Gewappnet für den Ernstfall Wie Osnabrück für Sicherheit auf der Maiwoche 2018 sorgt

Von Bastian Rabeneck

Bewehrtes Konzept: Die erstmals beim vergangenen Weihnachtsmarkt eingesetzten Stahlsperren am Domhof werden auch bei der Maiwoche 2018 für Sicherheit sorgen. Archivfoto: Michael GründelBewehrtes Konzept: Die erstmals beim vergangenen Weihnachtsmarkt eingesetzten Stahlsperren am Domhof werden auch bei der Maiwoche 2018 für Sicherheit sorgen. Archivfoto: Michael Gründel

Osnabrück. Damit die Besucher der Maiwoche 2018 unbesorgt feiern können, sorgt ein Arbeitskreis aus Polizei, Feuerwehr, Ordnungsamt, Stadtwerken und Verwaltung für die Sicherheit auf dem Stadtfest. Eine Aufgabe, die keinen Spielraum für Fehler zulässt. Die Gruppe entscheidet im Vorfeld, welche Zufahrtswege gesperrt werden müssen, und trifft sich während der Maiwoche täglich, um zeitnah auf Probleme zu reagieren.

Beim Osnabrücker Weihnachtsmarkt 2017 wurden sie erstmals eingesetzt: Die Stahlsperren am Domhof, die Autos und Lkw die Zufahrt aus Richtung Hase- und Lortzingstraße auf die Publikumsflächen verwehrten. Das Sicherheitskonzept hat die Vertreter der Stadt zufriedengestellt, sodass die 4,40 Meter breiten Barrieren an selber Stelle auch bei der Maiwoche 2018 zum Einsatz kommen werden. Nach Angaben des Herstellers sind die Konstruktionen in der Lage einen 7,5-Tonner mit einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern aufzuhalten.

Am Weihnachtsmarkt orientiert

„Für das diesjährige Sicherheitskonzept haben wir uns am Weihnachtsmarkt und der vergangenen Maiwoche orientiert“, erklärt Sandra Solf, Leiterin des Fachbereichs Bürger und Ordnung bei der Stadt Osnabrück. Die Stahlsperren gab es bei der Maiwoche 2017 allerdings noch nicht. Die wurden erst im Herbst im Hinblick auf den Weihnachtsmarkt angeschafft und haben sich bewährt. Zuvor wurden ausschließlich Betonklötze genutzt, um die Zufahrt zur Maiwoche zu erschweren – zum Leidwesen der Anwohner und des Lieferverkehrs, die sich Tag und Nacht mit den Barrikaden konfrontiert sahen. Die Stahlbarrieren hingegen können innerhalb von fünf Sekunden rauf- und runtergefahren werden. „So können wir zumindest außerhalb der Maiwochen-Öffnungszeiten den Verkehrsfluss gewährleisten“, sagt Solf. Ab mittags um 12 Uhr werden die Barrikaden also hochgefahren, abends ab 23 Uhr beziehungsweise 24 Uhr am Wochenende werden sie wieder abgesenkt. Eine weitere Änderung: Die Stahlbarrieren werden diesmal mit geräuschdämmenden Matten ausgelegt. Das Passieren der Konstruktion durch den Verkehr sei während des Weihnachtsmarktes unerwartet laut gewesen und habe die Anwohner gestört. Die Matten verschaffen nun Abhilfe.

„Die Schutzvorrichtungen sollen kein ungutes Gefühl beim Maiwochen-Publikum hinterlassen“, erklärt Solf. „Es ist aber eben unsere Aufgabe für den Ernstfall vorzusorgen.“ Sie geht allerdings nicht von einem erhöhten Anschlagsrisiko aus. Der Arbeitskreis bestehend aus Vertretern der Stadt, dem Ordnungsamt, der Polizei, der Feuerwehr und den Stadtwerken, hat alle Flächen der Maiwoche genau in Augenschein genommen und abgeschätzt, welche Maßnahmen getroffen werden müssen, um den jeweiligen Bereich bestmöglich abzusichern. „Der Domhof kann von mehreren Seiten angefahren werden, an dieser Stelle sehen wir das größte Risiko. Der Marktplatz hingegen ist auf natürliche Weise durch die Häuser ringsum geschützt, sodass dort zum Beispiel keine Stahlbarrieren, sondern nur gezielt eingesetzte Betonpoller für die Sicherheit sorgen“, erläutert Solf. Auf Details des Sicherheitskonzepts möchte die Leiterin nicht eingehen. Das würde schließlich den Sinn solch eines Konzeptes verfehlen. „Wir sind jedenfalls sicher, dass wir alles getan haben, um die Sicherheit zu gewährleisten“, sagt Solf. Allen Rettungskräften sei klar, dass die Maiwoche ansteht. Personell ist man dementsprechend in allen Bereichen darauf eingestellt.

Sandra Solf, Leiterin des Fachbereichs Bürger und Ordnung bei der Stadt Osnabrück, ist mit einem Arbeitskreis aus Polizei, Feuerwehr, Ordnungsamt und Stadtwerken für die Sicherheit auf der Maiwoche zuständig. Foto: David Ebener ***

Auch auf die kürzlich erfolgten Vorfälle in Münster und Toronto habe man unmittelbar reagiert. „Direkt nach dem Anschlag in Münster haben wir uns zusammengesetzt, um zu prüfen, ob wir wirklich alles bedacht haben“, sagt Solf. Der Arbeitskreis sei aber zu dem Schluss gekommen, dass alle Eventualitäten berücksichtigt wurden. Die Anspannung während der Maiwoche sei dennoch recht groß. Sandra Solf ist froh, wenn die elf Festtage überstanden sind, und alles wie geplant funktioniert hat. Allerdings ist nach der Maiwoche 2018 auch vor der Maiwoche 2019. An dem Sicherheitskonzept für dieses Jahr wird bereits seit August letzten Jahres gearbeitet. „Wir können uns nicht auf dem Erfolg eines Festes ausruhen. Es wird direkt analysiert, was gut geklappt hat und wo noch Verbesserungsbedarf herrscht, damit das Konzept für die nächste Veranstaltung optimiert werden kann.“ Während der Maiwoche trifft sich der Arbeitskreis zudem täglich, um zeitnah auf Probleme reagieren zu können. Hilfreich sind dabei die Berichte der Polizei. Durch die enge Zusammenarbeit sind die Sicherheitsbeauftragten auch kurzfristig in der Lage, das Konzept zu optimieren.

Rettungswege müssen frei bleiben

Und wie ist es um die Sicherheit an den übrigen Veranstaltungsflächen bestellt? Der Nikolaiort beispielsweise kann theoretisch über den Zufahrtsweg am Kamp erreicht werden. In diesem Bereich kommen die circa 600 Kilogramm schweren Betonklötze zum Einsatz, die mit geringer Geschwindigkeit umfahren werden können. Rund 70 Klötze erschwerten bei der Maiwoche 2017 den Zugang zu den Veranstaltungsflächen. „Wir müssen ebenfalls bedenken: Blockieren wir die Wege komplett, können auch die Rettungskräfte nicht schnell reagieren. Andersherum müssen die Menschen die Möglichkeit haben den Platz, ohne Probleme zu verlassen“, sagt Solf. In den vergangenen Jahren sei die Anfahrt für die Rettungskräfte bereits problematisch gewesen, da die ohnehin schmale Einfahrt von abgestellten Fahrrädern blockiert war. Im Ernstfall müssten diese zur Seite geschafft werden. Ein entsprechendes Schild wird in diesem Jahr die Besucher darauf hinweisen, ihre Drahtesel an anderer Stelle abzustellen.

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