Stichtag 1. Mai Wie Osnabrücker Kitas mit der flexiblen Einschulung umgehen

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Ist mein Kind schulreif oder nicht – diese Frage dürfen sich jetzt auch Eltern in Osnabrück stellen. Foto: dpaIst mein Kind schulreif oder nicht – diese Frage dürfen sich jetzt auch Eltern in Osnabrück stellen. Foto: dpa

Osnabrück. Die Flexibilisierung des Einschulungstermins an niedersächsischen Grundschulen hat auch Auswirkungen auf die Kita-Plätze in Osnabrück. Denn was passiert, wenn Kinder ungeplant länger bleiben, aber ihre Plätze schon seit Februar neu vergeben sind?

Mit der im Frühjahr 2018 beschlossenen Flexibilisierung des Einschulungstermins an niedersächsischen Grundschulen hat sich die Große Koalition im niedersächsischen Landtag in den Kommunen keine Freunde gemacht. Denn seitdem können Eltern von Kindern, die zwischen dem 1. Juli und dem 30. September sechs Jahre alt werden, mit einer schriftlichen Erklärung den Schulstart um ein Jahr hinausschieben, wenn sie dies möchten.

Die Idee dahinter ist, dass in Niedersachsen Kinder, die bis zum 30. September sechs Jahr alt geworden sind, als Muss-Kind bezeichnet werden, da sie in die Schule müssen. Einige dieser Kinder wurden in der Vergangenheit also schon mit fünf Jahren eingeschult, was in manchen Fällen zu Problemen führte. Zudem war es bis zur Flexibilisierung schwierig, wenn Eltern ihr Kind selbst noch nicht als „schulreif“ empfanden: Diese Kinder mussten – ärztlich attestiert – körperlich, geistig oder in ihrem sozialen Verhalten nicht genügend entwickelt sein. Die generelle Entscheidung wurde dann vom Schulleiter getroffen. (Weiterlesen: Was sind Kann- und Muss-Kinder in Niedersachsen?)

Wohin mit den Kindern, die bleiben sollen?

Seit diesem Frühjahr können die Eltern nun selbst entscheiden – und das bringt die Kommunen in die Bredouille: Bis zum 1. Mai haben Eltern noch Zeit, mit einem formlosen Anschreiben ihr Kind noch ein weiteres Jahr zurückstellen zu lassen. Allerdings ist unklar, wo diese Kinder dann betreut werden. „Diese Novelle des Schulgesetzes wurde viel zu schnell gestrickt, ohne überhaupt auf die möglichen Probleme der Kita-Versorgung der Kommunen einzugehen“, findet daher Helmut Tolsdorf, der zuständige Fachdienstleiter der Stadt Osnabrück. Denn die Verträge für die Kita-Plätze in der Stadt Osnabrück wurden schon im Februar zwischen den Eltern und den Kindergärten geschlossen. Damals also, als die Flexibilisierung noch gar nicht beschlossen war.

„In den städtischen Kitas haben sich etwa 20 Eltern dafür entschieden, dass ihr Kind noch nicht eingeschult wird“, sagt Tolsdorf. „Das ist quasi eine ganze Kindergartengruppe.“ Für die weiteren Einrichtungen erhebt Tolsdorf die Zahlen noch; zudem wird er sich in der kommenden Woche an die Grundschulen wenden und dort ebenfalls nachfragen. „Sobald der Stichtag vorbei ist, müssten wir es genau wissen“, sagt er.

Wo kein Platz ist, ist kein Platz

„Im schlimmsten Fall müssten diese Kinder die Kita wechseln“, erklärt Christiane Harig, Leiterin der vom Studentenwerk getragenen Campus-Kita. „Eltern, die ihr Kind doch noch ein weiteres Jahr in der Kita betreut haben wollen, dürfte ich sagen: ,Das können sie, aber hier kann ihr Kind nicht betreut werden‘.“ Harig würde dies nur ungern tun, doch wo kein Platz ist, ist kein Platz. „Bei uns in der Campus-Kita gibt es diese Fälle aber glücklicherweise nicht, doch ich weiß von einer anderen Kita, in der die zurückgestellten Kinder nur deshalb bleiben können, weil zufälligerweise andere Familien wegziehen mussten.“

Darauf baut auch Tolsdorf: „Durch spontan frei werdende Plätze können Kinder noch untergebracht werden, aber das sind unplanbare Gegebenheiten. Ansonsten wird es schwierig.“ Er weiß auch von einer Kita, die zurückgestellten Kindern noch einen Platz in einer anderen Einrichtung ihres Träger vermitteln können. „Stadt und Träger versuchen, alle unter zu bekommen“, sagt er. Schließlich haben die Eltern aller Kinder ab einem Jahr einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz – und diese sind in Osnabrück jetzt schon knapp. (Weiterlesen: Zu wenig Kita-Plätze in Osnabrück)

Hoffen auf das Schuljahr 2019/2020

Für das Schuljahr 2019/2018 hofft Tolsdorf, dass wenigstens der Stichtag der Elternentscheidung nach vorne verlegt und idealerweise synchron dem Datum angepasst wird, an dem die Verträge mit den Kitas geschlossen werden: „Der 1. Mai ist für die Kitaplanungen einfach zu spät, um seriös planen zu können.“

Eine andere Alternative wäre, dass die niedersächsische Regierung den Betreuungsschlüssel verändert, sprich: größere Gruppen mit mehr Kindern zulässt, damit alle einen Platz finden. „Aber das kann politisch nicht gewollte sein“, ist sich Tolsdorf sicher


Stichtage für die Schulpflicht in Deutschland

30. Juni: Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg­Vorpommern, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein

1. August: Thüringen

31. August: Rheinland-Pfalz

30. September: Bayern, Baden-Württemberg, Brandenburg, Niedersachsen*, Nordrhein-Westfalen

31. Dezember: Berlin

*In Niedersachsen gilt die Flexibilisierung des Einschulungsstichtages; sprich: Eltern von Kindern, die zwischen dem 1. Juli und dem 30. September das sechste Lebensjahr vollenden, haben die Möglichkeit, den Einschulungstermin um ein Jahr zu verschieben.

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