals von Charly Niehenke. Denn ob die Jungs von „Blue Pope“ aus Osnabrück, die Münsteraner Band „Enojado“ oder „Boozed“ aus Bramsche – für sie alle war der Auftritt beim Stock-Rock-Festival im historischen Gemäuer aus dem Jahre 1843 eine Premiere.

Rund 45 Minuten heizten da am Freitag zunächst „Blue Pope“ mit Songs wie „Heat“ oder „Sinner“ dem Publikum ein, und die Stimmung begann schon zu kochen. Die 100 ersten Gäste hatten da bereits den Weg an den Jägerberg gefunden. „Der Freitag war oft eher regionaler besetzt“, erläuterte Benjamin Frommeyer, Vorsitzender des organisierenden Vereins „Stockrock e.V.“. „Diesmal sind Freitag wie Samstag große Kaliber“, freute sich der 38-Jährige. Was das besondere Flair des Festivals ausmacht? „Es ist ziemlich familiär. Man kennt sich. Viele Besucher kommen jedes Jahr wieder. Die Atmosphäre hier ist persönlicher, das merken die Leute.“ Und in der Tat: Selbst Gäste aus Hamburg oder Leverkusen zieht es zum Festival im Teuto.

Sie haben ihren Spaß, werfen einen Blick auf die Merchandising-Stände samt CD-Angeboten, genießen es, wenn „Enojado“ – wie sie es im Namen tragen – ihre Wut musikalisch und laut rauslassen. Wenn sie etwa vom „Coma“, dem „Ghost“ oder dem „Mammut“ singen. Ein Stück weit anders präsentieren sich anschließend die in mehrfacher Hinsicht spielfreudigen Bandmitglieder von „Boozed“. Bei ihnen gehört die eindrucksvolle Show samt Power-Sängern zum Programm. Auch sie singen auf Englisch. „Ain’t my City“, etwa. Oder „You gotto go again“. Bis 23.30 Uhr bringen sie – eine Stunde lang – ihre PS und die der Instrumente auf die Straße. Rock at its best.

Dann endlich kommt der, auf den alle so lange gewartet haben: Erik Cohen. Wie ein Tiger läuft er auf der Bühne auf und ab, bis er sich ganz an deren Rand stellt und fast ins Publikum zu springen droht. Bei „Fährwolf“, „Fehmarn“ und „Kapitän“ hängen sie ihm sofort an den Lippen. Inzwischen ist der Saal längst voll. Und 250 Kehlen singen seine deutschsprachigen Texte lauthals mit. Der Rest des Abends gehört dem Kieler, der seit 20 Jahren auf den Bühnen unterwegs ist und bereits im Herbst wieder in Osnabrück auftreten wird. „Musik ist nach wie vor meine Leidenschaft“, erklärt er. „Ohne das geht’s auch nicht“. Ohne seine Band um Jan Späth (Gitarre), Nils Krüger (Schlagzeug) und Björn Seitz (Bass) auch nicht.

Am Samstag machen N.O.E den Anfang. Mit Kai Mindrup spielt hier einer aus dem Orga-Team des Festivals in einer der Formationen. Der Bassist ist das jüngste Mitglied der Band. Und auch für „Night on Earth“ ist es der erste Auftritt beim Festival. Die Einflüsse der 90-er Jahre werden bei ihren Songs und Riffs deutlich spürbar. „Rocketchief“ und „Space Chaser“ werden den Lokalmatadoren aus Osnabrück folgen, ehe Zeke spät am Abend die Bühne betritt.

Als sie ihre Hits starten, läuft das Publikum zur Hochform auf. Wie er die Stimmung einschätzt? „Ganz hervorragend“, kommentiert Philipp Rethmann vom Verein „Stockrock e.V.“. Und ergänzt: „Supergeil! Das war kollektives Ausgeraste! Eine ausgelassene Feierstunde.“ Bis weit nach Mitternacht standen Zeke für die Fans auf der Bühne. Das Stock-Rock-Festival hat wieder einmal alle Erwartungen erfüllt. Für die After-Show-Partys sorgten übrigens Tiki of Doom (Freitag) sowie Danger! Danger!

Nach dem Festival ist bekanntlich vor dem Festival. Schließlich wirft mit der 15. Auflage ein großes Ereignis seine Schatten voraus. Gibt es schon Pläne? „Ideen“, verrät Benjamin Frommeyer. „Nächste Woche werden wir loslegen. Natürlich gibt es Wunschbands. Wir möchten versuchen, eine Art „Best-of“-Programm auf die Beine zu stellen.“ Auf 2019 darf man in Hagen also gespannt sein.