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200 Ärzte bei Protestkundgebung Gesundheitsdienste fordern in Osnabrück bessere Bezahlung

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Osnabrück. Wegen der schlechten Bezahlung haben die öffentlichen Gesundheitsdienste massive Nachwuchsprobleme. Das machten der Leiter des Osnabrücker Gesundheitsdienstes, Dr. Gerhard Bojara, und die Bundesverbände der Ärzte (BVÖGD) sowie der Zahnärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes (BZÖG) bei einem Kongress am Donnerstagmorgen in Osnabrück deutlich.

Bojara, erklärte: „Wegen des Personalmangels können wir besondere Aufgaben wie 2015 etwa die Erstuntersuchungen von Flüchtlingen in der Erstaufnahme für Asylbewerber in Bramsche-Hesepe nicht mehr abdecken, wenn wir gleichzeitig unsere Routineaufgaben erledigen sollen.“

„Bei gleicher Qualifikation verdienen Ärzte im Krankenhaus mindestens 1000 Euro mehr“

Wenn Aufgaben wie die Flüchtlingskrise, eine schwere Grippewelle oder das Hantavirus zu bewältigen seien, dann müsse der Gesundheitsdienst seine eigentliche Arbeit, zu der etwa Trinkwasserkontrolle, Belehrungen zur Lebensmittelhygiene und nach dem Infektionsschutzgesetz, Nachuntersuchungen auf ansteckende Krankheiten oder Schuleingangsuntersuchungen gehören, liegen lassen. „Wegen des Personalmangels haben wir dafür einfach keine Ressourcen“, kritisierte Bojara, der vor seiner Aufgabe beim Gesundheitsdienst selbst zehn Jahre Facharzt für innere Medizin in einem Krankenhaus in Recklinghausen war. Er sagt: „Bei gleicher Qualifikation verdienen Ärzte im Krankenhaus mindestens 1000 Euro mehr als bei den öffentlichen Gesundheitsdiensten.“ Der Gesundheitsdienst in Stadt und Landkreis könne offene Stellen nicht mehr besetzen.

Keine Arztbewerbung auf Ausschreibungen

Auf Ausschreibungen würde sich teilweise nicht ein Arzt bewerben. Ähnlich wie in der Region Osnabrück sei die Situation bundesweit. Hinzu komme, dass Ärzte im öffentlichen Dienst zu Unrecht einen schlechten Ruf hätten: „Zum Teil haben wir unseren Vorgängern ein Beamtenimage zu verdanken - nach dem Motto: Die sitzen da nur rum und haben nichts zu tun. Das Gegenteil ist aber der Fall. Viele Aufgaben machen wir sogar unbezahlt nebenher in unserer Freizeit, eben weil soviel zu tun ist“, betonte Bojara. „Wir sind Dienstleister, machen Gesundheitsförderung und haben ein sehr umfangreiches Aufgabenspektrum. Honoriert wird das nicht“, kritisierte Bojara, der für Ärzte im öffentlichen Dienst eine Entlohnung auf Krankenhausniveau fordert. Noch schlimmer als in Osnabrück sei die Situation bei noch ländlicheren Gesundheitsämtern wie in Aurich oder Leer.

200 Ärzte bei Kundgebung in Osnabrück

Der Kongress des BVÖGD und des BZÖG, der noch bis Samstag in der Osnabrück-Halle stattfindet, steht unter dem Motto „Der Öffentliche Gesundheitsdienst - jetzt erst recht!“ Bei einer Kundgebung unter der Maxime „Wir arbeiten für Ihre Gesundheit - Aber nicht mehr lange!“ mit rund 200 Ärzten im öffentlichen Dienst vor der Osnabrück-Halle forderten die Verbände BVÖGD und BZÖG den gleichen Verdienst wie Krankenhausärzte.

„Der öffentliche Gesundheitsdienst blutet aus“

Die BVÖGD-Vorsitzende Dr. Ute Teichert kritisierte als Rednerin bei der Kundgebung: „Seit sieben Jahren treten wir bei den Tarifverhandlungen auf der Stelle. Der öffentliche Gesundheitsdienst blutet aus.“ Sie forderte auch, dass angehende Mediziner schon während des Studiums Kontakt zum öffentlichen Gesundheitswesen haben. Nur über den Verdienst und die stärkere Nachwuchswerbung schon im Studium könne das Problem gelöst werden. Das Personal bei den bundesweit 400 Gesundheitsämtern habe sich in den vergangenen 20 Jahren um etwa ein Drittel reduziert. Hinzu komme, dass eine Pensions- und Rentenwelle auf den öffentlichen Gesundheitsdienst zurolle. Weil Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst wie Verwaltungsbeamte nicht aber wie Ärzte entlohnt werden, sprach sie im Vergleich zu den Ärzten in Krankenhäusern von einem Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgesetz. Sie gab sich kämpferisch: „Das heute ist erst der Anfang. Unser Protest wird von Osnabrück, nach Berlin und von dort nach ganz Deutschland getragen.“ Es müsse vermittelt werden, was es heißt, wenn die öffentliche Hand „an unserer Gesundheit spart“.

Gesundheitsministerin: Öffentlicher Gesundheitsdienst ist unverzichtbar

Die niedersächsische Gesundheitsministerin, Carola Reimann, sagte als Schirmherrin des Kongresses: „Der öffentliche Gesundheitsdienst ist als wichtiger Akteur bei der Lösung gesamtgesellschaftlicher Herausforderungen unverzichtbar.“ Das Kongressmotto zeige, wie dynamisch der öffentliche Gesundheitsdienst Probleme wie den Fachkräftemangel im Gesundheitswesen anpacke.


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