Schutzgeld, Entführung, Gewalt Prozess gegen United Tribuns Osnabrück gestartet – Ein Angeklagter unauffindbar

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Unter großen Sicherheitsvorkehrungen hat am Mittwoch der Prozess gegen mehrere Mitglieder der einstigen rockerähnlichen Gruppierung United Tribuns begonnen. Foto: Gert WestdörpUnter großen Sicherheitsvorkehrungen hat am Mittwoch der Prozess gegen mehrere Mitglieder der einstigen rockerähnlichen Gruppierung United Tribuns begonnen. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Unter großen Sicherheitsvorkehrungen hat am Mittwoch vor dem Landgericht Osnabrück der Prozess gegen mehrere Mitglieder der einstigen rockerähnlichen Gruppierung United Tribuns begonnen. Die 15. Strafkammer verhandelt zwei zusammengelegte Fälle aus den Jahren 2014 und 2015.

Osnabrück. Der Staatsanwalt verlas die Anklagen: Im ersten Fall sollen die sieben einstigen Tribuns Osman G., Yusuf G., Mustafa T., Asen A., Servet U., Jachja M. sowie Kemal G. zwischen November 2014 und Mai 2015 gemeinschaftlich Schutzgeld von einem Osnabrücker Dachdecker erpresst haben. Auf Anweisung ihres Anführers der Tribuns, Osman G., hätten Kemal G. und M. 10.000 Euro von dem Unternehmer gefordert. Auf dem Tisch lagen mehrere Schusswaffen, Totschläger und Messer, M. habe mit einer Machete hantiert. 

Weigere sich der Unternehmer zu zahlen, müsse er mit Geschäftseinbußen, Angriffen und Sachschäden rechnen. Die Mitarbeiter des Dachdeckers sollten 500 Euro pro Woche zahlen, in den Sommermonaten 1000 Euro. Der Dachdecker wies die Forderung zurück und sagte, er habe ohnehin nicht so viel Geld. Am nächsten Abend forderten G., G., G., M. und A. sowie weitere unbekannte Komplizen 15.000 Euro.

Mitarbeiter auf Straße verprügelt

Am 23. November 2014 soll Yusuf G. einen Mitarbeiter des Unternehmers per Telefon auf die Straße gebeten haben. Dort schlugen ihn drei schwarz gekleidete und maskierte Personen zu Boden, traten und schlugen weiter auf ihn ein. Der Mitarbeiter wurde schwer verletzt. 

Aus Angst floh der Unternehmer daraufhin für zwei Monate mit seiner Familie in die Türkei. Direkt nach seiner Rückkehr soll Kemal G. 5000 Euro gefordert haben. Der Unternehmer zahlte 1500 Euro an ihn. Am darauf folgenden Wochenende forderten T., G., U. und A. im Auftrag von Osman G. weitere 15.000 Euro.

Der Unternehmer erstattete bei der Polizei Anzeige. Es folgten Durchsuchungen, fünf der sieben Angeklagten saßen zwischenzeitlich in Untersuchungshaft. Osman G. und Yusuf G. müssen sich zudem wegen des unerlaubten Schusswaffenbesitzes verantworten.

Freier malträtiert

Im zweiten Fall hatte ein Freier in einem Osnabrücker Bordell im April 2015 festgestellt, dass sein Geld gestohlen worden war. Er rief einen Bekannten an, der ihm zusagte, das Geld ins Bordell zu bringen. Doch bevor dieser eintraf, sollen Servet U. und Asen A. sowie drei weitere unbekannte Mitglieder der Tribuns das Zimmer gestürmt haben. U. schlug dem Mann mit einem Teleskopschlagstock auf den Kopf, wodurch er eine Platzwunde erlitt. Sie brachten ihr Opfer in einen küchenähnlichen Bereich und malträtierten ihn mit Fäusten, Tritten und Teleskopschlagstücken. A. soll dem Mann das Nasenbein gebrochen haben. 500 Euro sollen die Fünf gefordert haben.

Sohn in die Türkei entführt?

Anschließend entführten die Tribuns ihr Opfer in ein Café, wo sie erneut Geld forderten. Um weiteren Misshandlungen zu entgehen, rief das Opfer seinen Vater an, der den fünf Männern 350 Euro gab.

Yusuf G. war nicht zum ersten Hauptverhandlungstag erschienen. Die Zustellungsurkunde war an seine Meldeadresse in Bremen gegangen, kam aber von der Post zurück. Wie, das konnte das Gericht nicht feststellen. G. Aufenthaltsort ist unbekannt. Seine Ehefrau soll der Bremer Polizei gesagt haben, G. habe ihren Sohn 2016 in die Türkei entführt, die Scheidung laufe.

Der Vorsitzende Richter Eike Schmidt trennte das Verfahren gegen die Einwände mehrerer Anwälte ab. G. wird sich in einem eigenen Verfahren verantworten müssen – sofern er ausfindig gemacht werden kann.

Angeklagten wollen schweigen

Fünf weitere Verhandlungstage sind bis Anfang Juni geplant. Die Angeklagten ließen verkünden, nicht auszusagen. Der Prozess findet unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt. Am Eingang erfolgte die übliche Prüfung an der Sicherheitsschleuse. Vor dem Sitzungssaal durchsuchten Justizbeamte alle Personen.

Unter großen Sicherheitsvorkehrungen hat am Mittwoch der Prozess gegen mehrere Mitglieder der einstigen rockerähnlichen Gruppierung United Tribuns begonnen. Die Sicherheitsvorkehrungen waren streng. Foto: Gert Westdörp

Der lokale Ableger der United Tribuns hatte sich im November 2014 in Osnabrück gegründet, gilt aber seit dem Sommer 2017 als aufgelöst.



Viele Verfahren vorgezogen

Die insgesamt sieben Angeklagten müssen sich direkt vor dem Landgericht verantworten und nicht vor dem Amtsgericht. Das Landgericht ist zuständig, wenn ein Strafmaß von mindestens vier Jahren zu erwarten ist sowie bei Fällen von besonderer Bedeutung.

Die lange Dauer bis zur Verhandlung ist mit der Auslastung des Gerichts zu erklären. Priorität haben Haftsachen: Sitzt ein Angeklagter in Untersuchungshaft, muss das Gericht binnen sechs Monaten verhandeln. Einige Mitglieder der Tribuns hatten nur kurzzeitig in U-Haft gesessen.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN