Zwischen Naturidylle und Komasaufen Das sind die Hotspots der Maigänger im Osnabrücker Land

Von Bastian Rabeneck


Osnabrück. Der 1. Mai ist für die einen die perfekte Gelegenheit ausgelassen im Freien zu feiern, für die anderen ein Tag, der gerne aus dem Kalender gestrichen werden dürfte. Allzu oft eskalieren die Zusammenkünfte der Maigänger unter dem Einfluss von Alkohol. Dabei hat das Osnabrücker Land zahlreiche Ausflugsziele für einen friedlichen Tag der Arbeit zu bieten.

Den 1. Mai verbinden die meisten mit ausgelassenen und vor allem alkoholreichen Ausflügen ins Grüne. Obligatorischer Begleiter: Der vollgepackte Bollerwagen, der in manchen Fällen gar nicht mehr als solcher zu erkennen ist. Vergangenes Jahr präsentierte eine Gruppe Jugendlicher im Nettetal ihr auf rund 800 Kilogramm aufgemotztes Gefährt – eigene Zapf- und 4000-Watt-Musikanlage inklusive.

Für Ansgar Knollmeyer, Betreiber des gleichnamigen Gasthofs im Nettetal, ist der 1. Mai alles andere als ein Grund zum Feiern. „Am Ende des Tages bin ich einfach nur froh, wenn alles heile geblieben ist. Das ist aber meistens nicht der Fall“, sagt der Wirt. Um der Situation einigermaßen Herr zu werden, engagiert er an dem Feiertag einen Sicherheitsdienst, der bei Notfällen eingreift. Damit sind für ihn natürlich auch höhere Kosten verbunden. „Ich kann glücklich sein, wenn ich den Tag ohne Minus abschließe. Mehr als eine Nullrunde ist eigentlich nicht drin“, sagt Knollmeyer.

Knollmeyers Mühle im Nettetal. Foto: André Havergo

Der Osnabrücker Polizei ist das Gebiet an der Nette ebenfalls als Anlaufstelle zahlreicher Maiwanderer bekannt, die zu Knollmeyers Leidwesen gerne über die Stränge schlagen. Zwischen 400 und 500 Personen hatten sich laut Polizei 2017 dort versammelt.

Die Besucher hinterlassen Massen an Müll. Um den Müllbergen im Nettetal vorzubeugen, hat Rüdiger Mittmann von der Gemeinde Wallenhorst mit seinem Team ein Entsorgungskonzept erarbeitet. Eine Mulde und mehrere Mülleimer werden aufgestellt sowie Müllsäcke verteilt. „Wir wollen das Feiern nicht verbieten, wohl aber an die Jugendlichen appellieren, Rücksicht auf die Umwelt zu nehmen“, sagt Mittmann und betont, dass es sich im Nettetal um keine offizielle Veranstaltung der Gemeinde handelt. Mit Durchsagen von Mitarbeitern vor Ort und an Bauzäunen aufgehängten Transparenten, soll die feiernde Menge dazu motiviert werden ihren Müll ordnungsgemäß zu entsorgen.

Steigende Gewaltbereitschaft

Außerdem besonders beliebt bei der jüngeren Bollerwagen-Fraktion: Der sogenannte Marsch der Lemminge von Ankum nach Kettenkamp. Knapp 1200 Personen beteiligten sich im vergangenen Jahr an dem Umzug. Mit steigendem Alkoholpegel der Teilnehmer, stieg allerdings auch die Gewaltbereitschaft. Betrunkene rissen Leitpfosten aus dem Boden und beschädigten Schutzzäune. Die Polizei musste mehrfach eingreifen. Zwei Personen wurden in Gewahrsam genommen, sechs Platzverweise verteilt.

Am Ausflugslokal Weberhaus in Melle sah die Situation kaum anders aus. Die circa 1000 Besucher der offiziellen Maifeier rund um das Restaurant fielen hauptsächlich durch starken Alkoholkonsum auf. Zwölf Platzverweise waren das Resultat, 51 Menschen mussten von den anwesenden Rettungskräften behandelt werden.

