Alles kommt in eine Tonne Bei der Bahn in Osnabrück werden Abfälle nicht mehr getrennt

Von Rainer Lahmann-Lammert

Drei Einwurfschlitze, auf die es jetzt nicht mehr ankommt: Abfallbehälter am Hauptbahnhof Osnabrück Foto: Jörn MartensDrei Einwurfschlitze, auf die es jetzt nicht mehr ankommt: Abfallbehälter am Hauptbahnhof Osnabrück Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Restmüll, Papier, Verpackungsmüll – das war einmal. Am Hauptbahnhof ist die Beschriftung der Abfallbehälter verschwunden und nun kommt alles in eine Tonne. Sortiert wird hinterher, heißt es bei der Bahn. Aber was genau mit dem Müll geschieht, will sie nicht verraten.

Drei Einwurfschlitze haben die Edelstahlbehälter am Osnabrücker Hauptbahnhof seit Jahren, aber viele Kunden scheren sich nicht darum, dass volle Windeln oder leere Plastikflaschen in verschiedene Fächer gehören. „Ein bundesweites Problem“, sagt Egbert Meyer-Lovis, der Pressesprecher der Deutschen Bahn AG. Aber während die meisten Bahnhöfe in Deutschland weiterhin die Mülltrennung zelebrieren, versucht man es in Osnabrück gar nicht mehr.

Fremdstoffe im Müll

Die Deutsche Bahn erreiche eine Recyclingquote von 98 Prozent, versichert Meyer-Lovis. Den größten Anteil daran hätten Bauabfälle. Weil ihre Kunden aber häufig nicht mitspielten und zum Beispiel die Verpackungen für das Duale System Deutschland mit allerlei Fremdstoffen anreicherten, müsse die Bahn immer wieder ganze Chargen als Hausmüll entsorgen. Das sei teuer und stelle die Dreiteilung der Abfälle generell infrage.

Um künftig auch die Abfälle aus den Bahnhöfen und Zügen (Fachleute sprechen von Siedlungsabfällen) besser trennen und verwerten zu können, habe die Bahn in ausgewählten Bahnhöfen wie Osnabrück einen Pilotversuch gestartet, berichtet der Pressesprecher. Dabei arbeite man mit externen Unternehmen zusammen. Auf Nachfrage war zu erfahren, dass die Abfälle aus dem Osnabrücker Bahnhof jetzt in Georgsmarienhütte landen, wo das Entsorgungsunternehmen Tönsmeier eine Sortieranlage betreibt.

Kein Termin an der Sortieranlage

Unsere Redaktion hätte gern erfahren, wie der zusammengewürfelte Bahnmüll dort separiert wird. Tönsmeier gilt in Fachkreisen als gute Adresse, und das Unternehmen war auch bereit, einen Ortstermin an der Sortieranlage zu arrangieren. Doch dann kam die Absage von DB-Sprecher Meyer-Lovis, weil aus dem Management der Bahn Vorbehalte gekommen waren. Ende des Jahres, so lautet die Begründung, sei eine Auswertung des Modellversuchs geplant. Danach werde über das weitere Vorgehen in der Müllfrage entschieden – nicht nur in Osnabrück, sondern auch an anderen Bahnhöfen.