Choräle Lisa Hummel spielt Orgelkonzert im Osnabrücker Dom

Von Jan Kampmeier

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Choräle für die Orgel spielte Lisa Hummel im Osnabrücker Dom. Foto: Thomas OsterfeldChoräle für die Orgel spielte Lisa Hummel im Osnabrücker Dom. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Lisa Hummel spielte am Mittwoch im Orgelkonzert großformatige Werke von César Franck, Johann Sebastian Bach und Franz Liszt.

Drei Choräle hat Lisa Hummel zur dritten Orgelmusik im Dom mitgebracht, aber nur ein Kirchenlied. Lediglich Bach greift mit „Sei gegrüßet, Jesu gütig“ auf eine sakrale Vorlage zurück, dagegen hat César Franck seinen Choral als Thema eines geichnamigen Orgelwerks selbst komponiert, und Franz Liszt bezieht sich auf den Choral aus einer Oper des Kollegen Meyerbeer zurück.

Mit Franck geht es los, und obwohl der dritte seiner Choräle in a-moll steht, ist es insgesamt ein recht freundliches Werk, über weite Strecken sanft und lyrisch Hummel gestaltet die Übergänge fließend, schattet den Klang immer wieder sorgsam ab mit dem Schwellwerk und kleinen Änderungen in der Registrierung.

Schwungvoll

Wie zu erwarten präsentiert die Organistin in Bachs Partita „Sei gegrüßet, Jesu gütig“ in jeder der elf Variationen eine andere Registrierung. Ihr Spiel ist immer wieder schwungvoll, sei es das verzierte Thema selbst wie in der ersten Variation oder eine Begleitfigur wie in Variation fünf, die dem ruhig darüber liegenden Thema Leichtigkeit verleiht. Für die sechste Variation wählt sie Flöten und artikuliert besonders transparent. Anschließend wandert das Thema ins Pedal, und erstmals wird der Klang kräftiger.

Besonders hübsch ist der Effekt in Variation neun, wo das Thema sehr dominant und fest mit einer markanten Zungenstimme im Tenor liegt, während Hummel in den Begleitstimmen immer wieder minimal verzögert.

„Sei gegrüßet, Jesu gütig“ ist die größte der Orgelpartiten Bachs, dennoch ist Franz Liszts Fantasie über „Ad nos, ad salutarem undam“ mit einer halben Stunde fast so lang wie die beiden Werke vorher zusammen genommen. Mit diesem Werk hält schließlich Dramatik Einzug.Natürlich hält das gewaltige Werk auch ganz andere Seiten bereit, es ist sogar sehr abwechslungsreich. Symphonisch hat Liszt seine Fantasie angelegt, ein wenig wie eine symphonische Dichtung für die Orgel. Viele Klangfarben werden gezeigt, Klänge wie aus der Ferne oder Flöte und Klarinette als besonders hübsche Soloregister.

Kein Dröhnen

Liszt wäre nicht Liszt, ließe er seinen Interpreten nicht auch wüst über die Tasten fegen, doch beiHummel klingt alles relativ locker. Obwohl es schon einige Stellen gäbe, die man ordentlich dröhnen lassen könnte, meidet die Organistin, wie schon bei Franck und Bach, die hohen, scharfen Register und die stärksten Mixturen und erschlägt ihre Zuhörer nicht. Richtig rauschen dürfen erst die allerletzten Takte.


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