Premiere „Der Hauptmann von O.“ Flüchtlinge zeigen in Osnabrück eine „Köpenickiade“

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„Der Hauptmann von O.“ hat Premiere im Limberg-Theater gefeiert. Hier begeht ein Hauptmann mit seiner gelangweilten Truppe den Sedantag. Foto: Uwe Lewandowski„Der Hauptmann von O.“ hat Premiere im Limberg-Theater gefeiert. Hier begeht ein Hauptmann mit seiner gelangweilten Truppe den Sedantag. Foto: Uwe Lewandowski

Osnabrück. Am Freitag hat „Der Hauptmann von O.“ im Limberg-Theater Premiere gefeiert. Das Theater Osnabrück hat das Stück nach der wahren Geschichte des „Hauptmanns von Köpenick“ mit zehn Flüchtlingen entwickelt, die ihre eigenen Erfahrungen mit Behörden einfließen lassen.

Es ist ein wahrer Teufelskreis. Ohne Aufenthaltsgenehmigung gibt es keine Arbeit, ohne Arbeit keine Aufenthaltsgenehmigung. In dieser Zwickmühle steckte Anfang des 20. Jahrhunderts der Schuhmacher Wilhelm Voigt, als er sich im Großraum Berlin ansiedeln wollte. Schließlich besetzte er in einer gekauften Uniform das Rathaus in Köpenick, wo er den Bürgermeister verhaftete und sich die Stadtkasse aneignete.

Carl Zuckmayer hat aus diesem Ereignis Jahre später seine berühmte Komödie „Der Hauptmann von Köpenick“ gemacht. Für sein Projekt „Der Hauptmann von O. – Eine Köpenickiade“ hat das Theater Osnabrück aber auf die wahre Begebenheit zurückgegriffen. Mit zehn Flüchtlingen haben Regisseur Jakob Fedler sowie die Dramaturgen Sven Kleine und Marie Senf daraus ein eigenes Stück erarbeitet, in dem es um die Erfahrung mit Behörden und Obrigkeiten in Deutschland und den Herkunftsländern der syrischen, kurdischen und afghanischen Darsteller geht. Das Stück, das im Limberg-Theater aufgeführt wird, hatte am Freitag Premiere.

Dabke wird mit Schuhplatter gemischt

Was diese „Köpenickiade“ mit Zuckmayers Stück gemeinsam hat, ist der Humor. Der Zusammenstoß mit den Obrigkeiten und Behörden wird clownesk dargestellt. Da marschieren und exerzieren alle in Uniformen gekleidet hinter einem Hauptmann mit Pickelhaube hinterher, schlafen aber nacheinander ein, während der wortreich den für das Deutsche Kaiserreich siegreichen Sedantag feiert.

Die Köpenickiade ist der rote Faden, an dem entlang das Stück erzählt wird. Dazwischen brechen die Darsteller aus ihren Rollen aus und erzählen von ihren Erfahrungen. So berichtet Ahmad Kiki, der einzige Profischauspieler auf der Bühne, wie er gegen Assad demonstrierte und dafür ins Gefängnis kam.

Die Kulturen werden hier munter gemischt. Da geht der orientalische Reihentanz Dabke in den Schuhplattler über. Gesungen werden außerdem sowohl Lieder aus den Herkunftsländern als auch Zarah Leanders „Nur nicht aus Liebe weinen“, was hier im übertragenen Sinne verstanden werden kann, sich von Schwierigkeiten nicht unterkriegen zu lassen.

Erstaunlich gut gelaunt

Jakob Fedler hat aus den eigentlich schweren Themen ein erstaunlich gut gelauntes Stück gemacht. Dazu trägt auch bei, dass die Darsteller in immer neue Rollen schlüpfen. Da kommt einer als garstige alte Frau auf die Bühne, die auf „Ausländer“ schimpft. Oder es treten ein paar Darsteller im Tutu auf. Auch die Rolle des Hauptmanns wird immer wieder gewechselt.

Mit welcher Behörde in welchem Land es die Flüchtlinge auf der Bühne zu tun haben, wird nicht immer klar. Das ist auch nicht nötig. Denn manche Erfahrungen sind universell. Auch die Fotos, die Dorien Thomsen für ihr Bühnenbild verwendet, sind nicht klar zuzuordnen. Das Schwarz-Weiß-Bild einer kriegszerstörten Stadt, das unter anderem dazu gehört, könnte genauso heute in Syrien wie auch nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland aufgenommen worden sein.

„Der Hauptmann von O.“ ist damit als Aufforderung zu verstehen, die Flüchtlinge nicht als die anderen, die Fremden, zu sehen. Es gibt schließlich Erfahrungen und Ereignisse, die uns alle einen.


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