Jubiläum des Arbeitgeberverbands Alt-Bundespräsident Gauck kommt nach Osnabrück

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Der Industrielle Arbeitgeberverband Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim feiert sein 100-jähriges Bestehen. Mit dabei: Ex-Bundespräsident Gauck. Foto: Michael GründelDer Industrielle Arbeitgeberverband Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim feiert sein 100-jähriges Bestehen. Mit dabei: Ex-Bundespräsident Gauck. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Der Industrielle Arbeitgeberverband Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim e.V. (IAV) wird 100 Jahre alt. Aus diesem Anlass spricht Alt-Bundespräsident Joachim Gauck bei der Jahreshauptversammlung des Verbands am Mittwoch, 2. Mai, zum Thema „Die Deutschen in Europa – was wir fürchten, was wir wollen, was wir können“.

Der IAV vertritt mehr als 300 Industrieunternehmen und industrienahe Dienstleister in der Region mit insgesamt rund 86.000 Arbeitnehmern – vom Familienbetrieb bis zum international tätigen Großunternehmen. Schwerpunkte der Verbandstätigkeit liegen in der Beratung und Vertretung im Arbeits- und Sozialrecht und in der Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Der Verband steht beispielsweise über Arbeitskreise im Dialog mit der Politik, mit Bildungseinrichtungen und den Gewerkschaften und tritt als „Stimme der Industrie“ in der Region auf.

Gründung nach Weltkriegsende

Die Gründung vor 100 Jahren war kein Zufall. Im November 1918 ging mit dem Waffenstillstand der Erste Weltkrieg zu Ende. Der Kaiser hatte abgedankt, Deutschland war in Aufruhr. Arbeiter- und Soldatenräte forderten gemeinsam mit den Gewerkschaften eine Sozialisierung des Eigentums und größeren Einfluss auf das Wirtschaftsleben. Die Angst vor Enteignung veranlasste führende deutsche Unternehmer, den Gewerkschaften weitreichende Zugeständnisse zu machen.

Mit dem am 15. November 1918 unterzeichneten Stinnes-Legien-Abkommen, benannt nach den beiden Verhandlungsführern Hugo Stinnes von der Arbeitgeberseite und Gewerkschafter Carl Legien, erkannten die Unternehmer erstmals die Gewerkschaften als legitime Vertretung der Arbeiterschaft und als gleichberechtigte Tarifpartner an. Im Gegenzug schlossen die Gewerkschaften ihren Frieden mit dem freien Unternehmertum.

Anfangs 36 Unternehmen

Die von der politischen Linken geforderte Vergesellschaftung der Produktionsmittel nach sowjetischem Vorbild war damit abgewendet. Den organisatorischen Rahmen zukünftiger Kooperation sollte die aus Unternehmern und Gewerkschaftsvertretern paritätisch besetzte Zentralarbeitsgemeinschaft bilden. Mit ihr war der Grundstein für Sozialpartnerschaft und Tarifautonomie auf Reichsebene gelegt. Gleichzeitig war damit den einzelnen Betrieben die Regelung der Arbeitsbedingungen entzogen. Um dennoch ihre Interessen zu wahren, gründeten sie in den Regionen Arbeitgeberverbände. So auch in Osnabrück, wo Ende des Jahres 1918 der Verband industrieller Arbeitgeber mit 36 Unternehmen und etwa 13.000 dort Beschäftigten begann.

Zehn Jahre später kam es wegen der Bedeutung der Metalltarifverhandlungen 1928 zur Gründung eines eigenen Arbeitgeberverbandes der Metallindustrie für den Bezirk Osnabrück. So kann man nun im „Haus der Industrie“ an der Bohmter Straße ein Doppeljubiläum feiern: In diesem Jahr begeht die durch gemeinsame Geschäftsführung verbundene Niedersachsen-Metall-Bezirksgruppe ihr 90-jähriges Bestehen.


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