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17.04.2018, 18:00 Uhr KOLUMNE

Beim EMAF trifft Medienkunst auf Nähmaschinen

Von Ralf Döring


Osnabrück. Das EMAF 2018 zeigt und konfrontiert uns mit neuester Medienkunst. Wir Reporter lupfen aber auch den Vorhang und schauen hinter die Kulissen. Denn dort geht es erstaunlich analog zu.

Glaubt man der Schwarmintelligenz im Internet, ist die Necchi 559 unverwüstlich. LKW-Planen zweilagig, Leder, alles kein Problem für das durch und durch analoge Schätzchen. Ob nun Franz Reimer, der Kurator der Ausstellung beim EMAF 2018, dieses Wunderwerk der Technik dort gekauft oder aus erster, zweiter, dritter Hand erstanden hat, ist nicht sicher. Fest steht: Er hat es aus Berlin mit nach Osnabrück gebracht, beseelt von dem Drang, einen Beitrag zur Ausstellung leisten, der über das Kuratorische hinausgeht. Und was hat nahezu ewigen Wert? Das Handwerk, in diesem Fall das des Schneiders, wird zum Softskill des Kopfarbeiters, zum Vehikel, das einen Hauch Ewigkeit beschert. Wir wissen nicht, ob er deswegen das Kunstwerk „Rhizomat VR“ in die Ausstellung in der Kunsthalle geholt hat, bei dem Vorhänge die virtuelle von der echten Welt trennen: Eröffnet das die Chance, sich unwiderruflich in die Köpfe und die Herzen der EMAF-Besucher zu nähen, wenn nicht gar in die Unsterblichkeit Egal: Die Mühe war vergebens; die Necchi 559 versagte angesichts hunderter zu nähender Meter kläglich ihren Dienst. Die Vorhänge hängen trotzdem, dank modernster Technik namens Bernina achtiva 220. Die näht alles weg: Hightec mit vielen Knöpfen und Display. Nur damit erlangt man ewigen EMAF-Ruhm.


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