„Der macht immer so viel Quatsch” Ein Meisen- als Starenkasten in Osnabrück-Sutthausen – Erlaubt?

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Ein falscher Blitzer, eigentlich ein Nistkasten mit dem Namen „Villa Meise”, steht an der Hermann-Ehlers-Straße in Osnabrück-Sutthausen. Foto: David EbenerEin falscher Blitzer, eigentlich ein Nistkasten mit dem Namen „Villa Meise”, steht an der Hermann-Ehlers-Straße in Osnabrück-Sutthausen. Foto: David Ebener

Osnabrück. Meisen- oder Starenkasten? An der Hermann-Ehlers-Straße in Osnabrück-Sutthausen steht auf einem Grundstück ein Meisenkasten, der aussieht wie ein Starenkasten. Ist das erlaubt?

Die Form ist die eines Vogelhäuschens, an der Seite ist „Villa Meise” aufgemalt. Die Vorderseite allerdings dürfte viele Autofahrer reflexartig auf das Bremspedal treten lassen. Viel Mühe hat sich der Erbauer dieses Nistkastens gemacht, damit dieser auf den ersten Blick eine frappierende Ähnlichkeit mit einem Blitzer hat, „Linse” und „Blitz” auf die Straße ausgerichtet.

Foto: David Ebener

Spaß und Abschreckung

Gebaut und am Samstag aufgestellt haben den Blitzer der Sutthauser Karl Meyer und sein Bruder. „Entstanden ist die lustige Idee bei einer Flasche Bier. Wir machen uns einfach einen Spaß draus”, sagt der 72-Jährige. An der viel befahrenen Straße seien „99 Prozent der Autofahrer zu schnell”, versichert er. „Wir haben die Hoffnung, dass einige dadurch etwas langsamer fahren.”

„Der macht immer so viel Quatsch, und dann ruft er seinen Bruder an, und der macht auch noch mit.”

Verärgert wirkt Meyer dabei nicht, wenn er das erzählt. „Es sind keine Rachegelüste, es macht mir einfach Freude”, sagt er. „Ein Gag.” Das bestätigt seine Frau. „Der macht immer so viel Quatsch, und dann ruft er seinen Bruder an, und der macht auch noch mit.”

Gesagt, getan: Im Kasten befindet sich sogar eine Kamera, aber die funktioniere nicht, betont Meyer. Der Pfosten ist einbetoniert. „Den kriegt man nicht raus”, ist sich der 72-Jährige sicher.

Attrappe erlaubt?

Meyer habe sich im Vorfeld informiert, ob er den Kasten auf seinem Grundstück aufstellen darf. „Wir haben uns das vorher schon gut überlegt, ob das legitim ist.” Er ist überzeugt, dass es das ist und erinnert an den Fall in Georgsmarienhütte, wo der Landkreis vor kurzem erst eine Attrappe einkassiert, dann aber wieder herausgegeben hatte.

Für Stadtsprecher Sven Jürgensen ist der Fall  nicht ganz so eindeutig. Hat der Kasten die Funktion eines Brutkastens oder die, Autofahrer schlichtweg zur Einhaltung der erlaubten Geschwindigkeit zu bewegen? Und damit womöglich zu gefährden?

Frage der Verkehrsgefährdung

Nein, so ist es dann doch nicht. Grundsätzlich sei das Aufstellen einer Blitzerattrappe auf privatem Grund nicht verboten. Entscheidend sei die Frage, ob der Kasten die Sicherheit des Verkehrs gefährdet, sagt Jürgensen.

Denn das Strafgesetzbuch sieht eine Geldstrafe oder gar Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren bei einem gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr vor. „Wir werden das in den nächsten Tagen prüfen”, sagt Jürgensen. „Mit einer gewissen Portion Gelassenheit”, ergänzt der Sprecher. 

Der falsche Blitzer, eigentlich ein Nistkasten mit dem Namen „Villa Meise”. Bislang sind keine Vögel in den Kasten eingezogen. Foto: David Ebener

Zuletzt eine ethische Frage

Sollte die Verwaltung den Kasten als Gefährdung für den Straßenverkehr einstufen, steht sie – womöglich – vor einem Problem. „Was ist, wenn eine Meise darin brütet?”, fragt Jürgensen. Aber das könne ja geklärt werden, wenn sich die Frage tatsächlich aufdränge. Meyer sagt, momentan sei der Kasten noch unbewohnt.

Für die Villa Meise sieht es also vorerst gut aus, dort stehenbleiben zu können. „Wir gehen nicht von einer Gefährdung aus und freuen uns, wenn eine Meise darin brütet”, so Jürgensen abschließend.


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