Konzert im Blue Note Osnabrück Justin Kauflin – Virtuose und Traditionalist des Jazz

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Phänomen am Jazzklavier: Justin Kauflin. Foto: Philipp HülsmannPhänomen am Jazzklavier: Justin Kauflin. Foto: Philipp Hülsmann

Osnabrück. Justin Kauflin kann auf wichtige Mentoren verweisen. Doch vor allem besticht der Jazzpianist mit seinem Trio im Osnabrücker Blue Note durch seine verblüffende Virtuosität.

Wie kann der Mann Klavier spielen. Justin Kauflin spielt seine Zuhörerinnen und Zuhörer im Blue Note schwindelig mit seinen rasanten Läufen. Seine beidhändigen Akkorde sind dicht und druckvoll, und wenn er Akkorde im rollenden Tremolo flirren lässt, hat das eine Wucht, wie sie Oscar Peterson in seinen besten Tagen entfaltet hat: Das sind Klänge, die rollen wie meterhohe Wellen am Strand. Dieser junge Mann ist zweifelsohne eine Ausnahmeerscheinung im zeitgenössischen Jazz, wobei der Umstand, dass er mit elf Jahren erblindet ist, hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden muss. Um seine umwerfende Virtuosität und seine Musikerpersönlichkeit zu erklären, dürfte bedeutender sein, dass er in Clark Terry und Quincy Jones prominente und kompetente Mentoren gefunden hat.

Das Trio als Ensemble von Gleichberechtigten

Beim Branchentreff Jazzahead hat Kauflin vergangene Woche sein Heimatland Amerika vertreten. Jetzt ist er für ein Konzert in den Osnabrücker Jazzclub gekommen, begleitet von Corey Fonville an den Drums und Evan Gregor am E- und am Kontrabass. Wobei „begleitet“ nicht missverstanden werden darf: Kauflin versteht das Klaviertrio eindeutig als ein Ensemble gleichberechtigter Musiker und stellt sich damit in die Traditionslinie des Genres. So räumt er Gregor in vielen Nummern das erste Solo ein, darf Fonville seine unglaublich druckvolle, energiereiche Kunst ausgiebig entfalten. Und dann halt: Justin Kauflin mit seiner Virtuosität.

Er mischt in seinem Programm eigene Stücke mit Standards, wobei er den Begriff weit fasst. Er adaptiert Musik des amerikanischen Singer-Songwriters Sufjan Stevens oder von den Beatles „Strawberry Fields Forever“ – damit und mit anderen Standards bestreitet er die Hälfte des Abends und verortet sich gleichzeitig in der Traditionsabteilung des Jazz. Die Eigenkompositionen fügen sich aber ebenfalls da ein – allerdings darf man Kauflin auf keinen Fall auf die Rolle des Traditionalisten reduzieren. Dagegen spricht zum Beispiel eine Komposition wie „Country Fried“: Die Hommage an seine Heimat Virginia und an die gegrillten Leckereien dort kommt als Country-Song daher, aber so angeschrägt, dass er zur interessantesten Nummer im ersten Set wird. Und in seinen Soli lugt er schon immer wieder durch die Tür zum zeitgenössischen Jazz und belegt, dass er dazu durchaus etwas zu sagen hat.

Zeit für Themen

Egal aber ob Standards oder eigene Stücke: Kauflin und seine Band nehmen sich Zeit, die Themen ausführlich zu erkunden und musikalische Sichtweisen der Dinge zu formulieren. Damit stoßen die drei jungen Männer nicht unbedingt in die Speerspitze des zeitgenössischen Jazz vor. Aber sie bereiten dem Publikum im Blue Note ausgesprochene Freude, weil sie von Anfang an verblüffen mit der Klasse und der Virtuosität ihres Spiels. Im zweiten Teil erhöhen sie dazu noch das Energielevel, und so wird‘s dann ein entspannter und gleichzeitig begeisternder Abend für die Zuhörer. Was will man mehr.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN