Reise in die Vergangenheit Lyambiko überrascht mit starkem Flügelhornspieler in der Lagerhalle

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Jazz zum Wohlfühlen spielte die afrodeutsche Sängerin Lyambiko mit ihrer Band in der Lagerhalle. Foto: Thomas OsterfeldJazz zum Wohlfühlen spielte die afrodeutsche Sängerin Lyambiko mit ihrer Band in der Lagerhalle. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Sängerin Lyambiko gastierte mal wieder in der Lagerhalle. Diesmal präsentierte sie mit ihrer Band das aktuelle Album „Love Letters“.

Robin Draganic sitzt auf der Bühnenkante im Saal der Lagerhalle und erzählt, dass seine Schwiegermutter in Osnabrück studiert habe. So bringt er ein wenig Lokalkolorit in ein Konzert, das von dem charakterisiert ist, was er als „Wohlfühlfaktor im Jazz“ bezeichnet. Sängerin Lyambiko, in deren Band Draganic Bass spielt, mag es überwiegend entspannt und ruhig swingend.

Liebesbriefe vom Dachboden

Seit Jahren ist Sandy Müller, so der Geburtsname der afrodeutschen Sängerin, in der Lagerhalle zu Gast. Immer, wenn sie ein neues Album aufgenommen hat. Jetzt hat sie „Love Letters“ im Gepäck. Die Geschichte zu den Songs, die sie darauf verewigt hat, geht so: „Auf dem Dachboden meiner Schwiegereltern in der Schweiz habe ich die Liebesbriefe gefunden, die der Opa meines Mannes seiner Angebeteten geschrieben hat.“ Diese Love Letters haben sie dazu inspiriert, auf die Suche nach Songs zu gehen, die zu den Geschichten passen, die sie dort gelesen hat.

Lyambikos Band hat Zuwachs bekommen: Martin Auer, ein großartiger Trompeter und Flügelhornspieler, bringt neuen Schwung in die Musik der Band. Mal setzt er rhythmische Akzente, dann reichert er die Songs mit filigranen Soli an. Außerdem hat die Sängerin den Schlagzeuger ausgetauscht. Für ihren langjährigen Weggefährten Heinrich Köbberling nimmt jetzt Tilman Person hinter den Trommeln Platz. Ob mit den Sticks getrommelt, mit den Besen gefegt, mit den Händen generiert oder gar mit dem Mund als Beatbox, das Rhythmusfundament passt sich gefühlvoll an den Sound an, den Pianist Marque Lowenthal und Bassmann Draganic erzeugen.

Swing, Reggae und Walzer

Gleich zu Beginn zeigen die einzelnen Musiker mit versierten Soli, dass sie nicht nur eine Begleitband sind. Aber natürlich würde dieses Quartett nicht so intensiv daherkommen, wenn da nicht diese Frontfrau mit ihrer variablen Stimme wäre. In den oberen Stimmlagen singt Lyambiko sinnlich-lieblich, in den unteren betörend und es schnarrt ein wenig, wenn sie zupackend deklamiert. Stücke von George Gershwin oder Frank Churchill stehen ebenso auf dem Programm wie Kompositionen von Draganic und Lowenthal.

Mal swingt es, mal spürt man eine Reggae-Anmutung, mal verfällt die Band in einen flotten Walzerduktus. In „Restless“ wechseln die Rhythmen rasant und der Klassiker „Besame Mucho“ bekommt einen sehr eigenen Stempel aufgedrückt.

Wenn Lyambiko und ihre „Herren“ noch ein wenig das musikalische Korsett gelockert hätten, so wie die Band es in den Anfangstagen noch gemacht hat, es wäre ein aufregender Abend geworden.


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