Sicherheitskonzept gegen Ausschreitungen

Mit einem Sicherheitskonzept sollen Ausschreitungen am Römerlager von vornherein verhindert werden. Das teilt Stefan Pelz von der Stadt Bad Laer mit. Polizei, Ordnungsamt, Deutsches Rotes Kreuz sowie ein privater Sicherheitsdienst werden vor Ort sein, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. 2017 hatten sich rund 1000 Personen am Römerlager zusammengefunden. „Es ist keine offizielle Veranstaltung der Gemeinde aber natürlich müssen wir bei so einer Menge an Menschen für Sicherheit sorgen“, sagt Pelz. Zusätzlich wird der Bereich um das Römerlager, wie schon im vergangenen Jahr, weiträumig für den Autoverkehr gesperrt. Die laut Pelz auch mit den aufgestellten Mülltonnen nicht zu verhindernden Müllberge, beseitigt die Gemeinde am Folgetag.

Weniger Maigänger in Bad Iburg

Ruhiger ging es im vergangenen Jahr am Bad Iburger Charlottensee zu. Dort hatten sich nach Polizeiangaben rund 500 Personen zusammengefunden, um das Panorama zu genießen. Ausschreitungen habe es keine gegeben. In diesem Jahr ist der Bereich um den See allerdings fester Bestandteil der Landesgartenschau und damit nicht mehr frei zugänglich. Auf welche Flächen die Maigänger ausweichen, lässt sich nur schwer absehen. Laut Bad Iburgs Bürgermeisterin Annette Niermann sei in den vergangenen Jahren aber ohnehin am Charlottensee ein Rückgang der Besucher am 1. Mai zu beobachten. Die Menschen würden zunehmend auf das Römerlager in Bad Laer ausweichen. Dementsprechend gebe es in Bad Iburg auch kein Sicherheitskonzept für Ausweichflächen. „Ist absehbar, dass sich die Menschen doch an einem bestimmten Platz sammeln, können wir spontan reagieren und einen Sicherheitsdienst aktivieren“, sagt Niermann.

Neben dem Nettetal und den Bad Iburger Grünflächen bietet das Osnabrücker Land aber noch zahlreiche weitere Ausflugsziele für alle, die es am Tag der Arbeit nicht zu Hause hält. Beliebte Anlaufstellen sind beispielsweise der durch Bramsche führende Mittellandkanal oder der Stichkanal an der Hollager Schleuse. Die in der Nähe anlegenden Fahrgastschiffe bieten die Möglichkeit, sich entspannt über das Wasser treiben zu lassen. Die umliegenden, weitläufigen Wanderwege laden zu einer Feiertagstour ein.

Beliebte Ziele

Ein beliebtes Ziel für Familien ist am 1. Mai außerdem der Flugplatz in Bohmte. Der Luftsportverein Wittlage präsentiert bei seinem Tag der offenen Tür ab neun Uhr Kunstflugshows mit Doppeldeckern und Segelflugzeugen. In den Pausen haben die Gäste die Chance Ausstellungsstücke, zu denen auch ein Hubschrauber der Bundeswehr gehört, unter die Lupe zu nehmen.

Generationsübergreifender Treffpunkt wird auch wieder der Osnabrücker Rubbenbruchsee sein. Im vergangenen Mai genossen sowohl Familien als auch feierwütige Jugendliche das Wetter auf und abseits des Wassers. Knapp 600 Personen zählte die Polizei, die das Gelände in einen einzigen großen Grillplatz verwandelten. Spezielle Sicherheitsvorkehrungen wie in Bad Laer werde es laut Presseamt der Stadt Osnabrück allerdings nicht geben.

Verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol

Für die Polizei ist der 1. Mai in aller Regelmäßigkeit mit zahlreichen Einsätzen verbunden. Die Beamten mussten 2017 unter anderem wegen Sachbeschädigung, Schlägereien und dem Einsatz von Pyrotechnik ausrücken. Am Römerlager wurden drei Polizisten verletzt, als sie eine Schlägerei beenden wollten. Damit sich in diesem Jahr die Fälle nicht häufen, appelliert die Polizei insbesondere an Jugendliche, einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol zu pflegen. Autos und Fahrräder sollten auch bei geringem Konsum nicht genutzt werden. „Die Polizei wird an diesem Tag ein besonderes Augenmerk darauf legen“, sagt Frank Oevermann, Pressesprecher der Polizei Osnabrück. Sollten sich gewalttätige Auseinandersetzungen anbahnen, sei es in jedem Fall sinnvoll, die Polizei zu alarmieren. „Auch der Einsatz von Pyrotechnik ist zu melden“, sagt Oevermann. Niemand solle sich scheuen die Polizei zu verständigen. „Wir kommen lieber einmal mehr und werden präventiv tätig.“