Osnabrücker Schüler besuchen Betriebe Zukunftstag: Auslaufmodell oder sinnvolle Orientierung?

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Eine neue Perspektive: Wie hier bei der offiziellen „Girl`s Day“-Eröffnung im vergangenen Jahr in Berlin, sollen Mädchen und Jungen ihnen unbekannte Berufsfelder kennenlernen. Foto: Marc Beckmann / OstkreuzEine neue Perspektive: Wie hier bei der offiziellen „Girl`s Day“-Eröffnung im vergangenen Jahr in Berlin, sollen Mädchen und Jungen ihnen unbekannte Berufsfelder kennenlernen. Foto: Marc Beckmann / Ostkreuz

Osnabrück. Der Zukunftstag soll deutschlandweit Mädchen und Jungen ab der fünften Klasse einen Einstieg in die Berufswelt bieten, auch in Osnabrück wollen heute zahlreiche Schüler erste Erfahrungen sammeln. Die Betriebe gewähren einen Blick hinter die Kulissen, die Resonanz bei den Schulen ist aber teilweise verhalten. Von der ursprünglichen Idee eines separaten Tages für Mädchen und Jungen haben sich viele verabschiedet.

Die Stadtwerke erwarten 40 Schüler, um ihnen einen Einblick in die verschiedenen Berufe innerhalb des Unternehmens zu geben, erklärt Pressesprecher Marco Hörmeyer. Die Zahl der Anfragen sei dabei noch wesentlich höher gewesen. Es gehe darum, auf Berufsfelder hinzuweisen, „die weniger im Fokus stehen“, sagt Hörmeyer, auch mit Blick auf die Nachwuchsgewinnung. Eine Fachkraft im Bäderbereich sei zum Beispiel mehr als der klassiche Bademeister. Den Schülern werde die Bandbreite dieser Berufe vermittelt. Zwischen Mädchen- und Jungengruppen unterscheide der Betrieb nicht, die Schülergruppen seien gemischt.

Horizonterweiterung

Eine Entwicklung, die Jennifer Reker von der bundesweiten Koordinationsstelle des Mädchen-Zukunftstages in Bielefeld bedauert. „Bei uns ist es immer noch Girls`s Day und Boy`s Day“, betont sie. Grundsätzlich sei die Idee, Mädchen und Jungen zu zeigen, dass es mehr als die gängigen geschlechterspezifischen Berufsfelder gebe. Noch immer würden bundesweit 55% der Mädchen aus einem Pool von 10 Ausbildungsberufen schöpfen, auch über die Hälfte der männlichen Auszubildenden verteile sich auf 20 Berufe. Gerade junge Schüler seien in ihren Rollenbildern noch längst nicht gefestigt und dementsprechend offen gegenüber geschlechteruntypischen Ausbildungsmöglichkeiten. Während des Tages sollten Mädchen und Jungen in größeren Betrieben getrennt zur Werke gehen, die Abschlussveranstaltungen könnten dann gemeinsam gestaltet werden. Sie hätte die Erfahrung gemacht, dass die Schüler sich so mehr zutrauen.

„Kampf gegen Windmühlen“

Die Gestaltung des Zukunftstages ist den Schulen individuell überlassen. An eine strikte Aufteilung nach geschlechtsspezifischen Berufen ist aber nicht zu denken, sagt Schulleiter Helmut Brandebusemeyer vom Gymnasium Carolinum. Er habe eine Zeit lang versucht, der ursprünglichen Idee gerecht zu werden. „Das ist ein Kampf gegen Windmühlen“, erzählt er. Viele Schüler gingen mittlerweile häufig zu den Betrieben ihrer Eltern, gerade bei den unteren Klassen käme die Veranstaltung eher einem Erlebnistag gleich, der Abwechslung vom Schulalltag biete. Brandebusemeyer steht dem Konzept distanziert gegenüber, ein Einblick in die Berufswelt werde nur bedingt gewährt. Der Unterrichtsbetrieb am Carolinum gehe normal weiter, das Angebot nähmen vor allem die jüngeren Schüler war.

Den Tag aktiv gestalten

Die Angelaschule verfolgt einen anderen Ansatz. Schulleiter Otto von der Heide erklärt, der Zukunftstag müsse aktiv gestaltet werden. Für die Schüler der Klassen fünf, sechs und sieben habe die Schule ein Betreuungsangebot eingerichtet, sofern sie keinen Betrieb besuchen. Die Klassen acht bis zehn müssten dagegen an dem Zukunftsprogramm teilnehmen, die Berufsorientierung sei verpflichtend. Zudem gebe es für alle Lehrer eine schulinterne Fortbildung. „An sich halte ich das Programm für sinnvoll“, sagt von der Heide. Wer mit Beginn der Klasse fünf dabei sei, könne sechs verschiedene Berufe kennenlernen. Eine Unterscheidung nach geschlechterspezifischen Berufen macht die Angelaschule allerdings nicht.

Aus Sicht der Betriebe ist diese Unterscheidung auch nicht immer sinnvoll, erläutert Katharina Schütze vom Osnabrücker IT-Dienstleister Intevation. Natürlich sei es wünschenswert, mehr Frauen für die IT-Branche zu begeistern. Generell will ihr Betrieb aber für jedermann einen Einblick in die Software-Entwicklung geben. Sie freue sich über weibliche Bewerbungen, eine vielfältige Belegschaft definiere sich jedoch nicht nur über das Geschlecht. Intevation sei eine kleine Firma, für den Zukunftstag habe das Unternehmen zwei Plätze ausgeschrieben. Schütze betont, dass die Schüler etwas mitnehmen sollten, auch einfache, kleinere Aufgaben stünden auf dem Programm.


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