Ein Artikel der Redaktion Neue Osnabrücker ZeitungLogo Neue Osnabrücker Zeitung

1200 Aktive in der Innenstadt Gelungen: Deutscher Musikschultag in Osnabrück

Von Jan Kampmeier | 18.06.2012, 07:00 Uhr

Aus allen Ecken ertönt Musik, den ganzen Tag lang. Zumindest fast, denn zum Deutschen Musikschultag hat die Musik- und Kunstschule an sieben Orten der Innenstadt Bühnen eingerichtet. Weitere Zahlen: 1200 Aktive sollen an diesem Tag musizieren, das Programm listet insgesamt 45 Veranstaltungen.

Für die Organisatoren bedeutete das eine anspruchsvolle Koordination, denn einige Mitwirkende spielten in mehr als einer Formation, deren Auftritte sich nicht überschneiden durften. Auch die Teilnehmer mussten vollen Einsatz zeigen, denn natürlich konnte der Zeitplan nicht immer strikt eingehalten werden. So sah man immer wieder junge, aber auch ältere Musiker mit ihren Instrumentenkoffern durch die Innenstadt hasten. Auch das Wetter stellte besondere Anforderungen. Obwohl zwischendurch höchstens einige wenige Tropfen fielen, sorgte der Wind für Wirbel. Besonders die Bühne vor L+T erwies sich als äußerst zugig. Wäscheklammern wurden verteilt, um die Notenblätter festzuhalten, doch da man ja hin und wieder umblättern muss, flog dennoch die ein oder andere Note davon. Die Aktiven trotzten den Umständen und spielten für ein dankbares Publikum.

Das Programm hätte abwechslungsreicher kaum sein können: Vom Solovortrag bis hin zu Besetzungen, die selbst auf der großen Bühne vorm Dom kaum Platz fanden, von klassischen Werken über Jazz und Filmmusik bis hin zu rockigen Klängen war alles dabei.

Auf einer kleineren Bühne am Heger Tor etwa spielte das zum Quartett geschrumpfte Saxofonquintett der Musik- und Kunstschule unter der Leitung von Katharina Betten den Tanz der Zuckerfee aus Peter Tschaikowskis Ballett „Der Nussknacker“ oder Hits wie „Mamma mia“ von Abba. Das komplett weiblich besetzte Ensemble zeigte dabei schon ein deutlich fortgeschrittenes Niveau. Aus fünf Mädchen besteht auch die Band „MädChic“, die schon seit zwei Jahren zusammen probt und auftritt. Neben bekannten Nummern wie „With or Without You“ von U2 spielte MädChic auch eigene Kompositionen wie den Titel „Dance with me“. Wie sie denn ihre Songs schreiben, wollte Moderatorin Carolin Herkendell wissen. Antwort: „Es kommt einfach so!“

Auf dem Domplatz spielte unterdessen das sinfonische Blasorchester der Angelaschule unter der Leitung von Ekkehard Sauer in deutlich größerer Besetzung Medleys aus Leonard Bernsteins „West Side Story“, aus „James Bond“ oder mit Musik von Stevie Wonder. Jazzig wurde es beim Auftritt der hauptsächlich mit Blechblasinstrumenten und Saxofonen besetzten Big Band Blechreiz, die unter der Leitung von Uwe Nolopp Duke Ellingtons „It Don’t Mean a Thing“, daneben aber auch Filmmusik etwa aus „Shaft“ aufführte.

Auf dem Domplatz gab es jedoch nicht nur Musik, hier hatten auch zahlreiche Stiftungen ihre Infostände aufgeschlagen, denn der „Osnabrücker Stiftungstag“ fand zeitgleich und teilweise in Kooperation statt. So wurde etwa das Orchester der Angelaschule von der Bohnenkamp-Stiftung und der Werner-Egerland-Stiftung gefördert, während die Bläserphilharmonie Osnabrück von der Kulturstiftung Jeanne d’Art unterstützt wird. Beide Orchester gehören auch nicht direkt der Musik- und Kunstschule an, kooperieren jedoch mit ihr.

In den Umbaupausen wurden auf der Bühne am Dom außerdem Projekte wie „Bienen in der Wüste“ vorgestellt. Es handelt sich um eine richtige Schülerfirma, die Honig herstellt. Ein zentrales Event sollte auf dem Rathausplatz stattfinden: Alle Teilnehmenden waren eingeladen, gemeinsam den Song „Don’t Let the Sun Go Down on Me“ von Elton John aufzuführen. Die Einzige gemeinsame Probe fand kurz vor dem Auftritt ebenfalls auf dem Rathausplatz statt. „Schlagzeug und Keyboard nach vorne, dahinter Streicher, dahinter die Bläser in gewohnter Ordnung.“ Dirigent Leonardo Grani hatte Grundsätzliches zu klären. „Zur Info: Wir stimmen auf 442 Hz.“

Doch dann ging die Probe schnell: Die Bearbeitung war so gesetzt, dass alle sofort mitspielen konnten. Wie viele Musiker tatsächlich dabei waren, ist schwer zu sagen, denn man konnte sie im dunklen Bereich unter der Stadtbibliothek von außen kaum erkennen. Mit Rock und Pop sollte der Tag auch ausklingen: Bands der Musik- und Kunstschule und Partner bespielten eine Bühne an der Katharinenkirche.