Auftritt im Osnabrücker Theater Horst Evers über Schienenersatzverkehr und Radieschen von oben

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Markenzeichen rotes Hemd: Horst Evers liest im Mai in Osnabrück und Lingen. Foto: Anja LimbrunnerMarkenzeichen rotes Hemd: Horst Evers liest im Mai in Osnabrück und Lingen. Foto: Anja Limbrunner

Osnabrück. Am Dümmer See ist er aufgewachsen, in Berlin lebt er: Kabarettist Horst Evers. Anlässlich seines Auftritts im Osnabrücker Theater sprachen wir mit dem Freund des Absurden über Philosophie und die Tücken des Alltags.

Herr Evers, Ihr aktuelles Programm trägt den Titel: „Der Kategorische Imperativ ist keine Stellung beim Sex“. Sollte man eher Kant oder das Kamasutra kennen, wenn man sich Ihr Programm anschaut?

Vermutlich wäre es schon von Vorteil, wenn man etwas mit dem Kantschen Satz anfangen könnte. Beim Programm geht es aber eher um spannende Geschichten und darum, den Zuhörern Tipps für den Alltag zu geben.

Gibt es denn überhaupt noch Menschen, die sich mit etwas Philosophischem wie dem Kategorischen Imperativ auseinandersetzen?

An dem Abend werden meine Gäste zumindest ganz kurz damit konfrontiert. Im Allgemeinen geht der Satz im Moment allerdings eher unter.

Glauben Sie denn persönlich, dass es heute wichtig ist, moralische Grundsätze und Werte zu beachten.

Ja, das halte ich im Moment für durchaus wünschenswert. Allgemein wäre es schön, wenn die Leute alle miteinander etwas großzügiger und gelassener umgingen. Und da kann man sich durchaus mal an moralischen Grundsätzen orientieren.

Kommen wir zum Thema Geografie. Sie sind in Diepholz aufgewachsen. Haben Sie dadurch eine besondere Beziehung zu Osnabrück

Eigentlich bin ich ja zwischen Hüde und Lembruck am Dümmer See aufgewachsen. Und da war Osnabrück die nächste große Stadt. Wenn wir also in die „Stadt“ gefahren sind, dann war das Osnabrück. Daher kenne ich mich dort relativ gut aus und fühle mich sehr vertraut. Wenn Lembruch/Hüde mein Heimatdorf ist, dann ist Osnabrück meine Heimatstadt.

Nun leben Sie seit 1987 in Berlin. Meckern Sie, wie beispielsweise Benjamin von Stuckrad-Barre, auch so gerne über ihre Wahlheimatstadt?

Nein, gar nicht. Im Gegenteil, ich habe in der letzten Woche gerade mit einem Freund und einer Band ein Programm gegeben, eine Art Hommage an unsere Hauptstadt. Sehen Sie, ich mag Berlin sehr gerne. Diese Stadt hält einen wach. Es gibt immer irgendwelche Probleme und Schwierigkeiten. Manche leiden darunter, ich sehe das eher positiv. Es gibt Leute, die Angst haben, es könnte langweilig werden, weil alles perfekt ist. Diese Angst braucht man in Berlin nicht zu haben. So kann es beispielsweise nicht passieren, dass man morgens aufwacht und plötzlich ist der Flughafen fertig.

Was fällt Ihnen darüber hinaus auf?

Der Schienenersatzverkehr. An irgendeiner Stelle gibt es in Berlin immer Schienenersatzverkehr. Ein Freund von mir fährt dann absichtlich dahin, um einfach dabei zu sein. Oft hat er so eine unbestimmte Wut und Unzufriedenheit in sich und er weiß nicht, woher das kommt. Wenn er dann im Schienenersatzverkehr unterwegs ist, kennt er den Grund und weiß: Alles hat einen Sinn.

Meinen Sie nicht, dass sich das ein wenig absurd anhört?

Natürlich. Ich liebe Absurditäten. Sehen sie, einer der wichtigsten Faktoren in meinem Leben ist der Humor. Aber ich will auch immer alles verstehen, alles soll einen Sinn ergeben. Manchmal muss man dabei um drei Ecken herumdenken und akzeptieren, dass vieles recht absurd ist. Wenn man diese Absurdität akzeptiert, findet man einen Weg, wie man sich die Welt erklären kann.

Wo finden Sie denn Anregungen für die Geschichten, die Sie auf der Bühne erzählen?

Ich bin ja viel unterwegs. Da bin ich nicht wählerisch und nehme alles mit. Vor kurzem war ich in Gelsenkirchen und mir fiel eine Friedhofsgaststätte auf, die hieß „Radieschen von oben“. Dieser schöne Name lieferte mir einen Grund, mich mal eine Stunde in diese Gaststätte zu setzen und einfach zu gucken, was da so passiert.

Auf der Bühne erzählen Sie nicht nur Geschichten, bisweilen lesen Sie auch vor. Wird das in Osnabrück passieren?

Ja, ich habe immer Texte dabei, weil sie mir eine zusätzliche Ebene eröffnen. Vor 20 Jahren, als ich mit dem Kabarett angefangen habe, half es mir, Geschichten abzulesen, weil ich ein schüchterner Mensch bin. Mittlerweile könnte ich das auch alles auswendig. Aber in dem Moment, in dem ich mich in eine Geschichte hineinbegebe, die ich vorlese, erschaffe ich einen neuen Raum, in dem ich sprachlich viel genauer arbeite. Da kann man mehrere Ebenen gleichzeitig erschaffen und es ist toll, wie das Publikum da mitgeht. Das Vorlesen bereichert meine Möglichkeiten auf der Bühne.


Horst Evers: „Der Kategorische Imperativ ist keine Stellung beim Sex“. Donnerstag, 3. Mai, 20 Uhr, Theater Osnabrück.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN